Alexandra Walkenhorst, Technikjournalismus/PR

„Hallo, hier bin ich. Ich möchte für Sie schreiben.“ Technikjournalistin Alexandra Walkenhorst hat so angefangen. Und festgestellt: Das funktioniert!

20 Uhr. Eigentlich war vereinbart, dass sie jetzt anruft. Kaum schaut man auf die Uhr, klingelt auch schon das Telefon: Eine freundliche, ruhige Stimme erklingt am anderen Ende der Leitung: „Hier ist Alexandra Walkenhorst, die Kinder sind im Bett, jetzt habe ich Zeit.“ Fast eine Stunde wird sie nun Rede und Antwort stehen. So kennt man Walkenhorst auch an der Hochschule, nicht nur als Studentin, sondern inzwischen auch als Dozentin – Walkenhorst gibt Seminare im Fach Technikjournalismus. „Sie ist eine hilfsbereite, zugängliche Dozentin, die einem wirklich alles bis ins kleinste Detail erklärt“, sagt Gizem Dincer, Studentin an der Hochschule. Nicht umsonst wurde Walkenhorst nach ihrem Studium gefragt, ob sie nicht Interesse hätte, ab und zu auch Lehraufträge anzunehmen.

Portraitfoto von Alumna Alexandra Walkenhorst

2006 hat die heute 37-Jährige ihr Diplom als Technikjournalistin abgeschlossen. Damals war vieles anders: Walkenhorst musste einen Eignungstest bestehen, um zu dem Studiengang zugelassen zu werden. Heute ist er nicht mehr zugangsbeschränkt und in Bachelor und Master aufgeteilt.

Dass sie allerdings Journalistin werden würde, war schon lange ihr Plan. Nach dem Abitur hatte sie es erst mit einem Biologiestudium in Düsseldorf versucht. Vielleicht mal für die Zeitschrift Geo zu arbeiten, hatte sie im Hinterkopf. „Das Fach hatte mich in der Schulzeit sehr interessiert, mir war aber nicht klar, wie viel Aufwand die Chemie im Biologiestudium bedeutet“, erklärt sie lachend. Und so entschied sie sich, das Studium an den Nagel zu hängen und mit ihrem damaligen Freund nach Bonn zu ziehen. Kurzzeitig versuchte sie es mit Informatik, Biologie und Germanistik, aber auch da merkte sie schon bald, dass es nicht das Richtige für sie war.

Sie besann sich auf eine andere Leidenschaft, die sie schon zur Schulzeit pflegte und seither begleitete: Sie hatte für die Schülerzeitung ihres Gymnasiums geschrieben und sogar für die „Rheinische Post“ in Dinslaken, ihrer Heimatstadt. Die freie Mitarbeit hatte sie nicht zuletzt durch ihre selbstbewusste, direkte Art bekommen: „Hallo, hier bin ich. Ich möchte gerne für sie schreiben“, sagte sie den Redakteuren, als sie damals bei der Lokalredaktion zur Tür hereinspazierte.

Die Idee, Wissenschaft und Journalismus miteinander zu kombinieren, war ihr schon damals, 2002, nicht fremd. Als sie nach den zwei abgebrochenen Studiengängen auf den Studiengang Technikjournalismus aufmerksam wurde, ahnte sie, dass dies eine ideale Lösung sein könnte: „Es war tatsächlich ein bisschen wie nach Hause kommen“, erinnert sie sich. „In dem Moment wurde mir klar, dass ich eigentlich schon immer irgendwie beides haben wollte: Wissenschaft und Journalismus. Plötzlich passte alles – wie ein Puzzle, das sich zusammenfügt.“

Walkenhorst sollte ihre Entscheidung nicht bereuen. Im Gegenteil: Voller Freude denkt sie zurück an die Zeit an der H-BRS. Zum Beispiel, wie sie im Rahmen einer Projektwoche in einer Gruppe aus vier oder fünf Studierenden ein kleines Magazin produziert hat. „Wir haben alles selbst konzipiert, geschrieben und gelayoutet. Wir waren furchtbar stolz, als wir es fertig in der Hand hielten.“ Offenbar so stolz, dass sie das Magazin noch heute als eines der wenigen Dinge aus der Studienzeit zu Hause aufbewahrt.

Während und nach dem Studium arbeitete Walkenhorst als freie Journalistin, unter anderem für den WDR, den Bonner General-Anzeiger und die Zentralkommunikation der Deutschen Post, für die sie Logistikspecials produzierte. Dann wurde 2010 ihr heute sechsjähriger Sohn geboren und sie nahm sich eine Auszeit. Nach eineinhalb Jahren kam sie dann durch glückliche Fügung an ihren heutigen Job: „Über meine Arbeit als Freie bei der Deutschen Post kannte ich den heutigen Standortleiter der Agentur, für die ich jetzt arbeite. So bekam ich mit, dass dort neue Leute gebraucht werden. Ich bewarb mich und wurde direkt als Festangestellte übernommen.“ So macht sie nun in der Bonner Agentur „text2net“ Projektmanagement und leitet ein kleines Team. Vor allem geht es um Content Management: Die Agentur wird von großen Unternehmen beauftragt, deren Website zu pflegen.

Drei Wochen im Jahr arbeitet Walkenhorst zudem als Dozentin an der H-BRS. „Ich habe mir bei der Agentur damals extra in den Arbeitsvertrag schreiben lassen, dass ich nebenher frei in der Lehre arbeiten darf“, erklärt sie. „Es ist immer mein kleines Highlight im Jahr, wenn ich drei Wochen an die Hochschule zurückkomme.“ Jedes Semester findet eine Projektwoche an der Hochschule statt, die auf drei Wochen im Semester verteilt wird. Walkenhorst leitet jeweils eine Gruppe aus dem 1. Semester für angehende Technikjournalisten.

In ihren Kursen versucht sie, eine ähnliche familiäre Atmosphäre zu schaffen, wie sie es damals selbst erlebt hat: „Ich war anfangs ziemlich überrascht, als ich von einem Professor mit Namen angesprochen wurde. An der Uni Bonn, wo ich zuvor studiert hatte, war das eher unüblich.“

Zu ihrem Sohn ist vor eineinhalb Jahren noch eine Tochter gekommen. Neben Job und Lehrauftrag kümmert sich Walkenhorst also auch noch um zwei Kinder. Und einen Hund. Wie sie das alles schafft? „Ich habe einen tollen Partner. Den muss ich an dieser Stelle mal loben. Wir teilen uns hier im Haushalt alles. Und jeder sorgt dafür, dass der andere auch seinen Freiraum behält.“

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Text: Esra Özdemir

Esra Özdemir studiert an unserer Hochschule Technikjournalismus. Sie verfasste dieses Porträt im Rahmen eines Wahlkurses (Porträtschreiben am Beispiel von H-BRS-Alumni) im Wintersemenster 2015/2016.