Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Kommunikation
Klassismus im Journalismus: Wie soziale Herkunft journalistische Karrierewege prägt
Grundlage der Studie ist eine bundesweite Befragung von 250 Nachwuchsjournalist:innen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Zugang zum Journalismus sozial selektiv ist: Nachwuchsjournalist:innen aus akademischen Elternhäusern sind deutlich überrepräsentiert und verfügen häufiger über wichtige Ressourcen wie Praktika, journalistische Netzwerke oder finanzielle Unterstützung durch die Familie.
Darüber hinaus verdeutlicht die Untersuchung, dass die soziale Herkunft auch das journalistische Rollenverständnis beeinflusst. Während Befragte aus akademischen Elternhäusern die kritisch-kontrollierende Funktion des Journalismus stärker betonen, legen Teilnehmende aus nicht-akademischen Herkunftsgruppen größeren Wert auf dessen gesellschaftlich integrative und repräsentative Rolle.
Methodisch beschreitet die Studie neue Wege in der Journalismusforschung: Erstmals werden objektive Bildungsmerkmale der Eltern mit der subjektiven Wahrnehmung der eigenen sozialen Herkunft kombiniert. Dadurch wird sichtbar, dass sich soziale Ungleichheit nicht nur in Bildungsabschlüssen und verfügbaren Ressourcen widerspiegelt, sondern auch in der individuellen Wahrnehmung der eigenen Herkunft. Die Ergebnisse liefern damit wichtige Impulse für die Debatte um Chancengerechtigkeit, Diversität und gesellschaftliche Repräsentation im Journalismus.
Das Buch richtet sich an Forschende und Studierende der Journalismus- und Kommunikationswissenschaft sowie an Medienschaffende und alle, die sich mit Fragen der sozialen Diversität im Journalismus beschäftigen. Es zeigt, wie eng die Frage, wer journalistisch arbeitet, mit der Vielfalt gesellschaftlicher Perspektiven in der öffentlichen Berichterstattung verbunden ist und liefert eine fundierte empirische Grundlage für die aktuelle Diskussion über Klassismus und Chancengerechtigkeit in den Medien.
"Klassismus im Journalismus. Wie soziale Herkunft journalistische Karrierewege prägt" ist im Herbert von Halem Verlag erschienen. Die Open-Access-Studie wurde am 16. Juli 2026 veröffentlicht und ist unter dem DOI 10.1453/OA_2026_9783869627601 verfügbar.
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Tanja Köhler
Professorin für Digitalen Journalismus und audiovisuelle Medien, Co-Direktorin Institut für Medienentwicklung und -analyse (IMEA), Leiterin des Masterstudiengangs Digitale Kommunikation und Medieninnovation
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