Nachhaltigkeit in der Gebäudebewirtschaftung der Liegenschaften

1. Ökologisches Bauen als Basis für Energieeinsparung

Bereits in der Planung der Hauptgebäude 1996 ff. wurden neuartige Elemente des ökologischen Bauens berücksichtigt, die deutlich über den seinerzeitigen Stand der Technik hinaus gingen und für die Bewirtschaftung der Gebäude einen dauerhaft reduzierten Energieverbrauch bewirken.

  • Zonale Tageslicht-Ergänzungsbeleuchtung in Praktikums- und Seminarräumen

Mit Hilfe von TWD-Oberlichtern und/oder lichtlenkenden Lamellen wird das Tageslicht tief in die Räume gelenkt und leuchtet über beidseitige Fluroberlichter auch den innenliegenden Flur aus. Das Beleuchtungskonzept wird ergänzt durch zonale Tageslicht-Ergänzungsbeleuchtung, um den Strombedarf für Kunstlicht zu minimieren.

  • Tageslichtnutzung in andernfalls dunklen Innenfluren

Das Tageslichtkonzept sieht durchgehend beidseitig Oberlichtbänder auch an den Innenfluren vor, so dass auf künstliche Beleuchtung zum Großteil verzichtet werden kann.

  • Ökologische Klimatisierung des Hörsaalbereichs

Auf eine konventionelle Klimaanlage wurde verzichtet. Mittels eines groß dimensionierten Erdkanals wird die Zuluft im Sommer vorgekühlt, eventuell notwendige zusätzliche Kühlleistung wird über eine adiabatische Verdunstungskühle (der zu kühlende Luftstrom wird befeuchtet) erbracht. Die Verdunstungskühlung nutzt die Eigenschaften der erneuerbaren Energien, da zur Kälteerzeugung nur Luft und Wasser als Quellen genutzt werden.
Ein verstärkter Kühleffekt wird über die "Spülung" der Räume mit kühler Nachtluft erreicht.

Im Winter dient der Erdkanal zur Luftvorwärmung. Die Nacherwärmung findet über Lüftungswärme-Rückgewinnung, bei Bedarf über ein zusätzliches Heizregister statt.

  • Passive sommerliche Nachtauskühlung in Büro- und Seminarräumen

Über Oberlichtklappen in der Süd- und Nordfassade, sowie über Oberlichtklappen zum Innenflur wird eine Durchspülung des gesamten Gebäudequerschnittes erreicht. Die Querlüftung mit gekühlter Nachtluft in Verbindung mit der thermischen Speicherfähigkeit der Konstruktion sorgt für langsameres Aufwärmen des Gebäudes.

  • Bedarfsgerecht programmierbare Heizungsregelung

Eine elektronisch programmierbare Heizungsregelung über einen Belegungsplan ermöglicht die Temperierung von Einzelräumen oder Zonen in Abhängigkeit von der Nutzung. Gleichzeitig kann ein derartiges System zur detaillierten Erfassung von Einzelverbräuchen genutzt werden.

  • Fensterkontakte zur Heizungsabschaltung bei Fensterlüftung

Durch mit der Gebäudeleittechnik verbundene Fensterkontakte soll die Beheizung eines Raumes abgeschaltet oder reduziert werden, wenn die Fenster geöffnet sind. Dieses System wird in Seminarräumen, Laboren etc. angewendet.

  • Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung und zur Teilverschattung verglaster Bereiche

Im Glasdach der "Hochschulstraße" sowie an einer südorientierten Fassade in der Nähe des Eingangsbereichs sind Photovoltaikelemente eingebaut. Der Solarstrom wird ins gebäudeinterne Netz eingespeist und findet z.B. für den Betrieb von Kühlaggregaten oder Pumpen Verwendung.

  • Grauwassernutzung

In Sankt Augustin wird Regenwasser über ein im Erdreich befindliche Zisterne gesammelt und zur WC-Spülung weiter verwendet. Bei nicht ausreichender Regenmenge erfolgt eine automatische Trinkwassernachspeisung.

  • Dach- und Fassadenbegrünung

Durch den Einsatz von Dach- und Fassadenbegrünungen werden die kleinklimatischen Verhältnisse verbessert und der Kühlbedarf des Gebäudes verringert.

2. Erneuerung Gebäudeleittechnik (GLT)

In 2010 wurde die GLT an beiden Standorten erneuert, da für das seinerzeit vom Generalunternehmer eingesetzte herstellergebundene Fabrikat keine Systempflege mehr angeboten wird. Hierdurch wird eine Optimierung der Heizungsanpassung in Seminarräumen und Laboren sowie eine verbesserte Auslastung durch effektives Störfallmanagement erreicht.

3. Maßnahmen zur Energieeinsparung 2010 / 2011

Es wurden fünf Projekte mit dem Ziel von Energieeinsparungen durchgeführt, die vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie aus dem Konjunkturpaket II gefördert wurden:

  • Energiemonitoring Campus Rheinbach

Über eine Identifizierung und Visualisierung von Verbräuchen wurde Transparenz geschaffen und das Nutzerverhalten positiv beeinflusst.

  • Lichtsteuerung und LED-Technik

An beiden Standorten ist durch Einsatz von Lichtsensoren und regelbaren Leuchten, in Abhängigkeit des Tageslichtes z.B. auch in Fluren und Treppenhäusern, die tatsächlich erforderliche Beleuchtungsstärke angepasst worden. Außerdem wurden Hinweis- und Notbeleuchtungen auf LED-Technik umgerüstet.

  • Warmwasserbereitung mittels Solaranlage, Campus Sankt Augustin

Um unabhängig von der Heizungsanlage insbesondere in den Sommermonaten Warmwasser zu erzeugen, wurde eine Solaranlage auf den Versorgungsgebäude D installiert.

  • Kühlung Serverraum, Campus Sankt Augustin

Im größten Serverraum der Hochschule ist die Kühlung ergänzt worden. Der vorhandene Kaltwassersatz mit den Aggregaten Verdichter und Verdampfer ist um eine Freikühlung ergänzt worden. In den Wintermontan erfolgt die Kühlung ausschließlich über die Außenluft.

  • Nutzungsabhängige Einzelraumregelung der Heizung, Campus Sankt Augustin:

Nachrüstung von bisher noch nicht ausgestatteten Seminarräumen zur verbesserten Regelung der Räume.

4. Potenzialanalyse zur nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung

Im Jahr  2014 erfolgte ein Gutachten über weitere Potenziale einer nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung um daraus zusätzliche Elemente abzuleiten. Über die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen wurde dann unter Abwägung der Wirtschaftlichkeit und der Nachhaltigkeit entschieden.

5. Einführung Energiemanagement

Als eine Maßnahme aus dem Gutachten wurde aufbauend auf das Energie Monitoring ab 2014 die Prüfung verschiedener Energiemanagementsysteme durchgeführt. 2017 wurde ein System zur Anwendung gefunden.

2018 erfolgte die Stellenbesetzung für das Energiemanagement. Es werden Energieverbräuche beobachtet und angepasst, Einstellungen an der Mess- und Regelungstechnik, sowie Einstellungen nach Nutzerwünschen vorgenommen.

6. Neubauten Sankt Augustin und Rheinbach

  • Betriebsoptimierung

Mit der Erstellung der Neubauten in 2016 wurde die Betriebsoptimierung verfolgt und festgeschrieben. Es erfolgte eine systematische Inbetriebnahme. Durch einen Probetreib nach Bezug der Gebäude 2017 wurden folgende Punkte betrachtet:

  • Kontinuierliche Überwachung der Energieverbräuche
  • Nutzerzufriedenheitsanalyse
  • Inspektion RLT
  • Prüfung auf Optimierungspotentiale

Der Beobachtungszeitraum wurde 2018 abgeschlossen. Der Abschlussbericht wird z.Z. erstellt

Stand Juli 2020

  • Beheizung Neubauten

Die Beheizung des Gebäude G und H in Sankt Augustin erfolgt über einen Fernwärmeanschluss, die des Gebäude G in Rheinbach mittels eines Blockheizkraftwerks.

  • Photovoltaikanalgen

Bei beiden Neubauten wurde eine Photovoltaikanalge auf den Flachdächern installiert.

7. Anpassung der Gebäudeleittechnik (GLT)

Die GLT Software wurde 2020 getauscht, da vom Anbieter keine Updates mehr möglich waren.
Gleichzeitig wurde zur Stabilisierung der GLT ein eigenes LWL Netz erstellt. Die vorhandene Netzanbindung kann dabei weiter genutzt werden.