Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Kommunikation

Potenziale von Architektur-Podcasts

Thekengespräch: Was kann man mit einem Podcast erreichen?

Freitag, 1. Dezember 2023

Das Institut für Medienentwicklung und -analyse (IMEA) und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen haben am 25. Oktober 2023 erfolgreich ihre vierte gemeinsame "Fach- und Forschungskonferenz Architektur und Medien" veranstaltet. Die Konferenz gab Einblicke in die Welt der Architekturkommunikation und legte den Schwerpunkt auf das Thema Architektur-Podcasts. Mit mehr als 60.0000 deutschsprachigen Podcasts produziert Deutschland hinter den USA, Brasilien und Indonesien die meisten Podcasts; davon befassen sich mehr als 150 mit Architektur und Stadtplanung.

„Kann man Architektur hören?“ Diese Frage begleitete Architektinnen und Architekten sowie Journalistinnen und Journalisten auf der Fachkonferenz Architektur und Medien im Haus der Geschichte in Düsseldorf. Im Mittelpunkt der Impulsvorträge standen unter anderem die Rahmenbedingungen erfolgreicher Architektur-Podcasts und welche Rolle der Journalismus dabei spielt.

Vielfältige Einblicke: Von Stadtplanung zu Podcast-Kunst

In den verschiedenen Panels der Fachkonferenz widmeten sich die Referentinnen und Referenten Themen wie Bau- und Architekturgeschichte sowie der Stadtplanung und Stadtentwicklung. Zudem wurden Kriterien eines Architektur-Podcast und geeignete Marketingmaßnamen diskutiert. Wichtige Kriterien sind die Gastauswahl, die der Hörerschaft einen Mehrwert bietet, Diversität in Bezug auf Architektur-Themen, die Produktionsqualität der Beiträge sowie eine konstante Erscheinungsfrequenz, um die Bindung zu den Hörern und Hörerinnen zu stärken. Eines der hervorgehobenen Kriterien ist in diesem Zusammenhang die auditive Vermittlung von Fachinformationen im journalistischen Stil.

Markus Langenbach, verantwortlich für die Konzeption und Moderation des Podcasts "Talk4Builders", verwies auf die Bedeutung eines professionellen Studios. Dabei könne bereits mit einfachen technischen Mitteln ein qualitativ anspruchsvolles Ergebnis erzielt werden. Als Programmleiter Bau und Ausbau beim Medienverlag Rudolf Müller betonte er außerdem, dass journalistische Vorkenntnisse von Vorteil seien.

Glaubwürdigkeit von Podcasts – Die Balance von Marketing und Journalismus

Marietta Schwarz, freie Hörfunkjournalistin beim Deutschlandfunk, pointierte die Anschlussfähigkeit und das Innovationspotential von Podcast-Formaten. Sie hob die Bedeutung eines professionellen Klangs, überzeugender Stimmen und engagierter Macher hervor. Die Journalistin produziert den Podcast „Stadtradar“ und wies darauf hin, dass Podcasts weitaus mehr sein können als Gespräche zwischen zwei Personen. In Anlehnung an diverse Radio-Formate könnten auch Features oder Reportagen als Podcast umgesetzt werden. Laut Schwarz müssen Medienschaffende abwägen, wie viel Marketing und wie viel Journalismus in den Beiträgen steckt. Auch für die Auftraggeber sei es nicht irrelevant diesen Punkt eingehender zu betrachten. „Steht das Marketing zu stark im Vordergrund, macht man sich schnell unglaubwürdig“, so Marietta Schwarz. “Ich plädiere daher für mehr Mut, Lust, Humor, Witz und Wiederborstiges; das alles ist möglich.“ Der Fokus sollte demnach nicht auf dem Marketing liegen, sondern auf auditiv vermittelten Inhalten.

Helene Pawlitzki, Projektleiterin „Audio und Podcasts“ der Rheinischen Post, stellte einige Thesen zum Podcast-Marketing vor, darunter die Notwendigkeit von Zeit, Geduld und Zielen, um die gewünschte Reichweite zu erreichen. „Die Hörer-Community ist eine Geheimwaffe“, so Helene Pawlitzki. So sei die Steigerung der Reichweite über Mundpropaganda nicht zu unterschätzen.

Potenziale von Architektur-Podcasts zu Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung

Im Gespräch mit Sebastian Schlecht, verantwortlich für den Podcast „Grüne Städte und Regionen“ von Baukultur NRW, und Dr. Frank Heinlein, Director Business Communication bei der Werner Sobek AG, wurde das Potenzial von Podcasts insbesondere für Schwerpunktthemen wie Nachhaltigkeit und grüne Städte beleuchtet. Die Frage, wie Podcasts dazu beitragen können, bestimmte Themen zu platzieren stand dabei im Fokus. Sebastian Schlecht bietet in seinem Podcast Bürgerinnen und Bürgern, Politikerinnen und Politikern sowie Journalistinnen und Journalisten eine Plattform für die baukulturelle Debatte zu Aspekten der Stadtentwicklung. Schlecht ermutigte die Teilnehmenden einen Podcast-Idee zu produzieren. Heinlein merkte zudem positiv an, dass Podcasts es ermöglichen, bestimmte Themen auf einzigartige Weise zu teilen.

Kreative Freiheit und journalistische Arbeit beim Podcasten

„Podcasten lohnt sich immer, wenn man gute Themen hat, die sich auditiv vermitteln lassen“, konstatierte auch Architekturjournalistin Kerstin Kuhnekath. Sie berichtete von ihren Erfahrungen als Architektin und Journalistin, und welche Investitionen auf journalistischer Ebene erfolgen müssen. Storytelling, die Auswahl der Frames oder Themen - Podcasten ist verbunden mit der journalistischen Kreativarbeit. Eine gezielte Gastauswahl könne entscheidend für den Redefluss und qualitative Gespräche sein. Zudem sei die Verfügbarkeit ein großer Vorteil, da Podcasts jederzeit online abgerufen werden können. Nach Kuhnekath sind Podcasts das Format unter den Medien, mit den wenigsten Restriktionen. „Es ist eine eigene Bühne, die man bespielen kann, wie, wann und mit wem man will - diese Freiheit wird oft vergessen“, so die Architekturjournalistin.

Die diesjährige Fachkonferenz zeigte Chancen im Bereich der Architekturkommunikation auf. Die Gespräche und Diskussionen trugen dazu bei, ein besseres Verständnis für die Rolle von Podcasts und der Medienschaffenden zu gewinnen, sowie neue Impulse für die auditive Vermittlung von Architekturthemen zu setzen.

Fachkonferenz Architektur und Medien: Kann man Architektur hören?

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Patrycja Muc, M.Sc.

Doktorandin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Projekt InterFACES

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