Vortrag von Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt

Freitag, 10. Januar 2020
Prof. Dr. Schulz-Nieswandt, Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung an der Universität zu Köln als Gastreferent im Rahmen der Ringvorlesung „Zwischenrufe zur Sozialpolitik“
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt

Aus einer breit angelegten interdisziplinären Perspektive skizzierte Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt Gestaltfragen und Konturen einer radikalen Pflegepolitikreform. Eine Reform, die den Namen einer nicht parametrischen Reform verdient, wie er anhand einer theoretischen, rechtlichen, ökonomischen und ethischen Grundlegung im Rahmen seines Gastvortrags am 9. Januar 2020 verdeutlichte.

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Prof. Dr. Schulz-Nieswandt während seines Vortrags

Eine Pflegepolitikreform kann daher nicht auf eine Finanzierungsreform reduziert werden. Die Lebensqualität für vulnerable Gruppen muss gewährleistet und sichergestellt werden. Zu diesem Zweck muss die Pflegelandschaft gesteuert und auf einen Trägerpluralismus gesetzt werden, betonte Prof. Schulz-Nieswandt mehrfach und verwies dabei auf die Bedeutung der regulativen Aufgabe des Staates, der eine stärkere Rolle einnehmen soll. 

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Prof. Dr. Schulz-Nieswandt, Prof. Dr. Remi Maier-Rigaud und Dr. Carolina Tobo Tobo

Vor dem Hintergrund soziodemographischer Wandlungen liegt die Zukunft im Vier-Sektoren-Modell, bei dem es auf eine Rollenverteilung der Wohlfahrtsproduktion ankommt. Neben den zahlreichen Anregungen zur weiteren Auseinandersetzung mit der Pflegepolitik legte der Vortrag eindrucksvoll nah, dass die Autonomie von Menschen bedingt ist und an den Grundlagen für die Entstehung und Förderung von Caring Communities gearbeitet werden soll. Es gehe somit um Gestaltung von Sozialraum, in welchem Wohnen und Leben im Wohlfahrtsmix sorgender Gemeinschaften innerhalb einer Infrastrukturlandschaft ermöglicht wird.

Die Strukturen zur Behebung bestehender Probleme wie das Problem der Netzwerklosigkeit bei Langlebigkeit und Hochaltrigkeit stehen noch aus. Die Nachfrage nach differenzierten Formen des Wohnens für Menschen mit Hilfe- und Pflegebedarf eingebettet in lokale sorgende Gemeinschaften nimmt dabei stetig zu.

Im Anschluss an den gedankenreichen und vielschichtigen Vortrag ging der Referent auf die Fragen des Publikums ein.

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Unter dem Titel "Zwischenrufe zur Sozialpolitik" startete im Sommer 2018 eine semesterübergreifende Ringvorlesung, die Ideen und Impulse zur Sozialpolitik diskutiert. Ob Bürgerversicherung, bedingungsloses Grundeinkommen oder digitale Innovationen – alle sozialpolitischen Ideen und Entwicklungen mit weitreichenden potenziellen Auswirkungen kommen auf den Prüfstand. Scharfsichtige Analysen, innovative Reformvorschläge und theoretische Reflexionen zur Sozialpolitik finden hier einen Raum und ergänzen das Curriculum des neuen Bachelorstudiengangs "Nachhaltige Sozialpolitik". Abseits gängiger institutioneller Abhängigkeiten und festgefahrener sozialpolitischer Kontroversen, werden neue und unkonventionelle gesellschaftspolitische Perspektiven eröffnet und diskutiert.