Centre for Entrepreneurship, Innovation and SME Management (CENTIM)
Probieren geht neben Studieren.
Sebastian Kawelke, Mit-Gründer von L3montree, macht Open Source Software ein Stück sicherer
Wer bist du und woran arbeitest du aktuell?
Ich bin Sebastian und gehöre zum Team L3montree. Wir arbeiten daran, Software, insbesondere Open-Source-Software, ein Stück sicherer zu machen und damit, um es großkotzig zu sagen, auch unser alltägliches Leben, weil Software heute überall drinsteckt.
Abhängig davon, um welche Software es geht, hat die Arbeit mehr oder weniger Impact – und die mit viel Impact macht natürlich am meisten Spaß.
Was war der Auslöser für dich, dich selbstständig zu machen?
Einen richtigen Auslöser gab es gar nicht. Man könnte sagen, es war eine günstige Gelegenheit: Wir hatten ein cooles Team und alle Bock, das einfach auszuprobieren. Wir hatten damals wenig Risiken oder Verpflichtungen, von daher war es einfach eine günstige Gelegenheit zum Ausprobieren.
Welchen Impact möchtest du mit deiner Arbeit erzielen?
Am Ende geht es eigentlich darum, dass man Software dazu benutzt, Probleme zu lösen - sie existiert in den seltensten Fällen zum Selbstzweck. Damit das aber nachhaltig und lange funktioniert, muss die Software sicher sein. Das ist der Impact, den wir liefern wollen.
Gehen wir mal zurück zum Anfang eurer Gründung. Ihr habt mitten im Studium, während der Coronazeit, gegründet. War das rückblickend total Wahnsinn oder der perfekte Zeitpunkt?
Es war eigentlich ziemlich gut. Durch die Corona-Zeit hatten wir plötzlich viel mehr Zeit, weil viele Dinge nicht mehr gingen. Und es war gesellschaftlich akzeptiert, als Informatiker den ganzen Tag vor dem Rechner zu hängen. Als Student hat man hat ja in der Regel wenig Verpflichtungen, also dachten wir uns: „Warum nicht? Kann man ja mal ausprobieren.“ Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass wir es nach ein oder zwei Jahren wieder lassen. Die Rechtsform UG war ein niedrigschwelliger Einstieg, auch finanziell. Außer Zeit mussten wir am Anfang nicht viel investieren.
Würdest du es wieder so machen?
Definitiv. Parallel zum Studium gründen hatte bei uns den Effekt, dass wir viel von dem, was wir im Studium theoretisch gehört haben, direkt praktisch anwenden konnten und andersrum. Wenn man irgendwas schon mal aus Pragmatismus machen musste und danach in der Vorlesung das theoretische Fundament dazu lernt, versteht man plötzlich, warum man sich das alles anhört. Das hat auch geholfen, sich fürs Studium zu motivieren.
„Die größte Hürde war nicht die Technik, sondern rauszugehen und mit Leuten zu sprechen.”
Sebastian Kawelke - Mit-Gründer von L3montree
Was war am Anfang schwieriger: Das Problem der Kunden zu verstehen oder die technische Lösung zu bauen?
Tatsächlich weder noch. Die Kunden erzählen einem meistens sehr genau und gerne, was ihr Pain Point ist, und die technische Umsetzung war für uns meistens keine Hürde. Schwieriger war es, sich immer konsequent daran erinnern zu müssen, dass man eine Lösung baut, die nachher auch von jemand anderem benutzt werden muss, den Usability-Aspekt also nicht zu vergessen und sich stattdessen in der „technisch schönsten“ Lösung zu verlieren.
Was war dann die größte Hürde?
Überhaupt erst mal nachhaltige Kundenbeziehungen aufzubauen. Bei uns im Team kommen alle aus der Tech-Ecke. Auf Events gehen und mit Leuten zu quatschen, war am Anfang ganz schlimm für uns, aber du musst es trotzdem machen. Wir teilen das auch heute noch im Team auf, es gibt manche, denen macht es mehr Spaß und die haben auch Stärken darin. Aber das war das Schwerste am Anfang. Man muss Gespräche suchen, lange bevor jemand zum Kunden wird. Sonst baust du am Ende etwas, das keiner benutzt.
Euer Geschäftsmodell hat sich über die Jahre verändert. Wie kam es dazu?
Wir haben angefangen mit einer Zeiterfassungsapp namens StampLab. Da haben wir schnell gemerkt, dass uns das Bauen der App besonders Spaß macht, da konnten wir uns richtig drin verlieren. Aber dann auf Leute zuzugehen, um das Produkt zu verkaufen, hat weniger Spaß gemacht. Das lag weniger an den Kund:innen, sondern eher daran, dass wir eigentlich gar nicht für das Thema Personalplanung brennen. Das merkt natürlich auch dein Gegenüber, wenn du etwas verkaufen willst, das du selbst thematisch langweilig findest. Das wird dann schnell zu einem aufgesetzten Sales-Gespräch. Wir haben dann irgendwann festgestellt, dass uns, neben der Arbeit an der Software, vor allem die Themen Softwarequalität und Softwaresicherheit Spaß machen – darüber könnte ich spontan zwei Stunden referieren, über Personalplanung nicht. Also haben wir unseren Fokus dorthin verschoben, wo unsere Leidenschaft liegt.
Spannend, dass ihr dann alle gemeinsam diesen inhaltlichen Shift gemacht und das Interessensgebiet gefunden habt, was euch dann allen Spaß macht.
Es gibt natürlich auch mal Spannungen im Team, weil jeder seinen eigenen Background und Blickwinkel hat. Freddy kommt eher aus der Compliance-Schiene, Tim ist bei uns der absolute Programmierer und fachlich richtig tief drin und bei mir geht es eher um die modernen Betriebsvarianten von Software. Aber wir haben einen guten Querschnitt gefunden. Klar pusht mal jemand ein Detailthema, weil es ihn selber mehr interessiert aber am Ende wirken die Interessen sehr gut zusammen und wir ergänzen uns sehr gut.
Ihr seid mittlerweile 15 Personen bei L3montree. Ist das manchmal noch ein komisches Gefühl, Chef zu sein und die Verantwortung für so viele Leute zu tragen? Wie wächst man in so eine Rolle rein?
Ja, das hört nie auf. Es ist schon manchmal merkwürdig, aber auch schön. Bei uns ist die Teamdynamik Start-up-typisch zum Glück relativ flach und das „Chef-Sein“ ist eigentlich selten von Relevanz. Am ehesten merkt man das daran, dass man sich mit Themen beschäftigt, mit denen sich die anderen nicht beschäftigen müssen oder man manchmal mehr Sorgen hat als die anderen. Aber am Ende des Tages steht da ja ein Team und die können alle auch selber geradeaus laufen. Von daher muss ich diese Chefrolle zum Glück gar nicht so richtig ausspielen.
Gibt es Unterschiede wie ihr im Gründerteam die Führungsaufgaben verteilt? Habt ihr einen Good und einen Bad Cop?
Es ist schon aufgeteilt. Tim ist der inhaltliche Ansprechpartner für die Leute, Freddy ist der „Papa für alles“, der dafür sorgt, dass der Laden läuft. Und ich bin der, der eher die unangenehmen Gespräche macht, weil mich das am wenigsten von uns dreien stört. Am Ende wollen ja alle nur ihr Problem gelöst haben. Sei es der oder die Mitarbeitende oder ein:e Kund:in – wenn man dann eine Lösung oder einen Kompromiss findet, dann sind am Ende alle happy. Mit der Zeit wird man da pragmatischer und entspannter.
In der Start-up-Bubble gibt es ja dann schon ein paar Klischees. Welches trifft bei euch gar nicht zu?
Wir haben noch keinen Kicker. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das irgendwann kommt. Und das Klischee der totalen Selbstaufopferung gibt es bei uns nicht, bei uns gibt es keine 80-Stunden-Woche. Und unser erstes Firmenauto war ein Seat Ibiza, also sehr bodenständig.
Und welches Klischee erfüllt ihr?
Wir haben Team-Hoodies, Bürohunde und flache Hierarchien. Außerdem ist es sehr familiär bei uns. Viele von den Kolleginnen und Kollegen unternehmen auch privat noch Dinge miteinander.
Warum habt ihr hier gegründet und seid nicht Berlin gegangen? Was läuft hier in der Region besonders gut, wo sich andere Regionen etwas abgucken könnten und was fehlt hier?
Bonn ist schön! Und in der IT-Branche ist man nicht ortsgebunden und zum Glück deutlich flexibler als in anderen Branchen. Für Kundenbesuche reicht ab und zu ein Video-Call oder eine Bahnfahrt, dafür muss man keine weitere Niederlassung aufmachen. Aber gerade für IT-Sicherheit ist Bonn auch einfach ein super Standort. Durch die großen Player DHL und Telekom ist einiges an Infrastruktur da. Am Bonner Bogen hat sich außerdem eine kleine „digitale Ecke“ gebildet, mit vielen Events und einem großen Netzwerk. Und durch die Hochschule und die Uni hat man auch viel an wissenschaftlichem Potenzial und Kooperationsmöglichkeiten genau wie Nachwuchskräfte, vor allem durch die spezialisierten Studiengänge Cyber Security und Privacy.
Thema Hochschule ist eigentlich schon ein gutes Stichwort. Die Start-up-Manufaktur gab es bei eurer Gründung noch gar nicht. Hättet ihr euch so eine Unterstützung für die Anfangszeit gewünscht?
Auf jeden Fall, es erleichtert die Einstiegshürde enorm, das würde ich nicht unterschätzen. Die größte Hürde ist oft, sich zu trauen. Wenn einem durch Beratung und ein Netzwerk das Gefühl vermittelt wird, dass die Idee nicht komplett blöd ist, traut man sich eher loszulegen. Besonders in der Informatik ist Gründung als Karriereoption oft noch unbekannt. Da kann das Gründungszentrum das Thema entmystifizieren und greifbar machen oder Gründungsbeispiele vorstellen, die von ihren Erfahrungen berichten. Das führt im besten Fall dazu, dass sich mehr Leute trauen etwas auszuprobieren oder selbst wenn sie es nicht machen, einen anderen Blick darauf bekommen. Und das ist ja auch Aufgabe von Bildung.
Was ist der nächste große Meilenstein für L3montree?
Bisher ist keiner von uns auf den Exit aus, was gut ist! Ich würde hoffen, dass wir noch mehr coole Leute ins Team kriegen und uns noch resilienter und stabiler aufbauen. Wir wollen gar nicht riesig werden. Bei etwa 50 Leuten, oder vielleicht sogar schon vorher, wäre vermutlich die Grenze erreicht, damit der Begeisterungsfaktor nicht verloren geht. Unser Kernziel ist, dass wir uns selbst treu bleiben und den technischen Fokus auf Qualität behalten. Wenn man deutlich größer wird, steigt auch das Risiko, dass man das verliert.
Inhaltlich haben wir zuletzt unser Open-Source-Produkt DevGuard gelauncht – Produktentwicklung können wir also doch nicht ganz bleiben lassen. Da hoffen wir natürlich auf eine entsprechende Resonanz, bisher läuft das schon ziemlich gut. Es gibt einige Firmen und Partner, die bereit waren, schon in der Beta Phase mitzumachen. Die OpenCode Plattform des Zentrums für Digitale Souveränität nutzt DevGuard beispielsweise als Plattformlösung und das motiviert uns sehr. Ich hoffe einfach, dass wir diesen Fokus behalten, dass unsere Arbeit auch weiterhin Mehrwert bietet, Dann macht es am meisten Spaß.
Über L3montree
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