Co-produktive Lehrforschung Arbeit und Flucht (CoLAF)

Colaf Forschungsprojekt (ki generiert)

Research project at a glance

Das Projekt „Co-produktive Lehrforschung Arbeit und Flucht“ (CoLAF) wird von April 2025 bis März 2027 im Programm Freiraum der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert. Im BA Nachhaltige Sozialpolitik forschen Studierende gemeinsam mit geflüchteten Frauen und kommunalen Partner:innen zum Thema Arbeitsmarktintegration. Im Fokus stehen Good-Practice Beispiele, Empowerment und Abbau intersektionaler Diskriminierung. Der Service-Learning-Ansatz schließt Transferlücken, vermittelt partizipative, ethisch sensible Methoden und mündet in praxisnahen Empfehlungen seitens der Studierenden.
Colaf Forschungsprojekt (ki generiert)

Funding type

Publicly funded research

Period

01.04.2025 to 01.03.2027

Project manager at H-BRS

Project Description

Das Projekt "Co-produktive Lehrforschung Arbeit und Flucht“ wird von der Stiftung Innovation in Hochschullehre im Rahmen des Programms Freiraum von April 2025 bis März 2027 gefördert. Im Zentrum steht der Service-Learning-Ansatz, der eine partizipative und co-produktive Lehrforschung im Kontext des Bachelor-Studiengangs „Nachhaltige Sozialpolitik“ an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ermöglicht. Ziel des Projektes ist es, Studierende durch Praxiserfahrung auf ihre berufliche Tätigkeit im Kontext der Sozialpolitik in einer sich transformierenden Gesellschaft vorzubereiten. Inhaltlich behandelt das Forschungsprojekt das Themenfeld Arbeit und Flucht und möchte gemeinsam mit geflüchteten Frauen und kommunalen Praxipartner:innen den Zugang zum Arbeitsmarkt analysieren und Good-Practice Beispiele zu Bildungs- und Beratungsangebote von verschiedenen Organisationen untersuchen. Für geflüchtete Frauen ist die Integration in den Arbeitsmarkt ein Konfliktpotential, das es durch Empowerment-Räume wie Bildungs- und Beratungsangebote zu minimieren gilt. Ein Baustein des Projektes bildet der partizipative Forschungsansatz. Ziel ist eine Forschung mit Geflüchteten und nicht über sie (vgl. Krause 2016: 1f.) wodurch die Notwendigkeit der Forschung aus forschungsethischer Perspektive begründet werden kann.

Erste Ergebnisse

Im Wintersemester 2025/26 fand das erste Seminar des Projektes statt, in dem die Studierenden empirische Untersuchungen auf verschiedenen Ebenen durchgeführt haben. Zu den Ebenen zählen die administrative/kommunale Ebene (Bildungs- und Beratungsinstitutionen) und die persönliche Ebene. Am 13.01.2026 wurde eine erfolgreiche Fishbowl-Diskussion zusammen mit Studierenden und Praxispartnerinnen organisiert. Dort wurden erste Ergebnisse der Forschung kollektiv diskutiert. Die Endergebnisse wurden von den Studierenden in Form von Hausarbeiten (inklusive Handreichungen) eingereicht, die auch den Praxispartner:innen zur Verfügung gestellt werden.

Vom 24.-25. Februar wurden Forschungsergebnisse zur „Intersectional Resilience in Municipal Integration Governance“ durch das Projektteam Prof. Dr. Kerstin Rosenow-Williams und Dr. Alina Bergedieck auf einem internationalen Workshop an der Universitat de Pompeu Fabra in Barcelona präsentiert und anschließend im Open Gender Journal eingereicht.

Forschungsstand

Die nachhaltige Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den deutschen Arbeitsmarkt ist ein politisch und gesamtgesellschaftlich diskutiertes Thema (vgl. Bauer-Blaschkowski 2022; Etzold 2017; Graf 2023; Wiedner et al. 2018). In diesem Kontext wurde zuletzt vermehrt die Einbindung geflüchteter Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinsichtlich ihrer spezifischen Herausforderungen wie Care Verpflichtungen, unsicherer Aufenthaltsstatus und Anerkennung von Abschlüssen erforscht (vgl. Bergedieck 2020; Brücker et al. 2023; Fendel/ Yildiz 2020; Schreyer/Fendel 2023, 2022; Seidelsohn et al. 2020). Während die Zahl der weiblichen Geflüchteten in Deutschland stetig ansteigt (vgl. Scheu et al. 2020: 184), zuletzt bedingt durch den Zuzug der Ukrainerinnen in 2022 (Brücker et al. 2022: 5f.), gibt es noch deutliche Unterschiede hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktintegration (vgl. Kosyakova et al. 2021:2ff.), trotz einer “hohe[n] Erwerbsmotivation” (Fendel 2019: 1) bzw. einer “hohe[n] Bildungsmotivation” (Enßle-Reinhardt 2022: 7) geflüchteter Frauen. Ihre Position ist im Spannungsfeld zwischen Familie, Arbeit, Integration und Bildung zu verorten, wo sie mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert werden, unter anderem intersektionaler Diskriminierung (Walgenbach/Pfahl 2017: 141). Im Kontext der aktuellen Forschungen lässt sich insgesamt festhalten, dass es bislang nur wenige empirische Arbeiten gibt, die den Beitrag von Beratungs- und Bildungsangeboten zur Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen untersuchen (vgl. Bachmann 2016; Brücker et al. 2022; Dieng 2017).

Zielsetzungen des Lehrforschungsprojektes

1. Stärkung von geflüchteten Frauen durch Partizipation in der Forschung, was eine Wertschätzung ihrer Lebensgeschichte bedeutet, basierend auf dem Ansatz "Jeder Mensch ist ein Experte/eine Expertin". Ferner profitieren geflüchtete Frauen von der Bearbeitung der Forschungslücke zur intersektionalen Diskriminierung am deutschen Arbeitsmarkt durch die Sichtbarmachung von Best Pactices der Serviceangebote.

2. Analyse der Integration durch Bildung basierend auf der Untersuchung der Bildungs- und Beratungsangebote und Fokussierung auf nachhaltige Erwerbstätigkeitsperspektiven gegenüber prekären Beschäftigungsformen zur Förderung gesellschaftlicher und sozial-ökonomischer Teilhabe von nach Deutschland geflüchteten Frauen. 

3. Stärkung der Flüchtlingshilfe durch Partizipation in Workshops und in Experten*inneninterviews, welche Reflektionsprozesse und praxisnahe Handlungsempfehlungen ermöglichen im Sinne des Service Learning, das auf die Bedarfe der Praxis ausgerichtet ist und Studierende in lebensnahe Fragestellungen einbindet, so dass win-win Situationen entstehen können. 

4. Untersuchung der Arbeitsmarktintegration mittels Projekterkenntnisse zur praktischen Umsetzung. Das Projekt erhebt Forschungsergebnisse mit einer hohen Praxisrelevanz, die in verschiedenen Publikations- und Diskussionsformaten verbreitet werden und in praxisnahen Handlungsempfehlungen münden.

5. Stärkung ethisch vertretbarer und sensibler Forschung mittels ethisch-sensibler Forschung insbesondere bei Interviews mit geflüchteten Frauen. Um die Perspektiven der Gesetzgebenden und Praxipartner:innen empirisch zu erheben, wird die bereits bekannte Methode des semi-strukturierten Interviews angewendet.

6. Stärkung des partizipativen Ansatzes im Kontext Hochschule mittels des Konzeptes des Service Learning (Altenschmidt/Miller 2016: 44). Die Studierenden sind partizipativ in der Organisation der Projektgruppen und der Entscheidungen bzgl. Vorgehensweise und Arbeitstempo beteiligt  und auch die Praxispartner:innen werden vorab in die Forschungen eingebunden

Literaturverzeichnis

Altenschmidt, Karsten; Miller, Jörg (2016) Service Learning - Ein Konzept für die dritte Mission - In: Die Hochschule : Journal für Wissenschaft und Bildung 25 (2016) 1, S. 40-51. Online: https://doi.org/10.25656/01:16201

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Bergedieck, Alina (2020) Die Situation von geflüchteten Menschen in kommunalen Unterbringungen unter der Betrachtung der Human Security Dimensionen. In: Mratschkowski, Anna (Hrsg.) Integration Geflüchteter in Deutschland. Nomos-Verlag, S. 91-128.

Brücker, Herbert; Jaschke, Philipp; Kosyakova, Yuliya; Vallizadeh, Ehsan (2023) Entwicklung der Arbeitsmarktintegration seit Ankunft in Deutschland: Erwerbstätigkeit und Löhne von Geflüchteten steigen deutlich. IAB-Kurzbericht, vol. 13. Online: https://doku.iab.de/kurzber/2023/kb2023-13.pdf (Abrufdatum: 28.05.2025).

Brücker, Herbert; Ette, Andreas; Grabka, Markus M.; Kosyakova, Yuliya; Niehues, Wenke; Rother, Nina; Spieß, C. Katharina; Zinn, Sabine; Bujard, Martin; Cardozo, Adriana; Décieux, Jean Philippe; Maddox, Amrei; Milewski, Nadja; Naderi, Robert; Sauer, Lenore; Schmitz, Sophia; Schwanhäuser, Silvia; Siegert, Manuel; Tanis, Kerstin; Steinhauer, Hans Walter (2022) Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland: Ergebnisse der ersten Welle der IAB-BiB/FReDA-BAMF-SOEP-Befragung. In: Forschungsbericht, vol. 41, Forschungszentrums des Bundesamtes, Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Online: https://doi.org/10.48570/bamf.fz.fb.41.d.2023.ukrlangbericht.1.0

Dieng, Moussa (2017) Lebenslagenorientierte Unterstützung und Förderung Geflüchteter in Gemeinschaftsunterkünften der Stadt Bremen. In: Joachim Schroeder/Louis Henri Seukwa (Hrsg.) Soziale Bildungsarbeit mit jungen Menschen. Bielefeld: transcript Verlag, S. 97-118. Online. https://doi.org/10.14361/9783839438404-007.

Enßle-Reinhardt, Friederike (2022) Mutterschaft als Ressource. Eine geographisch-intersektionale Perspektive auf den Ankommensprozess geflüchteter jesidischer Frauen. In: Z’Flucht 6(1), S. 3-33. Online: https://doi.org/10.5771/2509-9485-2022-1-3.

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Fendel, Tanja (2019) Die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter Frauen. In: WISO direkt, Nr. 2. Online: https://library.fes.de/pdf-files/wiso/15115.pdf (Abrufdatum: 28.05.2025).

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Scheu, Tobias; Schmidtke, Julia; Volkert, Jürgen (2020) “Ich brauche gute Arbeit. Nicht einfach Arbeit, aber gute Arbeit”. Bedeutung, Hürden und Einflussfaktoren der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter aus Sicht von Geflüchteten und Jobcentern. In: Z’Flucht, 4(2), S. 181-212. Online: https://doi.org/10.5771/2509-9485-2020-2-181.

Schreyer, Franziska; Fendel, Tanja (2023) Aktivierende Integrationspolitik und Geschlechterungleichheit bei der Aufenthaltsverfestigung. In: FluchtforschungsBlog, Online: https://fluchtforschung.net/aktivierende-integrationspolitik-und-geschlechter-ungleichheit-bei-der-aufenthaltsverfestigung/ (Abrufdatum: 28.05.2025).

Schreyer, Franziska; Fendel, Tanja (2022) Ungleichheit und Aufstieg in der Einwanderungsgesellschaft. Zur Stratifizierung geflüchteter Frauen und Männer im Kontext aktivierender Integrationspolitik. In: Soziale Welt 73(2), S. 266-308. Online: https://dx.doi.org/10.5771/0038-6073-2022-2-266 (Abrufdatum: 28.05.2025).

Walgenbach, Katharina/Pfahl Lisa (2017) Intersektionalität  In: Bohl/Budde/Rieger-Ladich :Umgang mit Heterogenität in Schule und Unterricht: Grundlagentheoretische Beiträge und didaktische Reflexionen. 

Wiedner, Jonas; Salikutluk. Zerrin; Giesecke, Johannes (2018) Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten: Potenziale, Perspektiven und Herausforderungen. State-of-Research-Papier 7, Verbundprojekt ‚Flucht: Forschung und Transfer’, Osnabrück: Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück / Bonn: Internationales Konversionszentrum Bonn (BICC), März 2018.

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