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Herzenssache: Alexander Hagg baut an der Stadt von morgen

Dr. Alexander Hagg 2024 am Mitmachmobil
Es ist eine Herzenssache: Dr. Alexander Hagg, Informatik-Absolvent und wissenschaftlicher Mitarbeiter der H-BRS, gestaltet mit der „Initiative Neue Stadtgärtnerei“ das Wohnen der Zukunft. In dem Projekt „Zukunftsort Dransdorfer Berg“ steckt auch viel H-BRS. Denn im Norden von Bonn soll nicht nur ein nachhaltiges Quartier mit Blick auf Gemeinschaft, Ökologie und Soziales entstehen. Auch Haggs Forschungsergebnisse im Projekt OpenSKIZZE, in dem es darum geht, Erkenntnisse aus Klimamodellen mit KI-Unterstützung in konkrete Bauprojekte zu überführen, werden dort angewandt und evaluiert.
Alexander Hagg und andere am Mitmachmobil Initiative Neue Stadtgärtnerei
Alexander Hagg am Architekturmodell

Wenn Dr. Alexander Hagg nicht gerade an der H-BRS forscht, investiert er einen großen Teil seiner Freizeit in ein ambitioniertes Vorhaben in Bonn-Dransdorf. Auf dem Gelände einer ehemaligen Stadtgärtnerei entsteht der „Zukunftsort Dransdorfer Berg“, ein Modellprojekt für nachhaltiges, gemeinwohlorientiertes Wohnen, urbane Landwirtschaft, Bildungsarbeit und nachbarschaftliches Miteinander. Das Projekt geht einige der wichtigsten aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung an: Klimakrise, Wohnungsnot und den Wunsch nach mehr Gemeinschaft.

Die beiden treibenden Kräfte im Projekt sind die gemeinwohlorientierte Montag Stiftung Urbane Räume und die "Initiative Neue Stadtgärtnerei", die Alexander Hagg und rund zwanzig weitere Ehrenamtliche vorantreiben.

Das Ziel: Wohnen in Gemeinschaft und zu verlässlichen Mietpreisen

Das Wohnprojekt ist der Teil des Gesamtpakets, der mit Abstand die meisten Kräfte bindet. Denn die Vision der Initiative geht weit über klassisches Bauen hinaus. Der Wohnraum wird zu 50 Prozent aus gefördertem Wohnungsbau bestehen und orientiert sich am Modell des Mietshäuser-Syndikats. Das bedeutet: Die Immobilien werden dem Spekulationsmarkt dauerhaft entzogen, um Mieten langfristig bezahlbar zu halten. Gebaut werden soll konsequent ökologisch mit nachwachsenden Baustoffen. 

Gewinnerentwurf Wohnprojekt Neue Stadtgärtnerei

Große Hürden sind bereits genommen

Die Initiative hat bis zum Frühjahr 2026 große Hürden genommen: Mit dem Gewinnerentwurf eines groß angelegten städtebaulichen Wettbewerbs konnte die Initiative mit der Stadt Bonn einen Erbpachtvertrag für das Gelände schließen. Der nächste Meilenstein: Bis 2027 soll auf Basis des Entwurfs Baurecht für den Bebauungs- und Flächennutzungsplan geschaffen werden.

Ein ebenso wichtiges Element des Konzepts ist die enge Verbindung von Wohnen und Natur: In direkter Nähe zum Wohnprojekt wird ein Agroforstsystem entstehen. Diese nachhaltige Form der Landwirtschaft kombiniert den Anbau von Nutzpflanzen mit Bäumen und Sträuchern, schützt den Boden und fördert die Biodiversität. Zudem wird das gesamte Areal Teil des Schwammstadtkonzepts der Stadt Bonn, um Regenwasser lokal zu speichern und das Mikroklima zu verbessern. Auch ein umfassendes innovatives Energiekonzept ist in Arbeit.

Forschungsprojekt OpenSKIZZE gibt wichtige Impulse

Haggs Forschungsprojekt ist OpenSKIZZE, das er an der H-BRS gemeinsam mit Professor Dirk Reith leitet, einem Mathematiker, Physiker und Experten für Simulationsanwendungen. Hierüber fließt auch viel Expertise der Hochschule in den Dransdorfer Berg ein. Im Projekt werden Open-Source-Tools entwickelt, um städtebauliche Ideen frühzeitig auf ihre ökologischen Auswirkungen und ihre Klimaresilienz zu überprüfen. Das ist wertvolles Wissen, das bei der Planung des neuen Quartiers unmittelbar Anwendung findet.

Entscheidungen gemeinsam treffen mit dem Modell der Soziokratie

Wie nur organisiert man mit Ehrenamtlichen ein solches Mammutprojekt? Wichtig sei der Initiative, so Hagg, dass die Zusammenarbeit basisdemokratisch organisiert ist. Schon früh habe man sich auf das sogenannte Konsent-Prinzip geeinigt: Bei der Entscheidungsfindung können nur schwere Einwände, die die Projektziele gefährden, gegen die Mehrheitsmeinung geltend gemacht werden. Damit nicht jeder Einzelfall im Plenum diskutiert werden muss, implementiert die Gruppe derzeit das Modell der Soziokratie: Dort werden zum Beispiel für die einzelnen Arbeitsgruppen Entscheidungskompetenzen festgelegt, so dass diese in ihren Aufgabengebieten - Bauen, Finanzen, IT, Agroforst, Öffentlichkeitsarbeit - mit einer gewissen Freiheit agieren können. So möchte die Gruppe Entscheidungsprozesse effizienter, transparenter und gleichberechtigter gestalten.

Erfolg durch starke Partner - und Direktkredite von privat

Um diesem ambitionierten, gemeinwohlorientierten Projekt zum Erfolg zu verhelfen, braucht es nicht nur gesellschaftlichen Rückhalt, sondern auch starke Partner. Daher ist die Initiative sehr froh, die Montag-Stiftung an der Seite zu haben, die bereits ähnliche Projekte betreut hat: zuletzt den BOB CAMPUS in Wuppertal, der 2025 den Deutschen Städtebaupreis gewonnen hat. 
Für die Finanzierung setzt die Initiative auf Privatpersonen, die ihr Geld nachhaltig, regional und mit sozialem Mehrwert anlegen wollen. "Natürlich freuen wir uns über Spenden", sagt Dr. Alexander Hagg. "Doch unser finanzielles Rückgrat sind vor allem Direktkredite von Privatpersonen. Mit diesen nachrangigen Darlehen können wir das notwendige Eigenkapital für die Baufinanzierung überhaupt erst stemmen." Vorbild und Mutmacher seien die mehr als 200 Projekte im Mietshäuser-Syndikat, die auf diesem Weg bereits realisiert werden konnten.

Fotos: Montag Stiftung Urbane Räume | Simon Veith

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