Zeit für wissenschaftliche Freiheit

Dienstag, 17. April 2018
Interview des Graduierteninstituts mit Usha Singh, Doktorandin der H-BRS mit der Universität Duisburg-Essen. Usha Singh ist 29 Jahre alt, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften bei Prof. Dr. Theo Peters und forscht als Stipendiatin zum Thema „Challenges in Recruiting in Organizations“.
Prof. Theo Peters, Rainer Herpers, Usha Sing, Vizepräsidentin Margit Geissler
Übergabe des Promotionsstipendiums im November 2017. V.l.: Betreuer Prof. Dr. Theo Peters, Prof. Dr. Rainer Herpers als Direktor des GI, Usha Singh sowie VP Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs Prof. Dr. Margit Geißler (Foto: Tritschler)

Frau Singh, warum haben Sie sich im Mai 2017 um ein Promotionsstipendium am Graduierteninstitut der H-BRS beworben?
Ich brauchte ein Stipendium, um meinen Lebensunterhalt nachhaltig zu sichern und mich dennoch auf meine Promotion konzentrieren zu können. Neben der Promotion zu arbeiten, ist aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil der Doktorandenzeit. Wenn es jedoch zu viel wird, leidet die Promotion. Und diese sollte immer an erster Stelle stehen. Ich habe mich auf drei verschiedene Stipendien beworben: das Stipendium der Gleichstellungsstelle, das Stipendium des Fachbereichs Wirtschaft und das Reiner Clement-Promotionsstipendium. Es ist eine besondere Ehre, dass ich für Letzteres ausgewählt wurde.
 

Kannten Sie Prof. Clement persönlich?
Leider nein, aber meine Kollegen und Kolleginnen haben mir erzählt, dass Prof. Clement bis zu seinem Tod 2017 sehr engagiert war und auch persönlich sehr geschätzt wurde, sowohl von Kollegen als auch von den Studierenden. Er war wohl einer der Besten.
 

Welche inhaltlichen Fortschritte haben Sie seit Beginn des Stipendiums gemacht?
Ich verfasse eine kumulative Dissertation und muss dafür mehrere Beiträge/Papiere schreiben, die in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert werden. Ich habe seit Herbst letzten Jahres zwei neue Artikel begonnen und hoffe diese im Jahr 2018 veröffentlichen zu können.
 

Sie haben an der Universität Duisburg-Essen Ihre Bachelor- und Masterabschlüsse gemacht und promovieren nun nicht nur kumulativ, sondern auch kooperativ, d.h. Ihr Doktorvater ist Prof. Prinz an der Universität Duisburg-Essen, Ihr Zweitbetreuer Prof. Peters an der H-BRS. Warum haben Sie sich, von einer Universität kommend, für diesen Weg der Promotion entschieden?
Mein Doktorvater verfügte durch sein Doktoranden-Netzwerk bereits über Kontakte zur H-BRS. Als die H-BRS mir zudem eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin anbot, habe ich mich dazu entschlossen, kooperativ zu promovieren. Ich fühle mich hier auch sehr wohl und habe diesen Schritt nicht bereut.
 

Stellen Sie sich vor, Sie sprechen mit Studentinnen und Studenten, die kurz vor einem Bachelorabschluss stehen. Würden Sie ihnen raten, auch einen Masterstudiengang oder später sogar eine Promotion anzustreben?
Natürlich ist es reizvoll, nach dem Bachelor in der freien Wirtschaft Geld zu verdienen, gerade in Zeiten des Personalmangels. Ich persönlich finde allerdings, dass Bildung ein sehr hohes Gut ist und wir dankenswerter Weise in Deutschland einen freien Zugang zu fast kostenloser Bildung genießen. Von daher wollte ich dieses Privileg umfänglich nutzen. Ein weiterführendes Studium, sei es der Master oder auch eine anschließende Promotion, dient nicht nur der inhaltlichen Weiterbildung, sondern vor allem auch der persönlichen Weiterentwicklung. Ich will die bisher gesammelten Erfahrungen mit Kollegen, Professoren und mir selbst nicht missen. Ein so freies Arbeiten wie in der Wissenschaft wird man in der freien Wirtschaft nur schwerlich finden. Und mein Vater sagte mir immer: „Arbeiten und viel Geld verdienen kannst du später noch genug, jetzt ist die Zeit zu lernen und frei zu sein.“ Für viele ist die Promotion gedanklich sehr weit weg und viele haben wenig Vorstellungen davon, wie das sein wird. Ich kann nur empfehlen, mit den Professoren zu sprechen und Möglichkeiten auszuloten. Ob es am Ende klappt oder man sich  anders entscheidet, weil es doch nicht das Richtige ist, spielt erstmal keine Rolle. Es geht darum, es in Erwägung zu ziehen und sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden. Dann bereut man später nichts.
 

Wo sehen Sie sich beruflich und privat in zehn Jahren?
Diese Frage stelle ich mir über das Jahr verteilt immer wieder – beruflich kann ich mir sehr Vieles vorstellen und werde erst einmal schauen, wohin mich das Leben führt. Es wäre eine Möglichkeit Professorin zu werden, weil mir besonders die Forschung großen Spaß macht. Auf der anderen Seite könnte ich mir aber auch vorstellen, im Personalbereich oder in einem Institut tätig zu sein. Vielleicht lässt sich dies auch gut kombinieren. Mehrere Standbeine zu haben, wäre für mich optimal, denn so hätte ich ein Grundeinkommen und trotzdem Zeit, etwas Neues auszuprobieren oder mich zeitweise intensiver um Familie und meine Kinder zu kümmern, die in zehn Jahren hoffentlich schon leben werden.
 

Da Leser immer so neugierig und aufmerksam sind, wenn es um Persönliches geht – verraten Sie uns abschließend noch woher Ihr Name kommt?
Mein Vater stammte aus Indien und der Name bedeutet „Die Morgenröte“. Witzigerweise steht auch die römische Göttin der Morgenröte, Aurora, Patin für ein internationales Universitätsnetzwerk meiner Heimatuni Duisburg-Essen.