Graduate Institute
Vom Nebenprodukt zum Zukunftswerkstoff: Jonas Bergrath promoviert zum nachhaltigen Rohstoff Lignin
Die Doktorarbeit trägt den Titel Prozessinduzierte Funktionalisierung von Organosolv-Lignin: Ein systemstischer Ansatz zum Anwendungsdesign.
Lignin ist ein natürlicher Bestandteil von Pflanzen und fällt bei der industriellen Verarbeitung von Biomasse, beispielsweise in Bioraffinerien, als Massenprodukt an. Es hat großes Potenzial als nachhaltiger Rohstoff, etwa für Kunststoffe oder als Antioxidans. Allerdings variieren die chemischen Eigenschaften stark, was eine gezielte stoffliche Nutzung erschwert. In meiner Dissertation habe ich untersucht, wie sich die Eigenschaften von Lignin durch Anpassung von Prozessparametern wie Temperatur und Ethanolkonzentration vorhersagbar steuern lassen. Das Ergebnis: Es lassen sich erstmals zuverlässige Modelle nutzen, um Lignin gezielt für spezifische Anwendungen maßzuschneidern.
Die Verteidigung fand an der Bergischen Universität Wuppertal statt. Das Prüfungskomitee setzte sich aus Prof. Dr. Hans-Willi Kling, Prof. Dr. Margit Schulze als Betreuerin der H-BRS, Prof. Dr. Thorsten Benter und Prof. Dr. Fabian Mohr zusammen. Arbeitsgruppe und Familie waren ebenfalls vor Ort. Sein besonderer Dank gilt Frau Prof. Birgit Kamm und Herrn Dr. Franz Zeppetzauer, die Jonas am WoodKplus in Linz aufgenommen haben, als der Campus Rheinbach infolge der Flut geschlossen werden musste.
Nach seiner Promotion zieht es Jonas Bergrath in die Industrie. Hier freut er sich darauf, die wissenschaftlichen Methoden und das analytische Denken, die er während meiner Promotionszeit erworben hat, in einem industriellen Umfeld einzubringen und dort neue Herausforderungen anzugehen.
Passend zur Fußball-WM sein Tipp für alle, die gerade promovieren:
„Habt keine Angst, einen Schritt zurückzugehen. Im Fußball gibt es Spieler, die unter Druck immer nach vorne spielen wollen – und dabei den Ball verlieren. Erfahrene Spieler passen dagegen manchmal zurück zum Torwart, um das Spiel neu aufzubauen und sich mehr Optionen zu eröffnen. Genauso ist es in der Promotion: Steckt man in einer methodischen Sackgasse oder funktioniert ein Experiment partout nicht, lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und die Ausgangssituation neu zu betrachten. Oft eröffnen sich dabei Wege, die man vorher gar nicht gesehen hätte 😊”
Dr. Jonas Bergrath - PhD in Materialwissenschaften 2026
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