Alexander Barth, Computer Science

Den Bachelor und Master in Computer Science an der H-BRS, anschließend Promotion und Forschung im Silicon Valley. Heute entwickelt Visual-Computing-Spezialist Alexander Barth in einem internationalen Unternehmen Technologie von morgen.
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Die Zigarre in der Hand des Autofahrers ist nicht ohne für Alexander Barth. Auch dicke Lederhandschuhe oder große Schmuckstücke an der Hand bedeuten (noch) eine Herausforderung für den promovierten Informatiker. Denn Leder, Rauch, Metall – sie alle machen es der 3D-Kamera schwer, die in die obere Abdeckung des Autoinnern eingelassen ist und dort kaum auffällt. Diese Kamera ist zurzeit eines der wichtigsten Projekte des promovierten Informatikers und Alumnus der H-BRS. Sie soll die Handgesten des Fahrers eindeutig erkennen und umsetzen in Befehle wie „Radio lauter stellen“ oder „Anruf annehmen“. Natürlich absolut zuverlässig, bei Tag, bei Nacht und in der Dämmerung, bei arktischen Temperaturen so gut wie in der Wüste zur Mittagszeit. Und eben auch, wenn auf dem Ringfinger überdimensionierter Statement-Schmuck thront.

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Vortrag im IVC am 15. November 2016

Grundlagen in Sankt Augustin, Forschung in den USA

Alexander Barth ist Spezialist für die Mensch-Maschine-Interaktion mittels Handgesten. Seine Visitenkarte weist ihn als Technical Manager Vision Engineering bei der Deutschlandzentrale von DELPHI in Wuppertal aus, einem großen Zulieferer und Entwicklungspartner der Automobilindustrie, der zurzeit auch die Entwicklung sogenannter Infotainment-Systeme vorantreibt.

Sein IT-Handwerkszeug hat Barth im Informatik-Studium an der H-BRS gelernt. Für das Studium „Computer Science“ hatte er sich einst mit wegen des angebotenen Schwerpunkts Medieninformatik entschieden. „Ich dachte, da kann ich später etwas mit Videos und Filmen machen: Schneiden, Bearbeiten fürs Internet oder Webseiten bauen. Doch irgendwann hat mich das Thema Bildverarbeitung gepackt“. Das Thema Visual Computing hat an der H-BRS schon lange einen hohen Stellenwert und steht mit der Gründung des Institute for Visual Computing (IVC) 2011 auf der Forschungsagenda ganz oben. Barths akademischer Lehrer Prof. Dr. Rainer Herpers beschäftigte den angehenden Informatiker  als studentischen Mitarbeiter und brachte ihm bei mehreren Aufenthalten an der kanadischen Partnerhochschule York University in Toronto auch die internationale Dimension von Forschung und Entwicklung nahe.

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Auch der Doppelpunkt berichtete 2006 über die Masterarbeit

In seiner Masterarbeit meisterte Barth 2006 die erste richtig große Herausforderung: Für die DSG Canusa aus Meckenheim, einen hidden champion der Region, der für die Automobilindustrie milliardenfach sogenannte Schrumpfschläuche produziert, entwickelte und implementierte er ein neues Bildanalyseverfahren: Seine Maschine erkennt in der Produktion Abweichungen der Schlauchstücke und sortiert zu kurze oder zu lange Stücke aus. Zuvor wurden die Spezialschläuche von Hand und nur stichprobenartig vermessen.

Die Abschlussarbeit wurde vom Fachbereichstag Informatik der Fachhochschulen in Deutschland als beste Abschlussarbeit 2006 im Gebiet Technische Informatik ausgezeichnet. Nach Ansicht seines Betreuers, Prof. Dr. Rainer Herpers, der mit Barth die Maschine auch auf der Industriemesse Hannover zeigte, war es „das beste Exponat, das wir jemals ausgestellt haben“.

Rund acht Jahre forschte und entwickelte Barth später für den Daimler-Konzern Bildverarbeitungsalgorithmen für Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren, zunächst während seiner Promotion in Deutschland, später in den USA in Silicon Valley.

Der Wechsel zu Delphi brachte 2014 die Rückkehr nach Deutschland mit sich. Ein glücklicher Umstand für die H-BRS, da der erfahrene Entwickler und Projektmanager nun seinerseits Masterstudenten unter seine Fittiche nimmt oder sein Knowhow in Vorträgen am IVC teilt wie im November 2016.

Wir fragten unseren Alumnus, was ihm an seiner Arbeit besonders gut gefällt. 
Die Antwort: dass er mit spannenden neuen Technologien in Berührung kommt und auf ihre Entwicklung Einfluss nimmt. Zudem sind das internationale Umfeld seiner Arbeit und der Kontakt zu Kunden und Dienstleistern fast in der ganzen Welt für ihn große Pluspunkte. Diese Vorteile überwiegen für Barth auch die harten Anforderungen seines Berufs: „Man muss mit recht hohem Druck umgehen können, denn der herrscht auf jeden Fall: Verschiedene Projekte gleichzeitig, hohe Qualitäts-Erwartungen der Kunden, dazu ein ambitionierter Zeitplan. Das erfordert sehr gutes Organisieren, um die Qualität und die Zeitpläne unter einen Hut zu bringen. Aber auch wenn das Umfeld alles andere als entspannt ist - mir macht das viel Spaß."

Doch hört es sich schon sehr herausfordernd an, Projekte zum Erfolg zu führen mit wechselnden Teams, deren Mitglieder über mehrere Kontinente verstreut und kulturell bunt gemischt sind und die auch fachlich oder vom Alter her sehr divers sind.

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Informatik-Experten vor der Displaywand HORNET im IVC: Neben Alexander Barth und Prof. Herpers: Prof. Kraetzschmar und Barths ehemaliger Studienkollege Dr. Markus Enzweiler, der ebenfalls im Bereich "Visual Computing" forscht.
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Auf viele Interesse stieß Alexander Barths Vortrag am IVC auch beim wissenschaftlichen Nachwuchs.

Und natürlich wollten wir von Barth auch hören, welche Erfahrungen und welches Wissen aus dem Studium für ihn besonders wichtig waren – und was er heutigen Studierenden rät. „Zum einen habe ich an der H-BRS eine sehr gute Grundlagenausbildung und damit alles an Handwerkszeug mitbekommen, was ich brauche. Besonders wichtig finde ich auch, dass man sich in der Informatik auch mal selbst 'die Hände schmutzig macht', also für die Aufgaben nicht nur hochelegante Lösungen aus dem Netz runterlädt, sondern kapiert, dass es darum geht, mit eigenen Mitteln eigene Lösungen zu finden.“ Sehr sinnvoll sei es auch, verschiedene Programmiersprachen kennenzulernen, sich also nicht auf die Standards von C++ und Java zu beschränken. Und zum Job gehöre, sich auch mit der Hardware und ihren Konfigurationen auseinanderzusetzen - auch wenn man nicht alle Details versteht. Wer Elektronik-Komponenten entwickelt, sollte also auch mal selbst mit Elektronik hantiert haben.

Über Summer Schools und Schrumpfschlauchvermessung zum international agierenden Technologie-Experten – wir sind gespannt, wie es weitergeht mit unserem Alumnus.

Text: Barbara Wieners-Horst

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ACHTUNG, MASTER-STUDIERENDE: Alexander Barth hat an der H-BRS bereits Master-Abschlussarbeiten begleitet. Wer selbst daran interessiert ist, eine Masterthesis zu seinem Thema zu schreiben, kann gerne über Prof. Herpers Kontakt aufnehmen.