Astronautenstudie im Tauchanzug

Montag, 16. Juli 2018
Professor Dr. Rainer Herpers und Dr. Nils-Alexander Bury auf Tauchstation: Herpers unterstützte den Wissenschaftler der kanadischen York University bei der Durchführung von Tests für seine Unterwasser-Studie. Die Tests stehen im Zusammenhang mit der ISS Studie VECTION von Prof. Dr. Laurence Harris und Prof. Dr. Michael Jenkin (York University) und beschäftigen sich mit der Wahrnehmung von Eigenbewegungen.
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Gleich geht's los: Dr. Bury mit (noch) gut gelaunter Probandin

Ziel der Studie ist das Erkennen von Schwächen der menschlichen Wahrnehmung in einer untypischen Umgebung und die Übertragung der Erkenntnisse auf die Schwerelosigkeit.  Von den Ergebnissen der Studie im Schwimmzentrum an der Deutschen Sporthochschule Köln für die Canadian Space Agency werden mittelfristig auch die Astronauten auf der International Space Station (ISS) profitieren. In aller Kürze gesagt, helfen ihnen die wissenschaftlichen Erkenntnisse dabei, die Schwächen der menschlichen Wahrnehmung und des Orientierungssinns besser einzuschätzen.

Bilder von der Unterwasserkamera

Fotos von Rainer Herpers und Nils Bury

Eine halbe Stunde führt die fixierte Probandin die Tests der "Astronautenstudie" durch.

Die Challenge

Die Probandin, eine junge Apothekerin aus Köln, die unter Wasser, quasi eingebaut in eine Art überdimensionierte VR-Brille*, in zwei Lagepositionen Tests zur Wahrnehmung von Eigenbewegungen durchführte, meisterte ihre Aufgabe mit Bravour. Dabei musste sie - einmal liegend, einmal stehend - in einer Testreihe unter anderem die Größe eines Objekts im Raum und den Abstand zu einer Zielposition innerhalb der simulierten Umgebung abschätzen.

*(Auf den Bildern und im Video ist es eventuell zu erahnen: die Probandin schaute auf einen Bildschirm, ohne dabei irgendwelche anderen visuellen Eindrücke von der Umgebung zu erhalten, da der Kopf in einem Zylinder direkt vor dem Bildschirm fixiert war.)

Vection?

Mit dem Begriff "Vection" wird der Effekt beschrieben, der eintritt, wenn eine Person eine Bewegung in ihrem Sichtfeld wahrnimmt und bei ihr gleichsam der Eindruck entsteht, sie selbst würde sich bewegen. Ein klassisches Beispiel ist der Zug, in dem man sitzt und der sich zu bewegen scheint, obwohl es nur der Zug auf dem Nebengleis ist, der gerade abfährt.

Ein paar Takte von Dr. Nils Bury zur Studie. Im Hintergrund: Senioren-Reha im "Multifunktionsbecken".

Unter Wasser und im Weltraum

Die Schwerelosigkeit im Weltraum und der Schwebezustand bei einem Tauchgang sind durchaus miteinander vergleichbar. In Houston proben die Astronauten die Arbeit an der ISS an einem originalgetreuen Nachbau in einem Tauchbecken von der Größe eines Fußballfeldes.

Noch in diesem Jahr soll die Versuchsanordnung auf die Reise ins Weltall gehen. Die Astronauten auf der ISS werden die Szenarien der Versuchsreihe mit einer Virtual Reality-Brille in der Schwerelosigkeit testen.

Bildergalerie

Fotos von Miriam Lüdtke-Handjery und Juri Küstenmacher