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Interview mit Professorin Anna-Lena Menn, Präsidialbeauftragte für Nachhaltigkeit

Prof. Anna-Lena Menn

Monday 20 July 2026

Anna-Lena Menn ist seit 2022 Professorin für Ingenieurmathematik und Optimierung technischer Systeme am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Kommunikation. Ihre zentralen Forschungsfelder sind nachhaltige Mobilität, Model Based Systems Engineering sowie die Wirkungsgradoptimierung elektrischer Antriebsstränge. Sie leitet das Forschungsfeld „Modellbildung und Simulation“ im TREE. Als Präsidialbeauftragte für Nachhaltigkeit betreut sie das Thema gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsmanagerin Stephanie Lorek.

H-BRS: Frau Professorin Menn: Das Präsidium hat Sie zur Beauftragten für Nachhaltigkeit ernannt. Was war der Gedanke dabei? 

Anna-Lena Menn: Da die Nachhaltigkeit nicht mehr an einem Amt der VPs angedockt ist, hat sich das Präsidium zu dieser Beauftragung entschieden. Meine Aufgabe wird es sein, die Ergebnisse des Roadmap-Prozesses zum Leben zu erwecken, damit sie nicht ins Leere laufen. 

H-BRS: Was reizt Sie an der Aufgabe?

Anna-Lena Menn: Mich reizt die Aussicht, Kontakt zur gesamten Hochschule zu haben und nicht im eigenen Fachbereichskosmos eingeschlossen zu sein. Ich freue mich darauf, mit vielen unterschiedlichen Leuten zusammenzuarbeiten. Im Vordergrund steht der Kontakt mit vielen Menschen. Auf der thematischen Ebene reizt mich, dass Nachhaltigkeit vielfältig ist und so viele unterschiedliche Aspekte umfasst. Wenn wir von der bekannten Dreifaltigkeit Forschung-Lehre-Transfer ausgehen, dann muss man sich hier nicht auf eine Sache begrenzen. 

H-BRS: Was sind die wichtigsten Ziele und Maßnahmen, die die Hochschule als Erstes angehen sollte? 

Anna-Lena Menn: Ich bin daran, das zu sondieren. Der Roadmap-Prozess ist ja in den aktuellen Hochschulentwicklungsplan übergegangen, nun geht es an die Umsetzung. Einiges ist schon in der Mache, insgesamt sind wir gut aufgestellt. Es gibt viele motivierte Menschen, die etwas voranbringen wollen und ich sehe keine Bereiche, die rot markiert sind und wo man sagen muss: geht gar nicht. Als Erstes wollen wir eine SDG-Checkliste bereitstellen: Jeder, der Forschungsmittel beantragt, soll sehen können, wieviel er zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung beiträgt. Und wir wollen die Sichtbarkeit unserer Projekte stärken. Ein schönes Beispiel ist der Film, der letztens bei uns für die Nachhaltigkeitsallianz NRW zu Nachhaltigkeit in Forschung und Transfer, unter anderem über das Projekt „Garrulus“, gedreht wurde. Und ganz wichtig: das „Auftaktforum Nachhaltigkeit im HEP4“ am 3. September, bei dem wir mit den Akteuren des Roadmap-Prozesses gemeinsam den weiteren Weg gestalten wollen. (siehe Infokasten unten)

Menn_Portraet_Transferprofessur_25. Foto: Angelika Fiedler (H-BRS)
Professorin Anna-Lena Menn ist die Präsidialbeauftragte für Nachhaltigkeit. Sie sagt: „Pragmatische Lösungen sind gefragt.“ Foto: Angelika Fiedler

H-BRS: Nachhaltigkeit gehört zum Selbstverständnis der Hochschule. Was heißt das für das alltägliche Leben an der Hochschule? 

Anna-Lena Menn: Von bis: Mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen, im TREE fleischloses Catering anzubieten oder dienstliche Inlandsflüge nur auf Anfrage zu genehmigen. Es sind die offensichtlichen Dinge, die man machen kann. Es gibt aber auch die sozialen Fragestellungen, zum Beispiel, wenn Studierende keine leistungsstarken Laptops haben. Aufgabe der Hochschule ist es, die Arbeitsmaterialien zur Verfügung zu stellen, damit alle die gleichen Chancen bekommen. 

H-BRS: Manche sagen, dass echte Nachhaltigkeit auch Verzicht bedeutet: Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, auf immer mehr Konsum und immer höheren Wohlstand. Wie sehen Sie das? 

Anna-Lena Menn: Ja, natürlich. Nachhaltig zu leben, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die ein Mensch hat. Ich habe Freundinnen, die fliegen nicht mehr, was bedeutet, dass sie einen eingeschränkten Radius haben. Oder zum Beispiel ich: Ich fahre ein Verbrennerauto, weil mir das Laden eines E-Autos ohne „eigene Ladesäule“ zu kompliziert ist. Man kann natürlich sagen, dass sich immer eine Lösung finden lässt. Aber so easy peasy ist es dann doch nicht, weil man an Grenzen stößt. Oder nehmen Sie das Beispiel Handy: Ich kann mein altes Handy weiter nutzen, bekomme dann aber keine Updates mehr. Es gibt diesen Zielkonflikt, er ist mir sehr bekannt und ich durchleide ihn selbst. Die Frage ist: Wo wollen wir hin? Ich denke, pragmatische Lösungen sind gefragt. Und dabei muss jeder seine eigenen Lösungen finden. 

Auftaktforum Nachhaltigkeit zum HEP4

Am 3. September 2026 lädt die Präsidentin der H-BRS zum Auftaktforum Nachhaltigkeit auf dem Campus Sankt Augustin ein. Beginn ist um 10 Uhr. Eingeladen sind die Schlüsselakteure und Wissensträgerinnen und -träger aus dem Roadmap-Prozess Nachhaltigkeit und darüber hinaus. Mit der Veranstaltung will die Hochschule die Ziele und Inhalte des Profilfeldes Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung sichtbar machen. Darüber hinaus sollen der Einsatz und das Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewürdigt und Synergien geschaffen werden. Bei dem Forum werden die Fachbereiche und Institute vom aktuellen Stand der Umsetzung berichten. Zudem wird es in einem kreativen Prozess darum gehen, Ideen und Perspektiven für die weitere Ausgestaltung des Profilfeldes zu sammeln.

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