Professor Jonas: Vernetzung bedeutet höhere Risiken

Montag, 16. Oktober 2017

Interview mit Prof. Dr. Karl Jonas, Professor für Multimedia-Communication an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Porträt von Professor Kar Jonas im Sommer 2017, Bild: Kira Wazinski
Prof. Dr. Karl Jonas

Herr Prof. Jonas, werden die Risiken der Industrie 4.0 von Unternehmen schon in ihrer Gänze begriffen?

Jonas: Was uns vor allem kleine und mittlere Unternehmen widerspiegeln, sind diffuse Ängste, denen sie scheinbar relativ wehrlos gegenüber stehen. Das liegt daran, dass die Risiken tatsächlich sehr herausfordernd und Gegenmaßnahmen durchaus teuer sind.

Wie kann man diesen Ängsten begegnen?

Jonas: Es ist wichtig, auf allen Ebenen im Unternehmen ein Bewusstsein zu schaffen. Das gilt einerseits für Risiken im Zusammenhang mit dem sogenannten Social Engineering, also beispielsweise E-Mails, die Mitarbeiter auffordern, PayPal-Konten zu verifizieren oder geheime Transaktionen im Auftrag des Geschäftsführung vorzunehmen. Andererseits müssen sich Unternehmen Gedanken über die Sicherheit ihrer Produkte machen, die vielleicht noch vor ein paar Jahren gar nicht nötig waren.

Können Sie das verdeutlichen?

Jonas: Wir arbeiten etwa mit einem Hersteller von Rollladenmotoren zusammen. Früher wurden die per Knopfdruck bedient. Heute steuern Alexa oder Google Home den Lichteinfall. Diese Vernetzung führt zu höheren Risiken, auf die mit entsprechenden Sicherheitsmechanismen reagiert werden muss.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Sind solche Anlagen denn wirklich ohne weiteres fremd steuerbar?

Jonas: In einem Kurs an unserer Hochschule haben wir Studenten erst kürzlich nach offenen Zugängen in Krankenhäusern suchen lassen. Dort war selbst der Zugriff auf Herz-Lungen-Maschinen möglich – ohne kriminelle Energie. Denn Passwörter hacken oder ähnliches dürfen unsere Studenten nicht.

Ist das auch eines der Ziele ihres Lernlabor Cybersicherheit, dass Sie gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft betreiben: Mehr Bewusstsein?

Jonas: Wer die Universität verlässt und anschließend einige Jahre im Unternehmen arbeitet, verliert in der Regel den Zugang zu Forschung und Entwicklung. Das ist einer der Kernaspekte des Lernlabors Cybersicherheit: den Unternehmen auf allen Ebenen Zugang zu neusten Erkenntnissen ermöglichen, damit so auch ein anderes Bewusstsein für den Umgang mit den Gefahren aus dem Netz entwickelt werden kann.

Herr Jonas, wir danken Ihnen für das Interview.