Nicht mein Müll? Aber meine Umwelt!

Mittwoch, 17. März 2021
18 Masterstudierende des Fachbereichs Angewandte Naturwissenschaften sammelten im März in ihrer Nachbarschaft sowie an nahegelegenen Feldwegen, in Parks und Erholungsgebieten freiwillig Müll. 33 Tüten mit insgesamt über 50 Kilogramm kamen dabei in nur wenigen Stunden zusammen. Ausgangspunkt für die Aktion im Wintersemester das Wahlpflichtfach „Recycling von Kunststoff und maritime Müllproblematik“ für Drittsemester der Master-Studiengänge Materialwissenschaften und Analytische Chemie.
Videozusammenschnitt zur Müllsammelaktion
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Die Ausbeute einer Stunde von zwei Personen. Foto: Kathrin Müller

Die Studierenden setzten sich intensiv mit dem Thema Kunststoffmüll auseinander. Von der Thematik betroffen, aber auch inspiriert und von vielen sogenannten Clean-up-Initiativen motiviert, ergriffen sie selbst die Initiative und machten eine Bestandsaufnahme, wieviel Plastikmüll in ihrer Umgebung zu finden ist. Das Ergebnis ist beachtenswert!

Viele berichteten, dass zwei Müllbeutel für einen Weg von wenigen Kilometern nicht ausreichten und waren von dem Ergebnis durchaus geschockt. Gleichzeitig waren sie auch froh, aktiv etwas gegen die Plastikvermüllung der Umwelt unternommen zu haben. Zudem stießen viele auf positives Feedback bei Passanten. Dass sich der Trend durchsetzt, den Müll anderer Leute wegzuräumen, wäre wünschenswert. Ihn achtlos wegzuwerfen, sollte dagegen gesellschaftlich wesentlich stärker geächtet werden.

Bei der Aktion kamen insgesamt 33 volle Mülltüten à 20 bis 30 Liter mit einem Gesamtgewicht von etwa 50 kg zusammen. Häufig wurden Lebensmittelverpackungen gefunden vor allem von Süßigkeiten, To-go-Bechern und Getränkeflaschen sowie Zigarettenschachteln und -stummel und der neueste Schrei: Kunststoffmasken.

Was kaum einer weiß

Verpackungskunststoffe wie Becher, Flaschen, Tüten und Bonbonpapiere sowie achtlos weggeworfene Zigarettenstummel haben großen Anteil an der Vermüllung unserer Umwelt. Gerade der leichte Plastikmüll an den Ufern von Gewässern wird bei Hochwasser in Richtung Meer gespült. Dabei verrottet dieser Müll nicht, sondern zerfällt über Jahre oder Jahrzehnte in sogenanntes Mikroplastik. Das sind Partikel, die kleiner als 5 Millimeter oder häufig mit dem bloßen Auge gar nicht mehr sichtbar sind. (Bericht des Bundesumweltamtes

Es gibt zahlreiche Ideen, wie größere Plastikteile aus dem Meer entfernt werden können – was aber derzeit kein Land der Erde ernsthaft finanzieren möchte. Sind sie jedoch zu Mikroplastik zerfallen, sind diese allgegenwärtigen Partikel in Gewässern, in den Böden und sogar in der Luft mit keinen denkbaren technischen Mitteln mehr aus der Umwelt zu entfernen.

Umfangreiche wissenschaftliche Studien (u.a. des Alfred-Wegener-Instituts) zu dem Thema zeigen außerdem, dass Plastikmüll zu einem gravierenden Problem in der tierischen Nahrungskette geworden ist: Er ist nicht verdaubar und kann schädliche Substanzen freisetzen. Zudem können sich Giftstoffe an Mikroplastikpartikeln in Gewässern aufkonzentrieren. Neueste Studien liefern Hinweise darauf, dass Mikroplastik im Laufe der Zeit zu noch kleineren Partikeln, dem Nanoplastik, zerfällt, die dann von Körperzellen aufgenommen werden können, wo sie dann mit hoher Wahrscheinlichkeit Entzündungsreaktionen hervorrufen. 

Jährlich werden derzeit weltweit über 360 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Dies entspricht etwa 15 Millionen vollbeladenen 40-Tonner-LKW, die aneinandergereiht einen Stau fünfmal um die Erde verursachen könnten. Etwa ein Drittel davon, also 130 Millionen Tonnen werden jährlich zu Verpackungen und anderen sehr kurzlebigen Produkten verarbeitet, die oft nach wenigen Wochen auf dem Müll landen. Das heißt, diese Menge an Müll wird jedes Jahr aufs Neue produziert. Nur ein Bruchteil davon wird tatsächlich recycelt. Der viel größere Anteil wird entweder verbrannt oder deponiert. Zu guter Letzt schätzt die UN, dass jedes Jahr zwischen vier bis acht Millionen Tonnen alleine in den Weltmeeren landen. Da der Kunststoffmüll in der Umwelt kaum verrottet, steht zu befürchten, dass sich dieses Problem mit jedem Jahr verschärfen wird. (Mehr hierzu im Plastikatlas 2019 der Heinrich-Böll-Stiftung)

Bildergalerie: Dokumentation der Aktion durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer