Vortrag von Eva-Maria Reinwald

Dienstag, 14. Januar 2020
Eva-Maria Reinwald, Fachpromotorin für Globale Wirtschaft und Menschenrechte (SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene) als Gastreferentin im Rahmen der Ringvorlesung „Zwischenrufe zur Sozialpolitik“
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Eva-Maria Reinwald (Foto: SÜDWIND e.V.)

In ihrem Vortrag am 13. Januar 2020 stellte Eva-Maria Reinwald, Expertin für Globale Wirtschaft und Menschenrechte, die Ziele und Forderungen der zivilgesellschaftlichen Kampagne „Initiative Lieferkettengesetz“ vor. Sie beleuchtete dabei die globalen Hintergründe.

In der globalisierten Wirtschaft suchen sich viele Unternehmen günstige Produktionsstandorte, wo z. B. nicht nur Rohstoffe besser verfügbar sind, sondern auch wo Sozial- und Umweltstandards weniger gut durchgesetzt werden, erklärte Reinwald. Im Lichte der starken Verzweigung der globalen Lieferketten zur Herstellung von Produkten lassen sich oft die Herkunft und Produktionsbedingungen von Waren nur schwer nachspüren. Die Vielzahl von Labels und Siegeln macht es dem Verbraucher ebenfalls nicht immer leicht, in kurzer Zeit zu erfahren, unter welchen Umständen Waren produziert werden. In manchen Produktionsstätten herrschen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, die teilweise Formen moderner Sklaverei annehmen. Erst durch den Einsatz und Druck der Zivilgesellschaft und von Gewerkschaften gelangen manche Bilder solcher Missstände an die Öffentlichkeit.

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Eva-Maria Reinwald während ihres Vortrags

Unternehmen besitzen ein beachtliches Potential, etwas an den Menschenrechtsverletzungen entlang der weltweiten Lieferketten zu ändern. Die zivilgesellschaftliche Kampagne „Initiative Lieferkettengesetz“ fordert folgerichtig ein Gesetz, das Unternehmen verpflichten würde, Menschenrechte und Umweltstandards in ihren Lieferketten sowohl im Inland als auch im Ausland einzuhalten. Dies würde auch einen rechtlichen Rahmen für Exporte von Produkten bilden, die nachweislich die Gesundheit von Menschen gefährden und in Länder ausgeführt werden, in denen die Schutzvorschriften kaum beachtet werden.

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Gastreferentin Eva Maria-Reinwald

Bislang wurde ohne Erfolg auf die freiwillige Selbstverpflichtung deutscher Firmen gesetzt, bei all ihren Lieferanten auf hohe Umwelt- und Sozialstandards zu achten. Reinwald konstatierte, dass etliche Firmen, die bemüht sind, ihre Lieferketten menschenwürdiger und umweltfreundlicher auszugestalten, Wettbewerbsnachteile und Einbußen bei ihrer Konkurrenzfähigkeit fürchten. So scheitert meist eine konsequente Durchsetzung an finanziellen Fragen. Daher unterstützen immer mehr Unternehmen ein Lieferkettengesetz, da es gleiche Regeln hinsichtlich menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten für alle Unternehmen schaffen würde.

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Gastreferentin Eva-Maria Reinwald und Dr. Carolina Tobo Tobo

Zum Schluss gewährte die Referentin einen Einblick in die aktuellen politischen Entwicklungen in der Debatte um ein Lieferkettengesetz in Deutschland. Man sei auf einem guten Weg, betont sie. Eckpunkte für einen Gesetzentwurf werden durch das deutsche Arbeits- und Entwicklungsministerium bis zum Sommer erarbeitet. Deutschland will zudem das Lieferkettengesetz zu einem der Fokus-Themen während seiner EU-Ratspräsidentschaft machen. Bei der Durchsetzung eines Lieferkettengesetzes bleibt jedoch ein starkes politisches Engagement seitens der Zivilgesellschaft unabdingbar.

Eine Reihe von Engagement-Möglichkeiten finden Sie unter: https://lieferkettengesetz.de/mitmachen/

Sprachrohr

                               

 

 

             „Zwischenrufe zur Sozialpolitik“

Unter dem Titel "Zwischenrufe zur Sozialpolitik" startete im Sommer 2018 eine semesterübergreifende Ringvorlesung, die Ideen und Impulse zur Sozialpolitik diskutiert. Ob Bürgerversicherung, bedingungsloses Grundeinkommen oder digitale Innovationen – alle sozialpolitischen Ideen und Entwicklungen mit weitreichenden potenziellen Auswirkungen kommen auf den Prüfstand. Scharfsichtige Analysen, innovative Reformvorschläge und theoretische Reflexionen zur Sozialpolitik finden hier einen Raum und ergänzen das Curriculum des neuen Bachelorstudiengangs "Nachhaltige Sozialpolitik". Abseits gängiger institutioneller Abhängigkeiten und festgefahrener sozialpolitischer Kontroversen, werden neue und unkonventionelle gesellschaftspolitische Perspektiven eröffnet und diskutiert.