Graduierteninstitut feiert 10-jähriges Bestehen

Freitag, 22. Oktober 2021
ID: 
006/00gi/10-2021
In diesem Jahr feiert das Graduierteninstitut (GI) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sein zehnjähriges Bestehen. Seit seiner Gründung bietet das Institut Doktorandinnen und Doktoranden eine fachbereichsübergreifende Plattform, macht ihre Forschung sichtbar und unterstützt sie auf unterschiedlichen Ebenen bei ihrer Arbeit. Zugleich beteiligte sich das GI auf Landesebene maßgeblich bei der Gründung des früheren Graduierteninstituts NRW und heutigen Promotionskolleg NRW und der Erlangung eines eigenständigen Promotionsrechts der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) in Nordrhein-Westfalen.
Mitarbeiterinnen und Geschäftsführer des Graduierteninstituts der H-BRS, vor E-Gebäude im Sommer 2021
Miriam Lüdtke-Handjery (wiss. Referentin), Dr. Rita Cornely (Geschäftsführerin des GI), Prof. Dr. Rainer Herpers (Direktor des GI) (v.li.), Foto: Juri Küstenmacher

Bei einer kleinen Grillfeier trafen sich Lehrende, Promovierende und Wegbegleiter des Graduierteninstituts am Campus Sankt Augustin, um die Erfolge des letzten Jahrzehnts zu würdigen und gemeinsam in die Zukunft zu blicken.

Das GI hatte seinerzeit Neuland betreten: Denn obwohl die wissenschaftlichen Qualifikationen der HAW mit jenen von Universitäten vergleichbar sind, war eine Promotion für ihre Masterabsolventen lange Zeit mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Prof. Dr. Rainer Herpers, Wissenschaftlicher Direktor des Graduierteninstituts, erinnert sich: „Die anwendungsorientierte Forschung gehört seit jeher zum Selbstverständnis der HAW. Herausragende Forschungsleistungen, die bei uns erbracht worden sind, durch die Vergabe eines Doktortitels zu honorieren, war uns jedoch nicht möglich und konnte nur in Kooperation mit einer Universität erfolgen.“ Die Wettbewerbsnachteile bei der Weiterqualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses führten nicht selten dazu, dass besonders qualifizierte Studierende und Nachwuchsforschende für eine Promotion zu Universitäten, privaten Hochschulen oder ins Ausland abwanderten. Nachdem der NRW-Landtag mit dem aktuellen Hochschulgesetz den Weg zu einem eigenen Promotionsrecht am Promotionskolleg NRW grundsätzlich freigemacht hat, steht nun bald die Begutachtung durch den Wissenschaftsrat an.

Hochschulpräsident Hartmut Ihne: „Die Erlangung des Promotionsrechts durch das Promotionskolleg NRW wäre ein wichtiger Schritt, für den wir seit langem kämpfen. Es sichert die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Weiterentwicklung der Forschung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie des Wissenschaftsstandorts NRW.“

Ein großer Schritt nach vorne für die Hochschulen für angewandte Wissenschaften in NRW

Wie gefragt die H-BRS bei Doktorandinnen und Doktoranden mittlerweile ist, zeigen diese Zahlen: An der H-BRS arbeiten aktuell mehr als 100 Promovierende an ihrer Dissertation, im Jahr 2020 wurden 15 Promotionsvorhaben erfolgreich abgeschlossen. Die meisten der Doktorandinnen und Doktoranden gehören den Fachbereichen Angewandte Naturwissenschaften oder Informatik an, eine Promotion an der H-BRS ist aber in allen Fachbereichen möglich. Es ist das Verdienst des GI, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und seine Forschungsprojekte inner- und außerhalb der Hochschule sichtbar zu machen.

Bei seiner Gründung war das Graduierteninstitut die erste Einrichtung dieser Art an einer HAW. Die gezielt fächerübergreifende Ausrichtung stieß in eine Lücke: „Promotionen sind nicht zentral von der Hochschule organisiert, sondern werden von den Fachbereichen und Forschungsinstituten betreut. Das GI bietet seinen Mitgliedern eine Plattform, die sie für Vernetzung und fächerübergreifenden Austausch sowie zur fachlichen und überfachlichen Weiterqualifikation nutzen können,“ erklärt Prof. Herpers.

Das GI ermöglicht Mitbestimmung und bietet Hilfe an

Die Basis des GI ist die Vollversammlung, in der sich alle Mitglieder – also sowohl Professorinnen und Professoren, die laufende Promotionsvorhaben betreuen, als auch die Promovierenden selbst – konstruktiv einbringen können. Darüber hinaus unterstützt das GI die Doktorandinnen und Doktoranden auch organisatorisch. In speziellen Schulungen geht es beispielsweise um ethische Fragestellungen, Zeitmanagement oder Präsentationstechniken.

Nicht zuletzt hilft das Graduierteninstitut auch finanziell. Stipendien ermöglichen es auch finanziell schwächer gestellten Nachwuchswissenschaftlerinnen, ihr Promotionsvorhaben in die Tat umzusetzen. Das schließt auch die Reaktion auf aktuelle Gegebenheiten ein: Nach der Einrichtung eines Corona-Stipendiums für durch die Pandemie entstandenen Verzögerungen im vergangenen Jahr wird es in den kommenden Monaten ebenfalls finanzielle Hilfen für Betroffene der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen geben.

Über die Jahre ist das Graduierteninstitut zum Vorbild für Initiativen in anderen Bundesländern geworden, für Vorträge über das Konzept des GI reist Rainer Herpers sogar ins europäische Ausland. Neben allen politischen Erfolgen ist es aber vor allem die Arbeit mit und für die Promovierenden, die Spuren hinterlässt. Aus Einzelkämpfern hat das Graduierteninstitut eine Gemeinschaft geformt, die sich als Gruppe innerhalb der Hochschule präsentiert und erlebt.