Wir müssen reden" - KI und Ethik (Ranga Yogeshwar)

Termin
Donnerstag, 14. November 2019 - 18:00 bis 19:30
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Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Campus Sankt Augustin,
Grantham-Allee 20, 53757 Sankt Augustin
Audimax (Hörsaal 1)

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Ranga Yogeshwar, (c) H. G. Esch

Ringvorlesung: Im Offenwerden neuer Möglichkeiten – Künstliche Intelligenz und Ethik

Innovationen verändern nicht nur technische Prozesse, sie haben stets auch spürbare Auswirkungen auf die Gesellschaft. Wie wichtig etwa die gegenseitige Wechselwirkung zwischen medialen Innovationen und gesellschaftlichen Strukturen ist offenbart die Geschichte, denn Medien haben stets die Gesellschaft und unser Selbstbewusstsein geprägt. Der "Citoyen", der "Freigeist" oder der "Weltbürger", diese Figuren entstanden alle in Zeiten medialer Umbrüche, denn jede neue Informationstechnik hat auch auf tiefgreifende Weise unsere Kultur beeinflusst. Immer wieder veränderte sich dabei das Spannungsfeld zwischen Dominanz und Freiheit, zwischen Individuum und Gruppe und zwischen Unterhaltung und Information.

Wohl keine andere Technik wirft derzeit so viele ethische Fragen auf, wie es die Künstliche Intelligenz tut, denn hier geht es um die Rolle des Menschen in einer Zukunft intelligenter Apparate: Wie wichtig diese Debatte ist, zeigt sich konkret dort, wo KI-Techniken bereits zum Einsatz kommen: Was, wenn intelligente Maschinen anhand von Internetdaten über die Kreditwürdigkeit eines Menschen entscheiden, ohne dass man dem Betroffenen im Falle der Ablehnung konkrete Gründe nennen kann? Ist es akzeptabel, wenn ein Algorithmus Job-Bewerber anhand ihrer Datenspuren im Internet aussortiert? Was tun, wenn ein Fotobuchhersteller durch intelligente Gesichtserkennung plötzlich in der Lage ist, Menschen mit einem Alkoholproblem zu identifizieren? Darf er solche Informationen weiterverarbeiten oder gar einer Versicherung melden? Wollen wir medizinischen Expertensystemen vertrauen, die uns einen Herzinfarkt vorhersagen, auch wenn der menschliche Arzt keinen Anlass zur Sorge sieht? Wer trägt am Ende die Verantwortung?

Was geschieht, wenn Bürger, verführt durch intelligente Filterblasen oder durch täuschend echte Videobotschaften, allmählich den Sinn für Gemeinsamkeit verlieren?

Im Nebel des Neuen offenbaren sich überraschend neue ethische Dimensionen. Was, wenn Maschinen im Daten-Universum damit beginnen, unser Verhalten nicht nur vorherzusagen, sondern auch gezielt zu beeinflussen? Im Offenwerden dieser neuen Möglichkeiten stellt sich eine zentrale Frage: Mensch und Maschine – wer programmiert am Ende wen?

Ranga Yogeshwar, Honorarprofessor für Ethik und Wissenschaftskommunikation am Zentrum für Ethik und Verantwortung, wurde 1959 in Luxemburg als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Künstlerin geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er überwiegend in Indien. Nach dem Abitur in Luxemburg studierte er Experimentelle Elementarteilchenphysik und Astrophysik und arbeitete am Schweizer Institut für Nuklearforschung (SIN), am CERN in Genf und am Forschungszentrum Jülich. Ranga Yogeshwar begann seine journalistische Laufbahn 1983, zunächst bei verschiedenen Verlagen, dann im Bereich Hörfunk und Fernsehen. 1987 wurde er Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk Köln und leitete später das Ressort Wissenschaft. Seit 2008 arbeitet Ranga Yogeshwar als unabhängiger Journalist und Autor. Er zählt zu den führenden Wissenschaftsjournalisten Deutschlands und entwickelte und moderierte zahlreiche TV-Sendungen u.a. „Kopfball“(ARD), „Quarks&Co“(WDR) und „Die große Show der Naturwunder“ (ARD). Yogeshwar schreibt regelmäßig Beiträge in den führenden Zeitungen und ist gern gesehener Experte in zahlreichen Talkshows. Seine Bücher “Sonst noch Fragen?”, „Ach so!“ oder „Nächste Ausfahrt Zukunft“ avancierten schnell zu Bestsellern und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Yogeshwar erhielt über 60 Fachpreise und wurde vielfach ausgezeichnet, so etwa mit der Ehrendoktorwürde der Universität Wuppertal, dem Bundesverdienstkreuz der BRD, dem Verdienstorden des Landes NRW und dem Ordre de Mérite du Grand-Duché de Luxembourg. Ranga Yogeshwar ist Vater von 4 Kindern und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Köln.