FH Bonn-Rhein-Sieg auf der Medica mit zwei Exponaten

Donnerstag, 8. November 2007
ID: 
012/00/11-2007

012/00/11-2007 Rheinbach/Sankt Augustin/Düsseldorf, 9. November 2007

Die zwei Projekte, die die Fachhochschule (FH) Bonn-Rhein-Sieg auf der diesjährigen Medica in Düsseldorf (14. bis 17. November 2007) präsentiert, haben einen völlig verschiedenen Zugang zur Medizin. Und doch kann das eine für das andere von Bedeutung werden.

Das Projekt von Professor Dr. Edda Tobiasch (Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften) könnte die zukunftsweisende Alternative zu einer schwerwiegenden Operation werden. Es ist gelungen, aus sogenannten Zahnsäckchen - eigentlich ein Abfallprodukt bei der Resektion von Weisheitszähnen - Stammzellen zu gewinnen und diese zu Osteoblasten zu differenzieren. Osteoblasten bilden Knochen. Werden sie in die entsprechenden Hohlräume gefüllt, können sie Implantate beispielsweise im Kiefer fest verankern.

Das Projekt von Jens Juszczak (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften) dreht sich um Forschung und Beratung im Medizintourismus. Es lotet die Gruppe ausländischer Patienten aus unter anderem hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und Erwartungen. Darauf bauen Marketingstrategien, Service und Weiterbildung auf.

1. Differenzierung von Stammzellen: Resektion von Weisheitszähnen liefert Ausgangsmaterial für neue Zellen zur Knochenbildung (Osteoblasten)

Ziel des Projektes ist die Entwicklung von körpereigenem Knochenersatzmaterial aus Stammzellen. Dazu werden bei der Resektion von Weisheitszähnen, die noch nicht durchgebrochen sind, gewonnene sogenannte Zahnsäckchen verwendet, die sich hierfür als besonders vorteilhafte Quelle erwiesen haben. Die Stammzellen werden in Richtung Osteoblasten differenziert. Das sind Zellen, die Knochen bilden und aufgrund dieser Fähigkeit zur Regeneration von Gewebe beispielsweise in der Zahnmedizin bei großen Knochendefekten zur Integration von Implantaten dienen können. Der Nachweis der erfolgreichen Differenzierung erfolgt mittels spezifischer Färbungen und Marker.

Bisher werden in der Zahnmedizin zum Wiederaufbau größerer Knochendefekte entweder synthetische Materialien verwendet mit dem Risiko der Abstoßung oder einer allergischen Reaktion oder Transplantate vom Rind mit einem gewissen Infektionsrisiko. Derzeit wird oft Knochenmaterial unter anderem aus der Hüfte des Patienten genommen, was jedoch einen zusätzlichen und äußerst schwerwiegenden Eingriff erfordert. Deshalb könnten Stammzellen aus Zahnsäckchen zukünftig eine weit überlegene Alternative darstellen.

Kontakt Prof. Dr. Edda Tobiasch, FB Angewandte Naturwissenschaften E-Mail: edda.tobiasch@h-brs.de

2. Medizintourismus: Internationale Patienten in deutschen Kliniken

Seit fünf Jahren befassen sich Professoren und Mitarbeiter der FH Bonn-Rhein-Sieg mit dem Thema "Patienten aus dem Ausland". Unterstützt werden in diesem Geschäftsfeld Kliniken, Ministerien, Städte und Kommunen sowie Dienstleistungsunternehmen.

In Bonn berät die FH die Bonn Medical Partners. Das ist ein Zusammenschluss von neun Kliniken einem Hotel und der Tourismus & Congress GmbH mit dem Ziel, den Gesundheitsstandort Bonn im Ausland zu vermarkten und insbesondere arabischen und russischen Patienten eine Behandlung in Bonn zu ermöglichen. Die neun Kliniken decken über 30 Fachgebiete ab und können auf eine jahrelange Erfahrung bei der Behandlung von ausländischen Patienten zurückblicken.

Das Projekt nennt als Forschungs- und Beratungsfelder neben Geschäftsfeldanalyse und Marketing noch Service und Weiterbildung und kann jeweils konkrete Angebote machen. Dabei kommt der Fokus auf arabische und russische Patienten nicht von ungefähr: Aus diesen Ländern kamen 2006 mehr als 70 Prozent der ausländischen Patienten.

Zwar steht das konkrete medizinische Angebot im Vordergrund, so ein Studienergebnis, und an zweiter Stelle die Dinge im unmittelbaren Zusammenhang wie Aufenthaltsdauer, medizinische Nachsorge, aber auch die Möglichkeit der Religionsausübung und ein Übersetzungsservice. Doch im nächsten Schritt spielen bereits kulturelle Angebote, Einkaufsmöglichkeiten, Reiseformalitäten und Transfer eine wichtige Rolle. Unter Berücksichtigung aller Aspekte könnte sich die Zahl ausländischer Patienten noch steigern lassen.

Kontakt Dipl.-Kfm. Jens Juszczak, FB Wirtschaftswissenschaften E-Mail: jens.juszczak@h-brs.de

Khaled Guizani, Bonn Medical Partners E-Mail: k.guizani@bonnmedicalpartners.de

Sie finden die Exponate der FH Bonn-Rhein-Sieg bei der Medica in Düsseldorf auf dem Stand der Wissenschaftsregion Bonn, Halle 16, Stand C41