Department of Social Policy and Social Security Studies

Faire Lieferketten zwischen politischem Gegenwind und globaler Verantwortung

Thursday 15 January 2026

Am Mittwoch, den 14. Januar 2026 sprach Lara Hutt, Referentin für menschenrechtliche Sorgfaltspflichten bei Fairtrade Deutschland, über faire Lieferketten, wie Fairtrade vorangeht und wohin die Politik steuern sollte.
Lara Hutt Fairtrade Vortrag
Lara Hutt, Fairtrade Deutschland

Globale Lieferketten stehen zunehmend unter Druck: Neue gesetzliche Vorgaben, hohe gesellschaftliche Erwartungen und die Folgen des Klimawandels erfordern mehr Verantwortung von Unternehmen und Politik. Gleichzeitig gewinnen in der EU und in Deutschland politische Kräfte an Einfluss, die bestehende menschenrechtliche und ökologische Schutzmechanismen zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit infrage stellen.

Im Rahmen der Vortragsreihe „Sustainability in Trade!? – Menschenrechte und Umweltschutz in Lieferketten“ zur Ringvorlesung Zwischenrufe zur Sozialpolitik sprach Lara Hutt, Referentin für menschenrechtliche Sorgfaltspflichten bei Fairtrade Deutschland, darüber, was Lieferketten fair macht und welche politischen Weichen dafür notwendig sind.

Fairness in Lieferketten bedeutet, soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung gemeinsam zu denken, von Ressourcenschonung und Klimaschutz bis hin zu stabilen Einkommen für Produzent*innen. Ein zentraler Aspekt ist außerdem Mitbestimmung: Menschen entlang der Lieferkette sollen Entscheidungen, die sie betreffen, aktiv mitgestalten können. Besonders Klein- und Familienbetriebe, die rund ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion leisten, seien stark von Preisschwankungen betroffen und politisch oft wenig gehört. Fairtrade begegne diesen Herausforderungen unter anderem mit agrarökologischen Ansätzen, die Nachhaltigkeit, soziale Entwicklung und wirtschaftliche Tragfähigkeit verbinden und lokale Gegebenheiten sowie kulturelle Traditionen einbeziehen.

Zentrale Instrumente des Fairtrade-Systems sind verbindliche Standards, garantierte Mindestpreise, zusätzliche Prämien für Gemeinschaftsprojekte sowie begleitende Programme zur Unterstützung von Produzierenden. In den Entscheidungsstrukturen verfügen Produzentennetzwerke und nationale Fairtrade-Organisationen über gleichberechtigte Stimmanteile.

Mit Blick auf die Politik betonte Lara Hutt die Bedeutung verbindlicher staatlicher Regeln wie des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, das Unternehmen zu Risikoanalysen, Prävention und Berichterstattung verpflichtet. Aktuelle politische Entwicklungen zielten jedoch zunehmend auf eine Lockerung solcher Vorgaben, wobei Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratiekosten stärker gewichtet würden als Menschenrechts- und Umweltstandards.

Abschließend machte Lara Hutt deutlich, dass faire Lieferketten keine reine Moralfrage seien, sondern eine Investition in stabile und zukunftsfähige Wirtschaftsstrukturen. Notwendig seien stärkere Regeln, mehr Transparenz, internationale Zusammenarbeit und die aktive Einbindung von Zivilgesellschaft und Verbraucher:innen.

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