Fachbereich Informatik
Georg-Kerschensteiner-Berufskolleg zu Gast im Fachbereich Informatik der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Die Schülerinnen und Schüler des zweijährigen Bildungsgangs Gesundheit und Soziales (Klassen HS25A, HS25B und HS25C) erhielten an jeweils einem eigenen Besuchstag exemplarische Einblicke in die thematische Breite der Informatik, sowohl als wissenschaftliche Disziplin als auch in ihren vielfältigen Anwendungsfeldern. Mehr als zehn Beschäftigte des Fachbereichs waren an der fachlichen Gestaltung beteiligt.
Wissenschaft trifft Anwendung
Die Schulklassen lernten unterschiedliche akademische Formate kennen: wissenschaftlicher Vortrag, Vorlesung, Übung und praktische Laboranteile.
Den Auftakt bildete der englischsprachige Vortrag „Scientific Programming: Datenvisualisierung und -interpretation am Beispiel Molekül-Programm“ von Dr. Karl Kirschner zur Verbindung von Natur- und Computerwissenschaften. Er erläuterte wissenschaftliche Zielsetzungen und Modelltypen und zeigte anhand mathematischer Methoden und der Programmiersprache Python, wie Moleküle computergestützt modelliert werden. Am Beispiel einer Protein-Ionenpore, eingebettet in aktuelle Forschung des DFG-Projekts „CytoTransport“,erhielten die Teilnehmenden einen praxisnahen Einblick in moderne computergestützte Forschung und konnten gleichzeitig ihre Englischkenntnisse erweitern.
Im Anschluss konnten die Schülerinnen und Schüler PC-Hardware aus nächster Nähe betrachten und erhielten durch Robert Hartmann praxisnahe Einblicke in Datenmodellierung und Zeichenkodierung. Diskutiert wurde unter anderem der ICD-10-Code zur Klassifikation von Krankheiten und dessen Bedeutung für medizinische Dokumentation und Abrechnung.
Auch moderne KI-Architekturen wurden thematisiert: Am Beispiel von Microsoft Copilot wurde eine Systemarchitektur zur Verbindung von Large Language Models (LLM) und Retrieval-Augmented Generation (RAG) skizziert. Die Möglichkeiten – aber auch Risiken – eines vernetzten Zugriffs über Microsoft Graph auf E-Mails, Dateien und Chats sorgten bei den Schülerinnen und Schülern gleichermaßen für Faszination wie für Nachdenklichkeit.
Datenschutz, Informationssicherheit und gesellschaftliche Verantwortung
An zwei Tagen referierte Prof.in Dr. Petra Haferkorn, am dritten Tag Ivonne Zimmermann-Fabricius zum Thema „Irren ist menschlich: Eine praktische Einführung in Datenschutz und Datensicherheit“. Historisch eingeordnet wurde die Entwicklung des Datenschutzverständnisses in Deutschland erläutert und mit internationalen Perspektiven verglichen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich staatliche und wirtschaftliche Akteure weltweit mit personenbezogenen Daten umgehen und welche Konsequenzen dies für Nutzerinnen und Nutzer haben kann.
Markus Stuhm führte eine bildgestützte Übung zum Information Security Management durch, mit Fokus auf Prozess- und Datensicherheit am Beispiel eines fiktiven medizinischen Praxisbetriebs. Auf Grundlage eines realen Datenschutzvorfalls aus dem Tätigkeitsbericht eines Landesdatenschutzbeauftragten entwickelten besonders schnelle Arbeitsgruppen zusätzlich Schutzmaßnahmen für ein fiktives Szenario eines Pizzalieferdienstes.
Robotik, Visual Computing und Servertechnik
Im Robotics-Lab interagierten die Klassen mit Robotersystemen, betreut durch Mohamad Wasil, Ritwik Sinha und Jordan Schneider. Dabei wurden auch Glückwünsche an das Gewinnerteam der RoboCup-Weltmeisterschaft 2025 übermittelt.
Unter fachkundiger Führung von Philipp Löschner erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in das Institut für Visual Computing, während Pia Funk durch das Biometrie-Evaluations-Zentrum des Instituts für Sicherheitsforschung führte.
In Kleingruppen besuchten sie zudem den Serverraum, wo Javed Razzaq Grundlagen des parallelen Rechnens erläuterte und anschaulich vermittelte, dass „Cloud“-Daten stets auf physisch existierenden Servern gespeichert sind. Dabei wurde die Bedeutung der Verschlüsselung sensibler Daten besonders hervorgehoben.
Im Hypermedia-Labor tauchten die Schülerinnen und Schüler mithilfe von VR-Brillen in virtuelle anatomische Modelle ein und konnten eine virtualisierte Knieuntersuchung erleben. Bernd-Siegfried Klein erläuterte die Technik sowie aktuelle Forschungsaktivitäten des Labors.
Theoretische Informatik zum Mitmachen
Den Abschluss gestalteten Hannah Freudenberger und Oliver Lanzerath mit einer Einführung in das Konzept des endlichen Automaten. In Einzel- und Gruppenarbeit entwickelten die Teilnehmenden einen deterministischen Automaten, der in einem Jupyter-Notebook simuliert wurde.
Die Begeisterung war so groß, dass zwei Lernende freiwillig eine zusätzliche Stunde investierten, um die Automatentheorie weiter zu vertiefen. Dabei stellten sie eigenständig fest, dass das verwendete Framework zur Simulation deterministischer Automaten nicht ohne Weiteres zur Modellierung nicht-deterministischer Automaten geeignet ist – ein eindrucksvolles Beispiel für entdeckendes Lernen.
Hochschulluft schnuppern im Audimax
Während des Besuchs bestand zudem die Möglichkeit, das Audimax des Campus kennenzulernen. Für einige erfüllte sich damit erstmals der Wunsch, in einem großen Hörsaal zu sitzen. Andere erkannten, wie herausfordernd es sein kann, vor einem großen Publikum zu sprechen – insbesondere bei Sonnenschein, wenn die hinteren Reihen kaum zu erkennen sind.
Der Besuch verdeutlichte eindrucksvoll, wie vielfältig, interdisziplinär und gesellschaftlich relevant Informatik ist – und wie eng sie mit Themen aus Gesundheit, Biologie, Sicherheit und Ethik verknüpft ist.
Kontakt
Robert Hartmann
Dipl.-Inf., Wissenschaftlicher Mitarbeiter, VMWare IT Academy (Programm Coordinator), Technical Editor: ISSN 1869-5272, Raumplanung (FB02)
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