Sasi Kiran Gade, Autonomous Systems

„Als Kind träumte ich davon Astronaut, Zocker, Schauspieler, Künstler, Anwalt, Psychologe und selbstverständlich Gott selbst zu werden. Glücklicherweise, nach all dieser Verwirrung, wurde ich Ingenieur und jetzt lebe ich meinen Traum.” Sasi Kiran Gade aus Indien begann seinen Master’s in Autonomous Systems im Jahr 2006 und schloss ihn 2010 erfolgreich an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab.
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Sasi Gade mit Prof. Gerhard Kraetzschmar und weiteren MAS-Alumni im September 2015 in Sankt Augustin

Nach seinem Abschluss an der H-BRS schaffte Gade es nicht nur seinen Traum zu leben, er gründete im November 2010 seine eigene Firma in Indien. Als Gründer und Geschäftsführer von Gade Autonomous Systems Private Limited hat der 30-jährige Gade das Webportal Robolution.Me ins Leben gerufen. Das interaktive Portal basiert auf Crowdsourcing- und Mitbegründungsstrategien.

Seine Philosophie: Technologie als Unterstützung für den Menschen, um eigene Grenzen zu überschreiten und um sich selbst (wieder) zu entdecken. Dies wiederum soll die Möglichkeit bieten, dass man sich persönlich und beruflich weiter entwickelt. Eine seiner Ideen besteht aus Robotern, die mit psychologischer positiver Verstärkung arbeiten, sodass sich zwischenmenschliche Verhaltensweisen von Patienten verbessern. Gade programmierte den Roboter Abhirami so, dass er spricht, tanzt und Karteikartenspiele mit Kindern macht.

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Kinder, die mit dem Roboter Abhirami tanzen - Sasi Kiran Gade auf Besuch im St. Jude India Child Care Center in Kharghar

Visionär mit Herz

Woher nimmt Gade all seine Ideen und wie hat er es geschafft in so jungen Jahren schon so viel zu erreichen? Während seines Bachelorstudiengangs hat sich Gade laufend darüber informiert was es im Bereich Roboter Neues gibt. Die Robocup World Championships  haben ihn am meisten fasziniert. Er entdeckte Platformen wie Sony AIBO und dachte sich, wenn Roboter bereits Fussball spielen können, dann könnte der nächste Schritt sein, dass man Robotern „Köpfchen” verleiht um so alltägliche Probleme des Menschen anzugehen.

Gade fing an nach Universitäten zu recherchieren, die ihm die Möglichkeit boten zu lernen wie man solche Ideen umsetzen kann. Die USA kamen aus Kostengründen nicht in Frage. Schlussendlich entschied er sich für die H-BRS um hier den deutschlandweit ersten Master’s in Autonomous Systems zu machen. Der Masterstudiengang wird von weltweit anerkannten Robotertechnik- Experten geführt und Gade fühlte sich auch ein wenig verbunden mit Deutschland. Einer seiner Cousins promovierte hier und einige Verwandte wohnten in Deutschland. Deren Tipps welche Kleidung er sich kaufen sollte bis hin zu welche Küchenutensilien er braucht, waren am Anfang besonders wertvoll für ihn.

 

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Sasi Kiran Gade und Geovanny Giorgana im September 2015 im MAS-Labor

An der H-BRS bist du niemals alleine

Doch Gade hatte nicht nur Verwandte in Deutschland, er hatte auch Studdy Buddies, Kommilitonen in einem höheren Semester, die Neuankömmlinge unterstützen: „Alex und Srikanth haben mir mit der komplizierten deutschen Bürokratie wirklich sehr geholfen. Noch nie im meinem Leben musste ich so viel Schreibkram erledigen (...) Ich sprach kein fliessend Deutsch, ich konnte nur ein paar wenige Grundbegriffe, also haben die beiden mir wirklich sehr geholfen.” Alles in Deutschland war neu für ihn: Die Kultur, das Wetter und die Sprache, das alle musste Gade von Grund auf lernen zu verstehen. Er erinnert sich, dass das sehr viel Spass gemacht hat: „Ich habe im Handumdrehen neue Freunde gefunden, habe Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und deren Kultur kennengelernt, mit ihnen gekocht und ihnen die indische Kultur und indisches Essen näher gebracht. Es war eine sehr gute und neue Erfahrung, die mich viele neue Lebensweisheiten gelehrt hat.”

Das Studentenwohnheim hat sich auch als tolle Unterkunft erwiesen. Es gab regelmässig „Tee- und Kaffekränzchen”, Feiern oder gemeinsame Fussballabende. Es war immer etwas los.

Als jüngstes Familienmitglied, war Gade seiner Familie in Indien sehr nahe, jeder hat sich um ihn gekümmert und er war es gewohnt verwöhnt zu werden. Hier in Deutschland jedoch war er gezwungen Kochen und Putzen zu lernen - alles Dinge, die er vorher nie machen musste. Gade’s Mutter sagt oft: „Er ist damals als Junge nach Deutschland gegangen und nun als Mann zurückgekehrt.”

 

Das Studentenleben macht dich zum Stehaufmännchen

In Bezug auf das wissenschaftliche Arbeiten, war die H-BRS der Ort, an dem Gade lernte Recherchen durchzuführen und er bemerkte Unterschiede im Lernprozess. Er ist davon überzeugt, dass er seine Forschungskarriere den Professoren der H-BRS verdankt. Einer davon ist Prof. Erwin Prassler: „Er brachte mir bei was gute Forschung bedeutet.” Gade ist auch Prof. Paul Ploeger sehr dankbar, der ihm die Anwendung von mathematischen Formeln und Prozessen beibrachte. Prof. Gerhard Kraetzschmar unterstützte Gade durchweg durch das Studium: „Immer, wenn ich mich verloren fühlte oder Beratung brauchte, war er für mich da.”

Gade erinnert sich an seine allererste mündliche Prüfung, im ersten Semester, die über eine halbe Stunde dauerte. Er erhielt eine mittelmässige Note und fühlte sich entmutigt: „Nach dieser Prüfung war ich wirklich verloren. Ich wusste einfach nicht wie es nur möglich war, so viele Dinge in nur vierzig Minuten zu vergessen. Diese Prüfung hätte ich eigentlich nicht bestehen können, aber durch meine sehr gute Hausaufgabenleistung habe ich es doch geschafft. Der Professor war über meine Leistung während dieser mündlichen Prüfung gar nicht glücklich.” Gade’s nächste Prüfung hat dies wieder einigermaßen ausgeglichen: „Ich weiss nicht wie er (der Professor) das wusste, aber das erste was er getan hat, war die Situation aufzulockern indem er mir einen Witz erzählt hat. Ich habe eine 1.3 geschafft und das hat mich wirklich aufgebaut.”

Während des Studiums, bemerkte Gade, dass die deutschen Studenten für Prüfungen öfter zusammen in Gruppen lernen. Nach einiger Zeit fragte er seine Kommilitonen und er konnte zu den Lerngruppen hinzustossen, was ihm sehr für die Vorbereitung auf seine zukünftigen Prüfungen half. Seine Kommilitonen halfen ihm nicht nicht nur beim Lernen, sondern brachten ihm auch die Deutsche Kultur näher und luden ihn zu ihren Familien nach Hause ein: „Heute bin ich richtig stolz solche Freunde zu haben. Wir sind sehr eng befreundet, es fühlt sich an wie eine grosse Familie. Ich bin auch der Schuldige, der einige dieser Freunde mit deren zukünftigen Ehefrauen verkuppelt hat.”

 

Der German way of doing things ist bis nach Indien gereist

Student der H-BRS zu sein bedeutet nicht nur Freunde fürs Leben zu finden, es bedeutete für Gade auch, dass er viel über Eigenständigkeit und Selbstvertrauen lernte, die verschiedenen Ansichtsweisen von Entscheidungsprozessen verstand, sowie Deutsche Gepflogenheiten kennenlernte. Besonders Letzteres ist etwas was er in Indien täglich anwendet. Gade Autonomous System Private Limited arbeitet mit Firmen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz zusammen. Die Unternehmensideologie ist es, die deutsche Art zu Forschen vorzustellen.

Im September 2015 traf er einige seiner Professoren und Kommilitonen in Sankt Augustin und Rheinbach wieder. Gade ist sehr dankbar für die ständige Unterstützung die er als Absolvent immernoch erhält und betont, wie sehr er seine Zeit in Deutschland vermisst.

 

Text: Marion Ender, Studentische Aushilfe im Bereich Alumnimanagement und Studentin des Masterstudiengangs International Media Studies - Eine Kollaboration zwischen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, der Universität Bonn und der Deutschen Welle Akademie.

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MAS-Alumni mit Prof. Paul Plöger und Mitarbeiter/innen des Studiengangs beim Alumni-Treffen im September 2015