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"Wir befinden uns alle in einem großen Lernprozess" - Interview mit Peter Muck

Peter Muck Tag der Lehre 20260929 Foto Dominik Pieper

Monday 5 October 2026

Künstliche Intelligenz verändert die Hochschullehre mit enormer Geschwindigkeit. Beim Tag der Lehre der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Mittwoch, 25. November 2026, steht sie deshalb im Mittelpunkt. Unter dem Titel "KI-X-CHANGE – Wer lehrt hier wen?" diskutieren Lehrende und Studierende gemeinsam darüber, was KI für Lehre, Lernen und Prüfungen bedeutet. Im Kurzinterview erklärt Professor Dr. Peter Muck, Vizepräsident Studium und Lehre, warum dabei nicht Verbote und Restriktionen im Vordergrund stehen sollten.

H-BRS: Das ist der erste Tag der Lehre, der Künstliche Intelligenz als Hauptthema hat, richtig?

Peter Muck: Ja. Das Thema hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, und es lag deshalb nahe, KI diesmal in den Mittelpunkt zu stellen. Studium und Lehre verändern sich dadurch grundlegend – gerade auch mit Blick auf Prüfungen, Haus- oder Abschlussarbeiten. KI kann heute auf Knopfdruck Texte produzieren, die auf den ersten Blick wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Wir müssen uns also damit auseinandersetzen, was das für das Lernen und für unsere Lehre bedeutet.

Unser Titel „Wer lehrt hier wen?“ ist dabei durchaus provokant gemeint. Wir Menschen haben die KI mit Daten trainiert. Nun nutzen Lehrende KI in Lehrveranstaltungen zur Unterstützung des Lernprozesses. Gleichzeitig verwenden Studierende KI als „Tutor“, um sich schwierige Themen aufbereiten zu lassen. Und manchmal sind Studierende bereits näher an den neuesten Tools als ihre Lehrenden. Wer lernt hier also eigentlich von wem? Darüber wollen wir miteinander ins Gespräch kommen. Wir befinden uns alle in einem großen Lernprozess. 

H-BRS: Das Programm ist anders gestaltet als bei den letzten Tagen der Lehre. Was ist neu?

Muck: Uns war es wichtig, die Studierenden stärker einzubeziehen. Ein Tag der Lehre macht ohne ihre Beteiligung und ihr Feedback wenig Sinn. Lehre ist längst nicht mehr nur Frontalunterricht. Kompetenz entsteht durch Interaktion und Zusammenarbeit – deshalb brauchen wir die Perspektive der Studierenden. Das spiegelt sich im Programm wider. So ist erstmals ein BarCamp wichtiger Teil des Programms, dabei können die Teilnehmenden selbst Themen und Thesen einbringen.

Neu gestaltet haben wir auch die Vergabe der Lehrpreise. In diesem Jahr zeichnen wir gute Lehre in drei Kategorien aus: KI in der Lehre, Internationalisierung der Lehre sowie aktivierende und partizipative Lehrgestaltung. Die Nominierten stellen ihre Konzepte beim Tag der Lehre in kurzen Pitches vor, anschließend stimmen die Teilnehmenden vor Ort über die Preisträgerinnen und Preisträger ab.

Außerdem haben wir diesmal den Ort gewechselt: Mit dem Steyler Missionshaus haben wir bewusst eine Umgebung gewählt, die etwas Abstand vom Hochschulalltag schafft und Tagungsatmosphäre bietet. Es soll eben nicht nur darum gehen, Vorträge anzuhören, sondern miteinander ins Gespräch zu kommen.

Besonders freue ich mich, dass wir mit Dr. Peter Salden einen ausgewiesenen Experten für KI in der Hochschullehre sowohl für die Keynote als auch für einen Workshop gewinnen konnten.

H-BRS: Muss sich die Lehre neu erfinden?

Muck: "Neu erfinden" wäre mir zu groß formuliert. Aber wir müssen uns der Entwicklung stellen. KI verändert die Möglichkeiten, Wissen zu vermitteln und sich Wissen anzueignen, in einer Geschwindigkeit, wie wir sie bislang kaum erlebt haben. Wenn Studierende im späteren Berufsleben selbstverständlich mit KI arbeiten werden, müssen wir sie darauf vorbereiten, Probleme und Aufgaben mit ihrer Hilfe sinnvoll zu bearbeiten.

Das bedeutet aber gerade nicht, das Denken an die KI abzugeben. KI kann Fehler machen und halluzinieren. Umso wichtiger werden kritisches Denken und die Fähigkeit, Ergebnisse einzuordnen und zu überprüfen. Dabei müssen wir die Studierenden begleiten. Und wir brauchen klare Regeln: Was darf ich mit KI machen? Wie mache ich ihren Einsatz transparent? Wie dokumentiere ich ihn?

Ich würde KI deshalb nicht vor allem unter dem Gesichtspunkt von Restriktionen betrachten. Hochschulen haben die Aufgabe, Wissen voranzubringen und Kompetenzen zu fördern. Dazu gehört, neue Möglichkeiten aufzugreifen und sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Ansprüche an gute Lehre werden dadurch eher höher. Und für uns Lehrende bedeutet das auch: Wir müssen die Entwicklung selbst verstehen und die eigene Rolle im Lernprozess neu definieren.

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Peter M. Muck

Vice President Teaching and Learning, Department of Management Sciences (Rheinbach Campus), Business Psychology, esp. Personnel Psychology, Organizational Psychology and Differential Psychology

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