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Centre for Entrepreneurship, Innovation and SME Management (CENTIM)

Negatives Ergebnis. Positiver Erfolg.

Teaser Reza Esmaillie - Negatives Ergebnis. Positiver Erfolg. - people empowered by Start-up-Manufaktur

Reza Esmaillie, Mit-Gründer von Detechgene, macht Diagnostik mithilfe von Technologie für jeden zugänglich

Unter dem Motto „People empowered by Start-up-Manufaktur“ zeigen wir die Köpfe hinter den Start-ups und Gründungsideen der H-BRS: Was motiviert sie? Wo stoßen sie an ihre Grenzen? Und wie wachsen sie über sich hinaus?
Teaser Reza Esmaillie - Negatives Ergebnis. Positiver Erfolg. - people empowered by Start-up-Manufaktur

Wer bist du und woran arbeitest du aktuell? 

Ich bin Dr. Reza Esmaillie und arbeite aktuell daran, Diagnostik mithilfe von Detechgene jedem zugänglich zu machen.

Was war der Auslöser für dich, dich selbstständig zu machen? 

Für mich gab es keinen spezifischen Auslöser an sich sondern es war eher ein schleichender Prozess. Insbesondere durch Veranstaltungen, bei denen Gründer:innen ihre Gründungsgeschichte aufgezeigt haben, ist mir klar geworden, dass Gründen ein alternativer Berufszweig ist. Die Geschichten hörten sich immer so beeindruckend an, dass ich mir dann dachte: Okay, warum eigentlich nicht? Das kannst du auch. 

Welchen Impact möchtest du mit deiner Arbeit erzielen? 

In erster Linie soll unsere Arbeit das Gesundheitssystem verbessern, indem wir Diagnostik zugänglich machen und die Kosten für alle, die ins Gesundheitssystem einzahlen, reduzieren. Natürlich wollen wir auch dazu beitragen, dass Menschen bei Krankheiten schneller Klarheit bekommen und wirklich wissen, woran sie erkrankt sind.

Du und dein Mitgründer Robin Bayer seid reine Wissenschaftler. Warum hast du dich damals entschieden, den MBA Start-up Development zu studieren, anstatt einen BWLer ins Team zu holen?

Ja, ich bin 100% Wissenschaftler und hatte bis dahin keinerlei Berührungspunkte mit BWL. Aber ich hatte ja dennoch den Drang zu gründen und deswegen wurde mir schnell bewusst, dass ich dafür eine Übersicht über ein Unternehmen brauche. Welche Abteilungen gibt es? Welche Aufgaben fallen an? Wir hätten zwar jemanden mit BWL-Hintergrund ins Team holen können, aber damit hätten wir auch viel Verständnis und Übersicht abgegeben. Ich habe mich dann für den MBA entschieden, nicht, um BWL-Experte zu werden, sondern um zu verstehen, wie man eine Firma strukturiert und aufbaut oder welche Personen zu welchem Zeitpunkt mit reingeholt werden müssen, die dann in ihrem Bereich Expertise und Erfahrung mitbringen. Das war der Anreiz für mich, das MBA-Studium zu machen. 

Wie war es für dich, in die „Start-up-Bubble“ einzutauchen, wo du – verglichen zur Wissenschaft – ganz neu warst und was ein Umfeld ist, das doch sehr anders tickt als das Labor?

Das Start-up-Umfeld tickt anders als das Labor, das stimmt. Ich selbst bin nicht gerade die extrovertierte Person, die direkt mit jedem connecten kann. Allerdings hat man, wenn man von der eigenen Idee überzeugt ist, ein gewisses Ziel, wenn man auf Veranstaltungen geht: man will das Start-up bekannter machen oder Finanzierungsgelder einsammeln. Und dieser Antrieb ist dann stärker als jede Zurückhaltung, Leute kennenzulernen oder auf einer Bühne zu stehen, weil man sonst tolle Chancen verpasst. In der Gründungsszene kommen Personen auf einen zu und wollen die Geschichte kennenlernen. Da entstehen echte Synergien zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Wie erklärt ihr Außenstehenden ohne Biotech-Hintergrund euer Produkt? 

Wir versuchen, es so leicht wie möglich zu halten – wenn ich ins Molekularbiologische reingehen würde, würde nur ein Bruchteil der Leute tatsächlich verstehen, was wir machen. Uns hat die Corona-Pandemie extrem geholfen, weil dadurch jeder schonmal einen Antigen-Test mal in der Hand hatte und an sich selbst Diagnostik durchgeführt hat. Und durch die Medien haben viele gelernt, wie eine PCR funktioniert und dass sie normalerweise nur im Labor stattfindet. Wir erklären es deshalb meistens so: Wir machen die PCR-Technologie so handhabbar wie einen Schnelltest, den jede:r nutzen kann. 

„Was in einer frühen Phase vor allem überzeugt, ist nicht immer unbedingt der Detailgrad vom Produkt, sondern das Team.”

Reza Esmaillie - Mit-Gründer von Detechgene

Reza Esmaillie

Wie geht ihr mit Investor:innen um, wenn diese nicht aus der Wissenschaft kommen? Wie erklärt ihr euer Produkt und wie erklärt ihr denen, warum sie ausgerechnet in euch investieren sollten? 

Auf ähnliche Art und Weise. Also wir erklären das erstmal genauso grob, wie wir das jeder Privatperson oder unseren Eltern erklären würden. Bei Investor:innen gehen wir dann aber noch tiefer in die Molekularbiologie rein. Ich hole sie dann tatsächlich mit einer Art Mini-Biostudium ab und erkläre, was Nukleinsäuren sind, was Viren und Bakterien sind, wo sie vorkommen, wie sie sich entwickeln und wie wir sie mit unserem Gerät detektieren können. Da muss man aber sehr behutsam rangehen. Und was, glaube ich, in einer sehr frühen Phase vor allem überzeugt, ist nicht immer unbedingt der Detailgrad vom Produkt, sondern das Team im Allgemeinen. 

Ihr habt in der Vergangenheit schon große Fördersummen eingeworben und Preise gewonnen. Wie fühlt sich das an, wenn aus einer Forschungsidee plötzlich ein Unternehmen mit Millionenbudget wird? 

Ich empfinde das als Antrieb und Bestätigung zugleich. Was man von außen nicht sieht, ist, wie viele Ablehnungen hinter jedem bewilligten Förderantrag stecken. Umso mehr bedeuten uns Erfolge wie Fördergelder oder Finanzierungsrunden, denn da steckt sehr viel Arbeit und Konsequenz dahinter. Und ja, wenn man zurückblickt, ist es außerordentlich beeindruckend, was wir gemeinsam aufgebaut haben. Deswegen gucke ich relativ selten zurück, nur nach vorne.

Gab es auch mal Momente, wo ihr kurz davor war, alles hinzuschmeißen? 

Ja, gerade ganz am Anfang, wo wir gründen wollten, aber noch keine finanziellen Mittel hatten. Ich habe mir bewusst sechs Monate freigehalten und diese Zeit vollständig in die Entwicklung der Geschäftsidee investiert. Da gab es durchaus einen Moment, an dem wir klar kommuniziert haben: Wenn der nächste Förderantrag nicht bewilligt wird, müssen wir ernsthaft prüfen, ob wir diese Vision zu dem Zeitpunkt weiterverfolgen können. Man muss realistisch bleiben und strategisch denken. Dieser Förderantrag wurde dann bewilligt, wir konnten Investorengeld einsammeln und von der NRW.Bank eine Finanzspritze erhalten. Das war die Bestätigung, dass unsere Arbeit und unser Konzept überzeugend waren.

Gab es in dieser eher schwierigen Zeit oder vielleicht auch danach mal einen Moment, wo ihr euch im Gründerteam wirklich fundamental uneinig wart? 

Nein, zum Glück nicht. Wir haben es jetzt vielleicht auch einfacher als andere, weil wir nur zwei Personen sind, da sind die Absprachen relativ leicht. Wir sind zwar zwei extrem unterschiedliche Charaktere, das ist aber auch ein Vorteil. Wir waren uns aber noch nie fundamental uneinig, sondern konnten Uneinigkeiten bisher immer schnell und sachlich lösen. Wir haben an der Uniklinik Köln zusammen an einem Projekt gearbeitet, was etwa drei Monate lang ging und haben dann gesagt: Lass uns doch was zusammen gründen und das hat sehr gut gepasst, das war ein absoluter Glücksgriff. 

Viele angehende Gründer:innen sind aktiv auf der Suche nach Co-Foundern, da kommt oft die Frage auf: Nimmst du wen aus dem Freundeskreis oder jemand Fremden? Was sind wichtige Dinge, die man im Vorhinein abklären sollte, bevor man eine Co-Founderschaft eingeht? 

Ich habe natürlich jetzt nur einen Erfahrungswert mit Robin, deswegen ist es schwer zu sagen, wie es mit engen Freunden wäre. Aber es ist eine sehr stressige Phase, die da auf einen zukommt und da kann es besser sein, nicht gerade mit den engsten Freunden zu gründen, weil dann keine persönlichen Befindlichkeiten im Weg stehen. Ansonsten würde ich den Tipp geben, vor allem die Aufteilung der Anteile und die Zuständigkeiten frühzeitig zu klären

Ihr seid jetzt mittlerweile ein Team von 19 Personen. Wie ist es für dich, Chef zu sein und so viele Köpfe zu verantworten?

Für mich ist es mittlerweile Alltag. Wir waren ja auch nicht von Anfang an so viele Leute, sondern sind langsam gewachsen, dadurch konnte ich in die Rolle hineinwachsen. Die Verantwortung für Mitarbeitende unterscheidet sich gar nicht so stark von der Betreuung von Studierenden – am Ende des Tages koordiniert man Projekte, nur dass diese Projekte jetzt einfach größer sind. Auch in diesem Falle versuche ich nicht so oft zurückzublicken, dass ich jetzt die Verantwortung für so viele Leute habe. Dabei hilft es auch, dass wir mittlerweile Hierarchien haben und ich versuche, mich an das Prinzip zu halten, kleine Gruppen von nicht mehr als sieben Leuten direkt zu führen, die wiederum ihre Teams koordinieren. Sieben Personen ist die Anzahl an Menschen, die man effizient anleiten kann.

Im Vergleich zur Betreuung von Studierenden im Labor führst du jetzt Mitarbeitende, die eigene Entwicklungen und Ziele verfolgen und ihr seid für echte Gehälter und damit für Familien verantwortlich. Wie fühlt es sich an, diese soziale Verantwortung zu tragen?

Ja, das ist natürlich ein Unterschied. Für eine studentische Hilfskraft ist die Stelle oft eher ein Nebenjob. Bei Detechgene haben wir mittlerweile viele Mitarbeitende mit Familien, die auf diese Jobs angewiesen sind und individuelle Ziele verfolgen, die wir auch sehr gerne fördern. Wir haben zum Beispiel gerade in unserem QM-Bereich eine Quereinsteigerin komplett ausgebildet. Mit unserem universitären Background, wo die Arbeitsverträge sehr arbeitnehmerfreundlich sind, haben wir uns über manche Themen anfangs weniger Gedanken gemacht. Natürlich gehen Mitarbeiterinnen in Mutterschutz und selbstverständlich freuen wir uns, wenn sie nach der Elternzeit wiederkommen. Als Führungskraft muss man dabei immer die Balance halten zwischen echtem Interesse an den Menschen und der strategischen Verantwortung für das Unternehmen als Ganzes. Das ist eine Reifeleistung, die man als Gründer lernt.

Wenn du heute einem Studi im Labor begegnest, der eine geniale Idee hat, würdest was würdest du ihm oder ihr raten? 

Ich würde der Person auf jeden Fall raten, es einfach zu wagen. Erst einmal sollte man die Idee genauer betrachten und Zeit investieren, aber das passiert meistens automatisch, wenn man wirklich von einer Idee begeistert ist und ständig darüber nachdenkt. Was soll passieren? Gerade als Studi hat man eigentlich nichts zu verlieren. 

Was bringen deiner Meinung nach Gründungszentren wie die Start-up-Manufaktur? Geht es nicht auch ohne?

Ich glaub, es geht nicht ohne! Gerade als Naturwissenschaftler, der vorher nie mit BWL in Kontakt gekommen ist. Die Gründungszentren zeigen, dass Gründen ein Karriereweg sein kann und bieten von Anfang an Unterstützung, Input und Netzwerk. Gründungszentren sind essenziell für Hochschulen, um Gründungen zu fördern. Nur dadurch habe ich im Grunde gegründet. 

Was ist der nächste große Meilenstein für Detechgene?

Der Markteintritt unseres ersten Produkts und die Vorbereitung unserer Series A Finanzierungsrunde. Das sind keine abstrakten Ziele mehr, sondern konkrete nächste Schritte auf dem Weg dahin, Diagnostik wirklich flächendeckend zugänglich zu machen. Jeder dieser Meilensteine bringt uns näher an den Moment, in dem unser Test im echten klinischen Alltag Leben verbessert.

 

Erläuterung MBA: 

Der MBA Start-up Development war ein berufsbegleitendes Studienangebot der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, das zwischen 2021 und 2025 angeboten wurde.

Über Detechgene

Detechgene wurde 2022 von Dr. Reza Esmaillie und Dr. Robin Bayer gegründet und entwickelt mobile Point-of-Care Schnelltests, die die Präzision einer PCR mit der einfachen Handhabung eines Antigen-Schnelltests verbinden. Dadurch sollen virale, bakterielle und pilzliche Krankheitserreger schneller, kostengünstiger und dezentral nachweisbar werden. Das Unternehmen gewann den Rheinland Award in der Kategorie Gründung, wurde beim Senkrechtstarter Award 2025 unter den Top 5 aus über 100 Bewerbern nominiert und sicherte sich eine Seed-Finanzierungsrunde über 3 Mio. Euro.

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Karoline Noth

Project lead SoNaR, @ Start-up-Manufaktur - das Gründungszentrum der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

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