Warum Ethik und technische Entwicklung zusammen gehören

Dienstag, 4. Juni 2019
Unter dem Titel „Datenschutz, Ethik, Künstliche Intelligenz“ hat das Zentrum für Ethik und Verantwortung (ZEV) zusammen mit der Stadtbibliothek Köln am Montag, 27. Mai 2019, eine Podiumdiskussion veranstaltet. Gert Scobel, Wissenschaftsmoderator bei 3Sat und Honorarprofessor am ZEV, moderierte den "Talk im Forum Verantwortung" mit der Medizinethikern Prof. Christiane Woopen, dem Bundesdatenschutzbeauftragen Ulrich Kelber und dem Publikum.
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Ulrich Kelber, Christiane Woopen und Gert Scobel im Gespräch.

Die Themenfelder Datenschutz und Künstliche Intelligenz, aber auch deren ethischen Problemstellungen, dringen angesichts fortschreitender Digitalisierung immer mehr in unseren Alltag ein. Viel aktueller Diskussionsstoff also für die Veranstaltung im Rahmen des Formates "wissenswert – Gespräche am Puls der Zeit" der Stadtbibliothek Köln und dem "Talk im Forum Verantwortung" der Hochschule.

Christiane Woopen, die Direktorin des CERES der Universität Köln und Co-Sprecherin der Datenethikkommission der Bundesregierung, verschaffte den Anwesenden zunächst einen Überblick über die verschiedenen Gremien und Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene, welche sich mit Verhältnis von KI-Entwicklung und Ethik beschäftigen.

Der ehemalige MdB und jetzige Bundesdatenschutzbeauftrage Ulrich Kelber betonte die Herausforderungen des modernen Datenschutzes. Angesichts der Komplexität des Themas sowie den unterschiedlichen Anforderungen und Zuständigkeiten sei es schwierig, umfassende Lösungen zu finden. Die DS-GVO zeige jedoch, dass es möglich ist, zu europäischen Lösungen zu kommen, die inzwischen in der Welt als Inspiration und Vorbild für Regelungen genutzt werden. Als „Standortvorteil“ erweist sich für Ulrich Kelber dabei, dass sich der europäische Datenschutz aus Grund- und Menschenrechten ableitet und nicht aus dem perspektivisch enger gefassten Verbraucherschutz. Als gelernter Informatiker habe Ulrich Kelber zudem beobachtet, dass technische Entwicklung und ethische Diskussion in den letzten Jahren immer mehr zusammenkommen.

Viele offene Fragen aber auch Einigkeit

Christiane Woopen zeigte als Medizinerin insbesondere zu diesem speziellen Anwendungsbereich Herausforderungen und Lösungen auf. Besonders wichtig war es ihr, darauf zu verweisen, dass die Angst vor der Unkontrollierbarkeit moderner Technologien wie KI-gestützter Diagnosen nicht nötig ist, wenn wir uns einerseits auf bewährte Methoden wie strikte Gesetze und zertifizierte Zuverlässigkeit stützen und andererseits über Bildung das kritische Reflexionsvermögen aller Anwender weiterentwickeln.

Angesichts der Komplexität des Themas war es nicht möglich, in den zwei Stunden der Veranstaltung alle Fragen zu klären. Jedoch waren sich Diskutanten und Publikum einig, dass die Integration ethischer Fragen in die technische Entwicklung weiter vorangetrieben werden muss. Nicht müde zu betonen wurden Podiumsgäste und Moderator in diesem Kontext, wie weit wir noch von der Entwicklung „echter KI“ entfernt sind, es also in unserer Verantwortung liege, heute zu entscheiden, wie weit wir bei der Nutzung der technischen Möglichkeiten gehen wollen und welche ethischen Maßstäbe unsere Gesellschaft anlegen möchte. Es müsse hierbei gelingen, einen Pfad zwischen Technikeuphorie und -skepsis zu finden.