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Centre for Entrepreneurship, Innovation and SME Management (CENTIM)

Sicherheitsrisiko: Angestellt sein.

Teaser Anne-Sophie Hoschützky - Sicherheitsrisiko: Angestellt sein. - people empowered by Start-up-Manufaktur

Anne-Sophie Hoschützky, Gründerin von SecuryGo, entwickelt einen virtuellen IT-Sicherheitsmitarbeiter

Unter dem Motto „People empowered by Start-up-Manufaktur“ zeigen wir die Köpfe hinter den Start-ups und Gründungsideen der H-BRS: Was motiviert sie? Wo stoßen sie an ihre Grenzen? Und wie wachsen sie über sich hinaus?
Teaser Anne-Sophie Hoschützky - Sicherheitsrisiko: Angestellt sein. - people empowered by Start-up-Manufaktur

Wer bist du und woran arbeitest du aktuell? 

Ich bin Anne-Sophie Hoschützky und wir entwickeln einen virtuellen IT-Sicherheitsmitarbeiter für Kleinst- und Kleinunternehmen.

Was war der Auslöser für dich, dich selbstständig zu machen? 

Der Auslöser war, dass wir im Familienunternehmen meiner Eltern genau so ein Problem hatten. Irgendwann war der Moment, in dem wir gemerkt haben, dass es für 97% der Unternehmen offensichtlich keine passenden Lösungen für IT-Sicherheit gibt. Wenn wir es jetzt nicht machen, dann macht es keiner und dann bleiben diese Unternehmen auf der Strecke. Das ist der größte Antrieb gewesen. 

Welchen Impact möchtest du mit deiner Arbeit erzielen? 

Da wir aus der Praxis kommen, sind wir sehr nah an der Zielgruppe dran und haben das Problem selber durchlebt.  Wir wollen die IT-Sicherheit in Deutschland ein Stück anheben, indem wir 97% der Unternehmen in Deutschland, welche Kleinst- und Kleinunternehmen und Familienunternehmen sind, eine Lösung liefern werden.

Du kommst aus der Bankenwelt und bist Betriebswirtin. Wie bist du darauf gekommen ausgerechnet im Bereich Cyber Security zu gründen und nicht woanders? 

Ich glaube, die Frage stelle ich mir selbst manchmal. Also ich komme aus der Banken- und der BWL-Welt, aber durch meine Familie eben auch aus dieser Unternehmerwelt. Was ich dadurch mitgenommen habe ist, dass man als Geschäftsführerin oder Unternehmerin am Ende des Tages die Verantwortung für das ganze Unternehmen, aber auch für ganz viele Menschen trägt. IT-Sicherheit ist ein Riesenfaktor, der alles von heute auf morgen zum Einstürzen bringen kann. Das habe ich in meiner Zeit bei der Bank während Corona selbst miterlebt, da wurden zwei große Mittelständler gehackt - das eine Unternehmen hat es geschafft, sich wieder aufzubauen, das andere nicht. Das war der Moment, an dem ich gesagt habe, vielleicht ist es genau das Richtige, dass mal jemand in die Cyberwelt geht, der wirklich von Unternehmerseite weiß, was gebraucht wird. 

Du hast 2021 mit dem MBA Start-up Development* gestartet und seitdem mehrere Ideen verfolgt und wieder verworfen, bis SecuryGo entstand. Was hast du aus den vorherigen Projekten gelernt? 

Dass man ganz früh mit der Zielgruppe sprechen muss. Die erste Idee habe ich verworfen, weil ich gemerkt habe, dass sie am Markt gar nicht gebraucht wird. Und dann ist mir das Problem, was wir mit SecuryGo jetzt lösen, bei meiner Tätigkeit in der Bank und dann in dem Unternehmen meiner Eltern quasi vor die Füße gefallen. Dadurch dass ich gerade mitten im MBA war, hatte ich die Chance den Markt, den Wettbewerb und die Lösung für das Problem konkret zu ermitteln, zu analysieren und zu bewerten. Wir haben sehr viel mit anderen Unternehmen gesprochen haben, um herauszufinden, ob die eine Lösung haben. Sie hatten auch keine Lösung, haben aber genau dasselbe Problem geäußert. Damit war für uns klar: Okay, da ist wirklich ein Bedarf! Auf der anderen Seite würde ich sagen: einfach durchhalten. Ich glaube, wenn man verkrampft nach einer Idee sucht, findet man nicht das Richtige. Aber man sollte offen für Probleme sein, die einen im Alltag begegnen. Das kann dann am Ende des Tages zu einer richtig guten Idee führen.

An welchem Punkt wusstest du dann, dass die Idee tatsächlich funktioniert? 

Als ich die Entscheidung getroffen habe, den Schritt aus der Bank zu machen, hatten wir eigentlich nur eine Idee auf dem Papier und waren zwei Betriebswirte ohne Cyber-Background, ich habe ja zusammen mit meinem Vater gegründet. Das Krasse war eigentlich, dass wir nur mit dieser Idee schon mehrere Finanzierungsangebote hatten. Wir hatten eine Sparkasse, die sich beteiligen wollte und ihre Kund:innen befragt hat, und alle haben bestätigt: „Wir brauchen diese Lösung.“ Das war schon ein krasser Moment: du stehst hier als Betriebswirtin mit einer Cybersicherheitsidee, hast noch nicht mal das Produkt, aber dir wollen Leute schon Geld geben

Gab es irgendeinen Punkt oder eine bestimmte Entscheidung, die ihr getroffen habt, die noch mal alles über den Haufen geworfen hat und dann doch noch mal eine andere Richtung eingeschlagen hat? 

Wenn man sich das Produkt anguckt, von Version 1 zu jetzt, ist das konstant eine Veränderung. Wir sind aber von vornherein vom Problem ausgegangen, weswegen die Grundidee immer noch die gleiche ist. Aber ich glaube, man muss damit leben, dass man tagtäglich Entscheidungen trifft, die zu Veränderungen führen und dafür muss man offen sein. Wenn man das nicht kann, dann ist Gründen nicht das Richtige für einen. 

Hast von Anfang an ein gutes Mindset dafür mitgebracht oder hat sich das mit der Zeit entwickelt?

Ich hatte das Glück durch meine Familie ein Stück weit hineingewachsen zu sein. Das heißt, ich kannte es schon, dass jeden Tag neue Probleme auftauchen können. Aber ich glaube, man stumpft auch ab. Wenn ich überlege, was wir letztes Jahr für Probleme hatten und was heute für Probleme auftauchen. Da denke ich:  „Erst mal cool bleiben, das wird schon.“ Vor einem Jahr hätte ich da eher noch Panik bekommen. Man entwickelt sich persönlich enorm weiter und selbst, wenn das hier aus irgendeinem Grund nicht klappen sollte, kann mir diese persönliche Entwicklung und diese gelernte Resilienz keiner mehr nehmen.

Du hast unter anderem mit deinem Vater gegründet. Könnt ihr Familie und Business gut voneinander trennen oder vermischen sich die beiden Welten?

Wir haben ja Gott sei Dank getrennte Haushalte – das heißt, jeder geht nach Feierabend zu sich nach Hause und kann den Tag sacken lassen. Aber es ist natürlich so, dass das Thema aufkommt, wenn man abends oder am Wochenende zusammensitzt. Das ist, glaube ich, ganz normal und selbstverständlich. Wir haben auch erlebt, dass viele Investor:innen eine Vater-Tochter-Konstellation bei der Gründung eher kritisch bewerten und mit einer Partnerschaftskonstellation bei Eheleuten vergleichen. Das sehe ich anders, wir können eben nach Hause gehen und haben unser getrenntes Privatleben. Auf der anderen Seite haben wir ein Grundvertrauen, was andere Gründungsteams so nicht haben, das ist unsere größte Stärke. Es hat alles Vor- und Nachteile, aber besonders in Situationen, wo es vielleicht nicht so super läuft und es darauf ankommt, als Team zu funktionieren und zusammen zu halten, ist diese Konstellation Gold wert. Außerdem spiegeln wir in diesem Team genau die klassische Konstellation von Klein- und Kleinstunternehmen wieder, von denen über 80% Familienunternehmen sind. Unsere Zielgruppe kann sich mit uns identifizieren und das gibt einen großen Vertrauensvorsprung.

Bist du in dem Zusammenhang auch Vorurteilen begegnet oder wirst unterschätzt?

Absolut. Aber dadurch habe ich auch eine Stabilität gewonnen, die viele andere nicht haben. Bei uns ist die Rollenverteilung sehr eindeutig: Ich mache alles nach außen hin und mein Vater ist strategisch und zahlenorientiert und macht eigentlich alles im Hintergrund. Ja, ich werde unterschätzt, besonders auch in dieser Branche, aber ich glaube, dass uns das sehr zugutekommt.. Ich finde es super, wenn man mich unterschätzt – dann hat man keinen hohen Anspruch an mich und ich kann nur positiv überraschen. Mittlerweile habe ich neun Jungs hinter mir, die alle aus dem Cyberbereich kommen, da steckt also schon was hinter. Was mich unfassbar stärkt, ist die Tatsache, dass die Unternehmer:innen, die am Ende des Tages unser Produkt kaufen sollen, voll auf mich anspringen, weil sie sich verstanden fühlen und weil ich deren Leben eher widerspiegel als wenn ich eine Vollblut-ITlerin wäre. Solange die Kund:innen mich also nicht unterschätzen, ist die Welt in Ordnung. 

„Man muss zu 100 % davon überzeugt sein, dass das, was man da macht, auch wirklich erfolgreich wird.”

Anne-Sophie Hoschützky - Gründerin von SecuryGo

Anne-Sophie Hoschützky

Wir hören ab und zu, dass sich Studis selbständig machen wollen, weil es so Gründungs-Mythen gibt wie  zeitliche Flexibilität, viel Geld usw. Stimmt das oder ist das in der Realität ganz anders?

Ja, man hat Flexibilität, aber in einem ganz anderen Maße als man sich das vorher vorgestellt hat. Momentan arbeite ich eigentlich mindestens sechs Tage die Woche und bin abends nie vor 20 Uhr raus. Das Thema Flexibilität ist also maximal überbewertet. Ich glaube, dass man in der Gründung so viel arbeitet wie sonst in keinem anderen Job. Und dazu muss man sagen, dass man als Gründerin diejenige ist, die am wenigsten bekommt, weil du ja dafür da bist, das Unternehmen aufzubauen und am Ende stellst du lieber Personal ein, statt dir ein hohes Gehalt auszuzahlen.

Was sind die größten Unterschiede zum Konzernleben? 

Also es läuft nichts so wie man das aus einem Großkonzern kennt, das war auch allen von Anfang an klar. Jeder hat zwar seine Aufgaben, aber eigentlich machen auch alle noch andere Dinge mit. Ich bin für den Vertrieb und das Marketing verantwortlich aber mittlerweile bin ich ehrlich gesagt auch halbe Steuerberaterin, Rechtsanwältin, „KI-Spezialistin“ und vieles mehr. Aber das macht es auch aus! Ich glaube, die maximale Flexibilität, die wir haben, die viele andere nicht haben, ist, dass wir super viel remote arbeiten können. Mir ist egal, von wo du arbeitest, solange du verfügbar bist. Das ist besonders für  Mittelständler zum Teil unvorstellbar. Aber das erfordert auch eine gute Koordination und ein gutes Kalendermanagement und ist natürlich auch nur möglich, weil wir ein kleines Team sind. Man muss diese Struktur komplett selber festlegen, sie wird einem nicht vorgegeben. In der Bank habe ich oft gedacht ich hätte Stress, aber wenn man selbstständig ist, sieht man erstmal was Probleme sind, da geht es nämlich im Zweifel auch um die Existenz. Viele kurzfristige Entscheidungen können sehr langfristige Auswirkungen haben. Das hast du im normalen Konzernleben nicht, wenn du krank bist, läuft es weiter. Als Gründerin trägst du eine ganz andere Verantwortung. 

Würdest du es noch einmal machen? 

Ja, auf jeden Fall, weil ich an diese Idee glaube und die große Chance habe, wirklich etwas zu bewegen damit. Aber das muss gut überlegt sein. Gründung ist in den ersten zwei Jahren zu 80 % „Scheiße“, da geht es ganz oft darum zu entscheiden, weiterzumachen. Man sollte das also unbedingt mit jemandem zusammen machen, der Stabilität mitbringt und dem man blind vertraut. Ja, ich glaube, das ist das Wichtigste: Alleine würde ich niemals gründen, da wäre ich jetzt gar nicht mehr hier. Man muss zu 100% davon überzeugt sein, dass das, was man da macht, auch wirklich erfolgreich wird, sonst brauchst du es nicht machen. Dann bleib lieber in deinem guten Job. Ich glaube niemandem, der sagt, das war total easy. 

Welche Rolle hat die Start-up-Manufaktur auf deinem Weg gespielt? Und wem würdest du die Zusammenarbeit mit der Start-up-Manufaktur besonders empfehlen und warum? 

Ihr liefert wirklich ein ganz tolles Netzwerk, gerade für den Start. Wenn man ganz frisch in diesem Game unterwegs ist und noch unsicher ist oder jemanden braucht, der einen begleitet, dann ist es das Beste, was man machen kann, sich an euch zu wenden. Man kann sich immer an euch wenden, wenn man noch einen Kontakt braucht, für eine Veranstaltung oder ein Team-Matching. 

Was sind die nächsten großen Meilensteine für SecuryGo?

Wir arbeiten gerade auf Hochtouren, das erste Produkt fertig zu bekommen, was dann im September an den Start gehen wird. Parallel dazu führen wir eine deutschlandweite Befragung über die IHKs, Handwerkskammern und Unternehmerverbänden durch, um die Situationen der Unternehmen vor Ort genau zu erfassen und damit unser virtueller IT-Sicherheitsmitarbeiter so gut wird, wie er nur werden kann. 

 

* Erläuterung MBA: 

Der MBA Start-up Development war ein berufsbegleitendes Studienangebot, was zwischen 2021 und 2025 an der H-BRS angeboten wurde. 

Über SecuryGo

Anne-Sophie Hoschützky hat SecuryGo 2025 gemeinsam mit ihrem Vater gegründet. Das Start-up entwickelt einen KI-gestützten Cybersicherheitsassistenten für kleine Unternehmen. Ziel ist es, IT-Sicherheit verständlicher, zugänglicher und alltagstauglich zu machen, insbesondere für Unternehmen ohne eigene IT-Sicherheitsabteilung. Die Lösung analysiert den Sicherheitsstatus eines Unternehmens, priorisiert notwendige Maßnahmen, begleitet deren Umsetzung Schritt für Schritt und betreut das Unternehmen langfristig. Dadurch wird professionelle Cybersicherheit erstmals einfach, bezahlbar und für Kleinst- und Kleinunternehmen dauerhaft zugänglich.

Dein Weg zur Gründung

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Project lead SoNaR, @ Start-up-Manufaktur - das Gründungszentrum der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

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