Der Screencast: Ein Allrounder

Ein Screencast ist ein Videomedium, das Wissen mit Bild und Ton vermittelt. Präsentationen oder Lehrmaterial können per Aufnahmeprogramm gefilmt und kommentiert werden. So entsteht informatives Videomaterial, mit dem Studierende ihr Wissen eigenständig vertiefen können. Professor Leitterstorf aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften hat ein Lehrvideoprojekt gestartet, um seine Studierenden bestmöglich durch das Onlinesemester zu führen. Im Gespräch mit dem E-Learning-Team teilt er seine Erfahrungen und Tipps beim Erstellen und Konzipieren von Screencasts.

Was ist das richtige Setup?

Prof. Dr. Leitterstorf: Im Grunde braucht man nur einen Laptop und die Software Camtasia. Bei einem Screencast, in dem der Lehrende zusätzlich gefilmt wird, haben die Studierenden neben Lehrmaterial mehr Anknüpfungspunkte, da das gesprochene Wort besser aufgenommen und das Video lebendiger wird. Dann ist ein Stehtisch von Vorteil, um die Kamera frontal und auf Augenhöhe auszurichten.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Bild: Colourbox

Worauf kommt es bei der Umsetzung an?

Prof. Dr. Leitterstorf: Als Bildmaterial wurde PowerPoint genutzt. Statt des üblichen 3:4 Format wurde für den Screencast das Format 16:9 verwendet, welches als Videoformat mehr Platz bietet. So konnte mit einer Trennlinie an der rechten Seite die Gesichtsaufnahme gut in die Folien integriert werden, was sich als bewährtes Konzept herausstellen sollte. Für jedes Video wurde diszipliniert dieser Folienmaster genutzt, damit auf den ersten Blick die Zusammengehörigkeit der Videos deutlich wird. Die Überschriften sollten einzeilig, maximal zweizeilig sein und die Kernaussage der entsprechenden Folie beinhalten.

Startfolie einer Power Point Präsentation
Startfolie einer Power Point Präsentation

Es ist wichtig, die Folien noch konsequenter als bei einer Präsenzveranstaltung auf das Wesentliche zu reduzieren. Sie können beispielsweise aus zwei Bildern mit jeweils zwei oder drei Textfeldern, Animationen und zwei Minuten Sprache bestehen. Anders als in einer Präsentation für eine Präsenzveranstaltung sind Animationen im Screencast essenziell wichtig.

Jeder Screencast sollte zudem eine zentrale "Superfolie" beinhalten, die auch auf der
Titelseite oder dem Thumbnail genutzt wird und eine optische Verbindung zum Inhalt herstellt. Zudem sind die Videos thematisch mit einem roten Faden durchzogen - alle Themen wurden anhand einer fiktiven Figur, dem mittelalterlichen Kaufmann, beispielhaft erläutert.

Was waren Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Prof. Dr. Leitterstorf: Kein Screencast muss beim ersten Mal perfekt werden. Es gilt nach dem Motto „Learning by Doing“ einfach einmal zu starten, die ersten Videos zu erstellen, Feedbacks, Rückmeldungen und Erfahrungen zu sammeln. Zudem war meine studentische Hilfskraft eine große Hilfe beim Sichten von copyrightfreien Bildern und beim Schneiden der Videos mit Camtasia. Großes Lob gilt auch dem E-Learning-Team, das im Onlinesemester Unglaubliches geleistet hat.

Das E-Learning-Team der Hochschule bietet jedes Jahr ein Zertifikatsprogramm für studentische Hilfskräfte an, die zur Unterstützung der Dozenten im Bereich der Digitalen Lehre geschult werden. Damit jeder Dozent die für sich passende digitale Lehrmethode finden kann, stellt das E-Learning-Team Beratung und ein LEA-Forum für den internen Austausch zwischen Dozenten zur Verfügung.

Screencast Beispiel
Einführungsvideo mit Überblick über die Themen

Wie wurden die Screencasts in das Lehrkonzept eingebunden?

Prof. Dr. Leitterstorf: Die Videos sind wie ein eigenständiges Lehrbuch. Das Einführungsvideo gibt einen Überblick über die Themen, man wird zuerst bei den Grundlagen abgeholt und langsam durch den Stoff geführt. Eine angepasste Nutzung ist aber auch möglich, denn nicht jedes Video war in jeder Vorlesungsreihe thematisch relevant.

In zwei Masterkursen beispielsweise begann das Skript mit einer Übersicht, in der markiert wurde, welche Videos für den jeweiligen Kurs bedeutsam waren. In jedem Kapitel des Skripts wurde zudem eingangs auf den passenden Screencast verwiesen und die gleichen Folien genutzt. Die Videos haben trotzdem einen Grundlagencharakter und nie den Anspruch gehabt, eine Vorlesung zu ersetzen, es wurde lediglich auf das Video zur nächsten Sitzung verwiesen.

Studentin lernt am Laptop
Bild: Colourbox

Was sind Vorteile für Lehrende und Studierende?

Prof. Dr. Leitterstorf: Ziel war es ein flexibles, digitales und zusätzliches Angebot zu schaffen. Das bedeutet: Die Videos können zur Vorbereitung und Nachbereitung der Vorlesung, bei Verhinderung oder im Krankheitsfall, zu jeder Zeit und an jedem Ort genutzt werden. Wenn etwas nicht verstanden wurde, kann zurückgespult und wiederholt werden. Screencasts stellen auch eine zusätzliche Möglichkeit für die Studierenden dar, sich mit dem Stoff zu beschäftigen. Als Dozent hat man den Vorteil, durch die Lehrvideos Grundlagen kompakter vermitteln zu können und das, was für die Studierenden so wichtig ist, sich nämlich vertieft mit dem Stoff zu beschäftigen, in der Vorlesung umfangreicher zu ermöglichen. Hier liegt der Vorteil der Lernvideos und der Grund, warum das Konzept auch nach Corona weitergeführt wird.

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Wie war das Feedback der Studierenden?


Prof. Dr. Leitterstorf: Das Feedback der Studierenden fiel sehr positiv aus. Viele Studierenden haben die Videos zur Vor- oder Nachbereitung genutzt und beinahe alle greifen für die Klausurvorbereitung auf sie zurück. Die Studierenden haben zudem bestätigt, dass sie noch mehr aus der Vorlesung mitnehmen konnten, wenn sie die Videos zur Vorbereitung genutzt haben.

E-Learning-Team: Vielen Dank für das Interview, Herr Professor Leitterstorf. 

Im Interview:

Prof. Dr. Max Leitterstorf

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Campus Sankt Augustin
Professor für Betriebswirtschaftslehre
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
E-Mail: 
max.leitterstorf [at] h-brs.de