Stephan Johland, BWL

Stephan Johland ist Headhunter, Interim Manager, und Mitbegründer des Vereins Markencamp. Sein Leben läuft alles andere als geplant, aber das will er auch gar nicht: Er nimmt die Managerjobs, wie sie kommen – und hat Spaß daran.

Heute Köln, morgen Berlin, nächste Woche München. Konferenzen, Kundentermine, voller Terminplan. Vortragen, vermitteln, koordinieren, konferieren. Und nächsten Monat dasselbe? Nein, „Es könnte sein, dass ich dann wieder etwas völlig Anderes mache – etwas, mit dem ich jetzt noch gar nicht rechne“, sagt Stephan Johland. Der 45-jährige arbeitet selbstständig als freier Manager, vornehmlich im Marketing. Zur Zeit vor allem als Headhunter – er sucht also für Unternehmen aus verschiedensten Branchen die passenden Mitarbeiter. Und doch: Stress scheint ihm fremd. Mehrmals nimmt er sich zwischen seinen unzähligen Terminen Zeit, um über seinen Werdegang zu sprechen. „Ruf einfach spontan an, wenn Fragen aufkommen – ich gehe dran und hab sicherlich ein paar Minuten Zeit“. So ist er: Locker und gelöst, sympathisch und bescheiden plaudert Johland über seine Karriere. Dabei hat es diese wirklich in sich.

Stephan Johland stammt aus Bergisch Gladbach, er studiert zunächst an der Universität Köln BWL, fällt jedoch drei Mal durch seinen letzten Schein und wird exmatrikuliert. Was nun? Kurzentschlossen ergreift er die Initiative und schreibt verschiedene Fachhochschulen an, an denen er sein Studium beenden könnte, unter anderem die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. „Der Dekan höchstpersönlich rief mich an und besprach eine knappe Stunde mit mir, was denn meine Ziele und Vorstellungen seien. Klaus ter Horst – diesen Namen werde ich nie vergessen!“ Dieses außergewöhnliche Entgegenkommen war der ausschlaggebende Punkt für seine Entscheidung, zur H-BRS zu wechseln. „Ich hatte das Gefühl, nicht einer von vielen zu sein.“

Und das entpuppte sich nicht als der einzige Vorzug der H-BRS: Die enge Verbundenheit zwischen Theorie und Praxis sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Firmen während des Studiums böten eine exzellente Vorbereitung für das Berufsleben, so Johland. „Hätte ich schon vorher gewusst, was ich jetzt alles weiß, wäre ich zum Studieren von vorne herein hergekommen“, sagt Johland. „In einem nächsten Leben dann!“, lacht er.

Nach dem Abschluss arbeitet Johland als angestellter Manager für verschiedene Unternehmen und Agenturen im Digital- und Social Media Bereich sowie im Marketing. 2013 jedoch fasst er den Entschluss sich selbstständig zu machen. „Eigentlich wollte ich immer Angestellter bleiben, da mir das weniger riskant erscheint.“ Doch hat er eine Frau, die ihrerseits in einem festen Job gutes Geld verdient. In langen Gesprächen mit ihr, unter anderem auf einer gemeinsamen Weltreise, sprechen die beiden über seine Interessen, Stärken und Schwächen, und sie stellen fest, dass die Selbstständigkeit – die riskantere Variante – mit ihrer Vielseitigkeit eigentlich eher Johlands Wesen entspricht.

Gesagt, getan. Schnell kommt Johland auf den Geschmack: „Ich kann gut mit Menschen umgehen, habe Spaß daran, viele verschiedene Themen anzugehen und Probleme zu lösen sowie neue Projekte zu entwickeln.“ Und das, ohne Vorgaben eines Arbeitgebers erfüllen zu müssen. Auch außergewöhnliche Vorhaben kann er einfach ausprobieren. Johlands Stimme klingt euphorisch, während er das erzählt: „So zu arbeiten ist mein Ding. Und das ist auch meine Kernbotschaft: Mach das, was Dir Spaß macht. Dann machst Du es auch gut.“

Zurzeit ist Johlands Hauptverdienstquelle das Headhunting. Er wirbt Kandidaten mit bestimmten Qualifikationen für Firmen an, die dringend eine Stelle besetzen wollen. Dabei ist natürlich Menschenkenntnis gefragt und die Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit viele Informationen über eine Person zu erfassen, zu ordnen und zu beurteilen. Das Wichtigste aber ist das Netzwerk. Seines hat er sich in den letzten 17 Jahren aufgebaut. Schon vor seiner Zeit als Selbstständiger knüpfte er viele Kontakte zu Personen in unterschiedlichsten Positionen. Daraus haben sich auch viele Freundschaften entwickelt. „Ich kenne überall irgendwelche Menschen – ein 'kölscher Klüngel' verteilt über ganz Deutschland, könnte man sagen.“ Er grinst verschmitzt: „Genau das ist es auch, was mir Spaß macht. Nicht für Fremde zu vermitteln, sondern für Freunde. Wenn man mit Menschen arbeitet, die man schon länger kennt, hat man einfach mehr davon.“

Darüber hinaus hilft das Netzwerk ihm auch, weitere Aufträge zu bekommen. Johland wird oft weiterempfohlen, oder es ergibt sich aus dem persönlichen Gespräch unter Freunden, dass er in deren Unternehmen gebraucht werden könnte. Um für einen Auftrag geeignete Kandidaten zu bekommen, horcht er wiederum in sein Netzwerk, greift auf seinen Pool von jederzeit rund 250 Personen zurück, die in seiner Kartei als jobsuchend registriert sind. Außerdem recherchiert er auch auf Internetportalen wie Linkedin, Xing und Facebook.

Sehr wichtig an Johlands Arbeit ist, Personen herauszufiltern, die gut auf die Anforderungen des Unternehmens passen. Außerdem möchte er dem Unternehmen eine gewisse Bandbreite an Kandidaten mit verschiedenen Vorteilen vorzustellen. So ist die Chance für einen Treffer am größten.

„Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich viele unterschiedliche Dinge tue. Kandidaten anwerben ist zum Beispiel etwas ganz anderes, als eine Konferenz auf die Beine zu stellen.“ Das ist nämlich das zweite Standbein von Johland: Jedes Jahr organisiert er die Konferenz „Markencamp“: Zehn bis 15 Persönlichkeiten von namhaften Firmen wie McDonald’s, adidas und Lufthansa halten dort Vorträge über verschiedenste Disziplinen im Bereich Marketing. Aber natürlich geht es bei den meisten Konferenzen vornehmlich darum, Kontakte zu knüpfen, zu pflegen und einige neue Impulse zu bekommen. „Bei uns ist allerdings auch der Spaß ganz wichtig“, sagt Johland. Die Konferenz trage sich seit Beginn 2013 selbst – er organisiert sie allerdings auch ehrenamtlich.

„2016 wird unter anderem Julius Van De Laar auf dem Markencamp sprechen“, sagt Johland stolz. „Das war der Verantwortliche für die bahnbrechende Social Media-Kampagne im Wahlkampf von US-Präsident Barack Obama.“ Das Markencamp ist Johlands Baby, das er mit zwei Kollegen aufgezogen hat – und wird es wohl auch bleiben: „Ich weiß nicht, ob ich in einem halben Jahr noch als Headhunter arbeite. Aber das Markencamp bleibt, das ist sicher.“

Genau genommen hat Johland noch ein drittes Standbein. Er bietet seine Dienste als sogenannter Interim-Manager an. Das heißt, er springt für kurze Zeit ein, wenn eine Firma ein kurzfristiges Businessproblem zu lösen hat, Hilfe beim Aufbau einer Firma vonnöten ist oder einfach eine Management-Position zur Überbrückung besetzt werden muss.

Auch hier ist also Flexibilität gefragt. Etwas, das Johland einfach zu liegen scheint. Braucht man da nicht einen adäquaten Ausgleich? „Viele treiben Sport zum Stress abbauen und als Ausgleich. Ich spiele Tennis. Aber nicht, weil ich Stress habe. Es macht mir einfach Spaß. Und weil mir der Beruf auch jederzeit Spaß macht, bräuchte ich diesen Ausgleich nicht unbedingt, denke ich.“

In dieser Hinsicht zahlt es sich also aus, dass bei ihm Beruf und Privates bis zu einem gewissen Grad verschmelzen. „Wenn ich zum Beispiel ein Meeting in München habe, buche ich direkt mehrere Tage und besuche in einem ein paar Freunde. So kann ich die Zeit dort richtig genießen. Und aus den Gesprächen mit den Freunden entwickeln sich oft sogar wieder neue Business-Ansätze.“

Und wenn doch mal etwas schief läuft oder nicht nach Johlands Vorstellungen, steckt der Manager auch das weg. „Man sollte daraus lernen und wieder entspannt in die Zukunft schauen, neue Sachen ausprobieren, die positiven Dinge zuerst sehen und sich selber nicht außer Acht lassen. Dann wird es auch richtig gut.“

Text: Jana Hüttenmeister

Jana Hüttenmeister studiert an unserer Hochschule Technikjournalismus. Sie verfasste dieses Porträt im Rahmen eines Wahlkurses (Porträtschreiben am Beispiel von H-BRS-Alumni) im Wintersemenster 2015/2016.