Forschung wird immer digitaler

Dienstag, 25. Juni 2019
Umfrage zum Thema Forschungsdaten 2018

von Dr. Susanne Buch

Mikroskopische Aufnahme von Gewebe
Digitale Aufnahme durch ein Mikroskop (Colourbox)

Wo früher noch mühsam eine Zeichnung des durch das Mikroskop erspähten Objektes gemacht werden musste, wird heute per Mausklick ein digitales Foto erzeugt und direkt auf dem Computer abgelegt.

Mit der zunehmenden Umstellung von Papier zu elektronischen Medien vollzieht sich in der wissenschaftlichen Welt ein Wandel, welcher die Forschenden vor neue Probleme stellt. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in diesem Prozess unterstützen zu können, ist es wichtig, deren aktuellen Umgang mit digitalen Daten nachzuvollziehen. Daher wurde in Kooperation mit dem UNEKE Projekt der Universität Duisburg-Essen und der RWTH Aachen an unserer Hochschule eine Umfrage zum Thema Forschungsdaten durchgeführt.

Das Projekt UNEKE

Die Universität Duisburg-Essen und die RWTH Aachen haben sich in einem gemeinsamen Projekt zum Ziel gesetzt, den Umgang mit Forschungsdaten an deutschen Hochschulen zu evaluieren und mit den erhobenen Daten eine Roadmap für Forschungsdateninfrastrukturen zu erstellen. (UNEKE: Vom USB-Stick zur NFDI – Entwicklung eines kriteriengeleiteten Entscheidungsmodells für den Aufbau von Forschungsdateninfrastrukturen)

Im Zuge des Projektes wurde 2018 an 13 Hochschulen in NRW und Umgebung eine Umfrage zum Thema Forschungsdaten durchgeführt. Ziel war unter anderem, den Hochschulen eine Hilfestellung zur Bedarfsermittlung zu geben. Gleichzeitig sollte auch ein Überblick über den Stand des Forschungsdatenmanagements in unserer Hochschullandschaft gegeben werden.

Auswertung der Umfrage zum Thema Forschungsdaten 2018
Umfrage Forschungsdaten 2018 (Bild: Dr. Susanne Buch)

Die Umfrage

Dank einer guten Beteiligung sind die Ergebnisse der Umfrage relevant für die Beurteilung des aktuellen Umgangs mit Forschungsdaten an der H-BRS. So zeigte sich, dass viele der Forschenden sehr bewusst mit den von ihnen erfassten Daten umgehen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kam aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Vertreten waren aber auch die Disziplinen Ingenieurwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften und Lebenswissenschaften.

Lokale Speichermedien
Lokale Speichermedien (Colourbox)

Speicherung und Archivierung

Die wissenschaftlich erzeugten Daten tauchen in den unterschiedlichsten Formaten und Größen auf, von wenigen Kilobyte bis hin zu einem Terabyte pro Forschungsprojekt. Nach Auskunft der ForscherInnen werden diese Dateien auch für eine lange Zeit aufgehoben; bis zu 50% der Daten werden länger als 25 Jahre gespeichert. So werden sich im Lauf der nächsten Jahre immer mehr Daten ansammeln, für die auch ausreichend sicherer Speicherplatz zur Verfügung gestellt werden muss.

Der Ort der Speicherung und Archivierung ist an der H-BRS zumeist lokal, entweder auf dem Dienstrechner oder auf USB-Geräten. In geringerem Maße finden die angebotenen Instituts- und Hochschulserver Verwendung. Ein deutlicher Anteil speichert die Forschungsdaten auf dem privaten Laptop. Auch verschiedene Cloud-Services finden Verwendung, während externe Repositorien und Archiv-Dienste kaum in Anspruch genommen werden. Wichtig zu erwähnen ist hier, dass zur sicheren Aufbewahrung der Forschungsdaten sich Serverlösungen eindeutig besser eignen, da lokale Geräte verloren gehen oder defekt werden können.

Die Teilnehmer wurden ebenfalls gefragt, wie strukturiert sie ihre Forschungsdaten mit Zusatzinformationen versehen. Zur Wiederauffindbarkeit der Forschungsdaten nötige Informationen, so genannte Metadaten werden an der Hochschule in 74% der Fälle hinterlegt - in der Hälfte der Fälle wird dafür jedoch kein Schema verwendet. Sind die Dateiinformationen nicht nachvollziehbar, droht nach einigen Jahren leider die Einstufung als Datenschrott.

Auch beim Thema Forschungsdaten ist Nachhaltigkeit ein Begriff. So sollte man sich gut überlegen, in welchen Formaten man Dateien ablegt. Herstellerspezifische Formate werden nicht ewig unterstützt, daher wird für die Langzeitarchivierung zu allgemeingültigeren Formaten wie z.B. PDF/A, TXT, CSV, XML, TIFF usw. geraten.

Datensicherheit
Bild: Colourbox

Datenschutz und Richtlinien

Das Thema Datenschutz ist den Forscherinnen und Forschern an der H-BRS wichtig. Etwa ein Drittel der Teilnehmer muss seine Daten sogar anonymisieren. Häufig erfolgt von anderen Parteien Zugriff auf die eigenen Daten, zumeist durch Mitglieder der eigenen Arbeitsgruppe, aber auch durch Kooperationspartner von anderen Hochschulen oder aus der Industrie. Hier wünschen sich die meisten Umfrage-Teilnehmer ein sichtbares Zugriffsprotokoll.

Ebenso wichtig in der Forschung sind Richtlinien der Hochschule und von Forschungsförderern, welche den Umgang mit den verwendeten Daten regeln. Die Teilnehmer der Umfrage wünschen sich auch hier mehr Informationen, da eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Einhaltung der vorherrschenden Richtlinien besteht.

Infrastruktur und Service

Da in den Fachbereichen und Instituten sehr wenig Personal mit der Pflege von Daten und der Datenhaltung betraut sind, ist der Wunsch nach mehr Serviceangeboten durch die Hochschule groß. Diese reichen von einem ausreichenden Speicherplatz bis hin zu Beratung zum Umgang mit Forschungsdaten, dem Publizieren von Forschungsdaten, Richtlinien und Informationen. Nicht zuletzt wird auch mehr rechtliche Sicherheit bezüglich sensibler Daten und Lizenzen benötigt.

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg im Vergleich

Die in dieser Umfrage erhaltenen Daten unterscheiden sich nicht deutlich von den Ergebnissen der anderen am UNEKE Projekt teilnehmenden Hochschulen. Es soll jedoch hervorgehoben werden, dass, gemessen an dem schnellen Fortschreiten in der digitalen Welt, die an den Hochschulen vorherrschende Infrastruktur nicht vollständig ausreichend ist.

Die H-BRS sieht es als ihren Auftrag, für ihre Forscherinnen und Forscher ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen, damit weiterhin gute Wissenschaft betrieben werden kann. Daher wird an verschiedenen Stellen an dem Ausbau der Infrastruktur zur Unterstützung im Umgang mit digitalen Daten gearbeitet.

Hochschulweit werden die Forschenden mit verschiedenen Angeboten der zentralen Einrichtungen wie einer Cloud, Software, Speicherplatz, Beratungsangeboten und Workshops unterstützt. Zum Beispiel berät und schult das Team Forschungsservices der Hochschul- und Kreisbibliothek die WissenschaftlerInnen der Hochschule Bonn-Rhein Sieg bei Fragen zum Forschungsdatenmanagement, Publikationen und Open Access.

Das Bewusstsein, dass im Bereich Forschungsdaten ein Wandel stattfinden muss, wird durch zahlreiche Landes-, Bundes- und Europaweite Projekte unterstützt. Zurzeit formiert sich die nationale Forschungsdateninfrastruktur, gefördert von Bund und Ländern mit einem Fördervolumen von bis zu 85 Millionen Euro pro Jahr.

Im digitalen Wandel stehen uns allen aufregende Zeiten bevor, sowohl positiv als auch negativ. Die damit einhergehende Arbeitserleichterung steht Aspekten wie Sicherheit und Datenschutz gegenüber. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob es gelingt, Forschung über Ländergrenzen hinweg zu vernetzen und so ein globales Netzwerk von Forschungsdaten für alle Menschen frei zugänglich zu machen.

 

Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage stehen den Mitarbeitern der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg im internen Bereich zur Verfügung: Ergebnisse der Umfrage zum Thema Forschungsdaten H-BRS