Niklas Schaffarczyk, Sozialversicherung

Schiedsrichter, Automobilkaufmann, Personalbetreuer und Posaunist. Auf den ersten Blick vier grundverschiedene Beschäftigungen, aber Niklas Schaffarczyk hat sie alle vereint.

Ein spannendes Sonntags-Spiel in der Fußball-Landesliga Niedersachsen. Der Spieler will einen langen Pass schlagen, aber ein Gegner grätscht dazwischen. Er verpasst den Ball und trifft den Mann, Niklas Schaffarczyk pfeift. Mit geübtem Blick und routinierter Geste entscheidet der Schiedsrichter auf Foul und gibt die Gelbe Karte. So sah früher ein normaler Sonntag für Niklas Schaffarczyk aus, doch mittlerweile hat sich das geändert – ihm fehlt einfach die Zeit.

Niklas Schaffarczyk arbeitet jetzt bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in Hamburg als Personalbetreuer. Die BGW ist eine gesetzliche Unfallversicherung für nichtstaatliche Einrichtungen, die sich um Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten kümmert und auch hilft, diese vorzubeugen. Er kümmert sich um die ganzheitliche Betreuung der Mitarbeiter und auch um die Einstellung neuer.

Niklas Schaffarczyk mit Kommilitonen vor der Standorte-Leinwand während der Absolventenfeier 2015
Niklas Schaffarczyk mit Kommilitonen während der Absolventenfeier 2015.

Bis dahin hat er allerdings einen langen Weg hinter sich gebracht. „Früher wollte ich Rechtsanwalt werden, aber das hat sich bald geändert“, sagt er. Nachdem er zunächst die Realschule und anschließend die Höhere Handelsschule erfolgreich abgeschlossen hatte, machte er eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Rathaus Schneverdingen. Dort hielt es ihn drei Jahre, bis er seine zweite Ausbildung zum Automobilkaufmann anfing. „Doch nach anderthalb Jahren klopfte die Bundeswehr an meine Türe und ich wurde eingezogen für neun Monate“, erzählt er. Aufgrund der Wirtschaftskrise bekam er nach der Grundausbildung keinen Job in der Autobranche, und er musste sich arbeitslos melden. Was zuerst tragisch klingt, war für Niklas Schaffarczyk eine glückliche Fügung, denn bei der Bundesagentur für Arbeit war eine Stelle in der Familienkasse frei und diese wurde ihm angeboten. Natürlich nahm er den Job an und blieb dort drei Jahre.

Niklas Schaffarczyk hält eine Rede

Der mittlere Dienst bedeutet jedoch für Mitarbeiter mit Realschulabschluss das Ende der Fahnenstange. Doch Schaffarczyk wollte noch höher hinaus auf der Karriereleiter, und so entschied er sich, sein Abitur nachzuholen. Anschließend, mit 27 Jahren, fing er ein duales Studium bei der BGW an und besuchte die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit Fachrichtung Sozialversicherungen. Im September 2015 schloss er das Studium erfolgreich ab, wurde verbeamtet und in die Verwaltung aufgenommen. „Etwa 90 Prozent gehen nach dem Studium in die Verwaltung, bei der Sie auch angefangen haben“ sagt er. Seine Zukunft bei der BGW ist auch schon geplant: Die nächsten fünf Jahre will er sich in seiner Stelle bewähren.

Sein Hobby als Leistungsschiedsrichter in der Landesliga Niedersachsen musste er während des Studiums aufgeben. Die Entfernung zwischen dem Studienort Hennef und seinem einstigen Wohnort Schneverdingen war zu weit. Zumal er im Studium seine Freundin kennenlernte, die aus München kam. Zwar wohnt er mittlerweile gemeinsam mit ihr in Hamburg, doch konzentriert er sich zurzeit mehr auf sein zweites Hobby. Schaffarczyk spielt Posaune im Musikzug der Schneverdinger Stadtfalken. Das Posaune-Spielen hat er bereits mit 15 Jahren begonnen und seither auf diversen Veranstaltungen gespielt. Im Laufe des Studiums lernte er den Kölner Karneval kennen und lieben.

Niklas Schaffarczyk  mit seinen Kommilitonen auf der Absolventenfeier 2015
Niklas Schaffarczyk dankt seinen Eltern für ihre Unterstützung während des Studiums.

Und so spielt sein Musikzug heute auch im Karneval bei verschiedenen Events mit: „Zuerst musste ich mich etwas an die Musik gewöhnen, wir aus dem Norden kannten nur wenige der kölschen Lieder und wussten nicht, ob die überhaupt wer hören möchte“, erzählt er. Doch durch Gespräche mit Kommilitonen brachte er schnell in Erfahrung, was gerade angesagt ist im Kölner Karneval. Und das kam dann auch bei den Stadtfalken in seiner Heimat gut an. Hauptsächlich treten die Stadtfalken jedoch auf Events in der Umgebung auf, die nichts mit Karneval zu tun haben.

Die Sonntage geht Schaffarczyk heutzutage zusammen mit seiner Freundin ruhiger an, meist ohne Fußball. „Nach einer langen Arbeitswoche, Sport und dem Samstagabend mit Freunden braucht man einfach etwas Ruhe“ sagt er. Sonst gehen die beiden auch gerne in den Stadtpark oder an die Alster. Und wenn die Stadtfalken rufen, dann ist Niklas Schaffarczyk für einen Auftritt immer zu haben.

Text: Michael Steimel

Michael Steimel studiert an unserer Hochschule Technikjournalismus. Er verfasste dieses Porträt im Rahmen eines Wahlkurses (Porträtschreiben am Beispiel von H-BRS-Alumni) im Wintersemenster 2015/2016.