Erstes Archivgut per Fahrrad unterwegs ins Stadtarchiv

Donnerstag, 17. Juni 2021
ID: 
071/00/06-2021
Seit ihrer Gründung 1995 hat sich in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg viel Material angesammelt, das über ihre Entwicklung Aufschluss gibt. Am Mittwoch, 16. Juni 2021, unterzeichnete sie einen Vertrag mit dem Stadtarchiv Sankt Augustin, damit dieses Material nicht nur vor Verlust geschützt, sondern erschlossen und für eine wissenschaftliche und allgemeine Nutzung zugänglich gemacht wird. Direkt nach der Unterzeichnung nahm Stadtarchivar Michael Korn das erste Material in Empfang.
Erstes Archivgut mit Fahrradanhänger auf dem Weg ins Stadtarchiv (Teasercut). Mit dabei (von links): Angela Fischer, Hartmut Ihne, Max Leitterstorf und Stadtarchivar Michael Korn. Foto: Martin Schulz
Stadtarchivar Michael Korn (rechts) radelt gleich mit den ersten Materialien ins Stadtarchiv. Am Start dabei (von links): Hochschulkanzlerin Angela Fischer, Hochschulpräsident Hartmut Ihne und Sankt Augustins Bürgermeister Max Leitterstorf. Foto: Schulz

Drucksachen wie Faltblätter, die Hochschulzeitung, Jahresberichte, Fotos, Urkunden und Verträge oder Sitzungsprotokolle gehören dazu, aber auch kurios anmutende Gegenstände wie ein Stiftehalter in Backsteinform aus der Zeit vor der Gründung und ein Zierteller: Es ist sehr viel und sehr verschiedenartiges Material, das die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg seit ihren ersten Tagen gesammelt hat.

Der jetzt geschlossene Kooperationsvertag zwischen Hochschule und Stadt zielt darauf ab, dass archivwürdige Unterlagen und Gegenstände fachgerecht gesichtet, bewertet, katalogisiert und im städtischen Archiv gelagert werden. Es handelt sich um wichtige analoge oder digitale Unterlagen, die nicht mehr für die laufende Aufgabenerfüllung benötigt werden. Jedoch schreibt der Gesetzgeber insbesondere für historisch relevante Unterlagen eine langfristige Aufbewahrung vor.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt von gesammeltem Archivmaterial der Hochschulpressestelle. Foto: Martin Schulz
Die Hochschule hat seit ihrer Gründung viel Material aufbewahrt. Erhaltenswerte Unterlagen und Gegenstände werden künftig im Stadtarchiv fachgerecht gesammelt und für Recherche und Forschung bereitgestellt. (Foto: H-BRS/Martin Schulz)

Beide Seiten profitieren somit von der Zusammenarbeit: Die Hochschule gewinnt einen fachkundigen Partner für die Archivierung ihrer historisch relevanten Unterlagen, während die Stadt einen bedeutsamen Teil der jüngeren und künftigen Stadtgeschichte umfänglich dokumentieren und allen Interessierten bereitstellen kann. Der größte Nutzen entsteht letztlich für die Gesellschaft, denn die Unterlagen stehen – unter Einhaltung der gesetzlichen Datenschutzbestimmungen – dauerhaft und für jedermann zugänglich zur Erforschung bereit. Die Nutzung ist im Allgemeinen kostenfrei.

Für die Stadt unterzeichneten Bürgermeister Max Leitterstorf sowie der 1. Beigeordnete Ali Dogan den Vertrag, für die Hochschule Präsident Hartmut Ihne und Kanzlerin Angela Fischer. Die Hochschule betritt damit Neuland, wie Hochschulkanzlerin Angela Fischer hervorhob, denn bislang war die Hochschule die Archivierung von Dokumenten und Unterlagen noch nicht angegangen. „Umso mehr freuen wir uns, mit dem Stadtarchivar Michael Korn für alle Fragen der Archivierung einen kompetenten und verlässlichen Ansprechpartner zu haben.“

Sankt Augustins Bürgermeister Max Leitterstorf freute sich anlässlich der Vertragsunterzeichnung über den Umstand, dass Hochschule und Stadt eine lange gemeinsame Geschichte haben, die Hochschule ist in diesem Jahr genau halb so alt wie die Stadt.

Leitterstorf hat zudem eine sehr persönliche Beziehung zur Hochschule, denn seit August 2019 ist er dort Professor für Rechnungswesen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Doch auch wenn seine und andere Personalunterlagen in der Hochschule vorhanden sind, können künftige Archivnutzer sie dennoch nicht einsehen, wie Stadtarchivar Michael Korn betont, denn alle personenbezogenen Dokumente unterliegen strengen datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Ohnehin verbleiben alle Akten, die im laufenden Geschäftsbetrieb gebraucht werden, in der Hochschule.

Eine besondere Herausforderung besteht für den Stadtarchivar darin, die Unterlagen dauerhaft zu archivieren, die nur in elektronischer Form vorliegen. Hier geht es darum, die Dateien zu sichten, den Entstehungszusammenhang festzuhalten und die vielen unterschiedlichen Dokumenttypen in langfristig auswertbare Formate umzuwandeln. Das Sankt Augustiner Stadtarchiv setzt dabei auf technische Lösungen in Zusammenarbeit mit dem „Digitalen Archiv NRW“. Es hat im vergangenen Jahr als eines der ersten Kommunalarchive in NRW überhaupt mit der komplexen digitalen Langzeitarchivierung begonnen.

Ganz analog und sogar abgasfrei nahm Stadtarchivar Korn nach Vertragsunterzeichnung erstes Material aus der Stabsstelle für Kommunikation und Marketing mit: Zwei Behälter mit Archivgut fasst der Fahrradanhänger, mit dem er auf dem Campus an der Grantham-Allee vorgefahren war.