Hochschulgesellschaft verleiht Förderpreise

Montag, 24. Oktober 2016
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Die Hochschulgesellschaft Bonn-Rhein-Sieg zeichnet auch dieses Jahr wieder die besten Abschlussarbeiten aller Fachbereiche der H-BRS mit Förderpreisen aus. Die stiftenden Unternehmen und Institutionen der Region zollen damit elf jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern öffentliche Anerkennung in Form von Förderpreisen, die mit jeweils 1.000 Euro dotiert sind.
Verleihung der Förderpreise, Blick ins Publikum

Unkonventionelles Denken und Mut, neue Methoden und Ansätze zu konzipieren, attestierte am Freitag, 21. Oktober 2016, Matthias Rupf als Vorsitzender der Hochschulgesellschaft den Preisträgern. "Bemerkenswert", so Rupf, "ist die wirtschaftliche Relevanz der Arbeiten". Auf der Basis einer Arbeit hat das Unternehmen, in dem die Arbeit geschrieben wurde, sogar ein Schutzrecht für die Erfindung angemeldet, eine Patentanmeldung resultierte aus einer anderen Arbeit.

Die Preisträger und ihre Arbeiten

Preisträger, Betreuer auf Treppe

Daniel Behrend

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften am Campus Rheinbach
Studiengang: Business Administration
Betreuer: Prof. Dr. Wilhelm Schneider
Preisstifter: true fruits GmbH

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Interne Analyse des Produktportfolios des Geschäftsbereiches Sicherheit eines Forschungsinstitutes

Daniel Behrend führte in dem Forschungsinstitut für seine Arbeit eine interne Befragung sowie einen Workshop durch und wertete beides aus. Daraus leitete er Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung und Vermarktung des Portfolios des untersuchten Forschungsinstituts ab. Die Konzipierung des Workshops ging über die Anforderungen einer Bachelor-Arbeit hinaus, aber wurde von Behrend als notwendig erkannt, um belastbare Ergebnisse zu erzielen. Der Aufwand wurde nicht nur mit dem Förderpreis belohnt. Der Auftraggeber wird die Ergebnisse außerdem in der Praxis einsetzen.

Fiona Ries

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften am Campus Sankt Augustin
Studiengang: Betriebswirtschaft
Betreuer: Prof. Dr. Andreas Gadatsch
Preisstifter: Kreissparkasse Köln

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Stand des IT-gestützten Personalrecruitings in deutschen Kliniken. Eine Bestandsanalyse und Lösungsansätze

Modernes Personalrecruiting im Gesundheitswesen ist ein vergleichsweise neues Thema. Der Kostendruck und die gestiegenen Anforderungen im Gesundheitswesen haben dazu geführt, dass deutsche Kliniken betriebswirtschaftliche Methoden der Personalgewinnung einsetzen müssen, um ihren Personalbedarf adäquat zu decken. Hier setzt die Arbeit von Fiona Ries an und untersucht zunächst die verschiedenen Facetten des Personalrecruitings insgesamt und in 100 zufällig ausgewählten Kliniken die aktuelle Situation in Deutschland. Die systematische Analyse und Aufbereitung der Daten mündet in Handlungsempfehlungen für die Kliniken.

Diego Ramos Avila

Fachbereich Informatik
Studiengang: Autonomous Systems
Betreuer: Prof. Dr. Paul Plöger
Preisstifter: Stiftung Evolution

Thema der Abschlussarbeit (Master): A Study on Swarm Intelligence: Towards Nature-Inspired Robot Navigation

Das kooperative Verhalten von Tieren hat die Informatik zu Algorithmen inspiriert, die man mit Schwarmintelligenz bezeichnet. Die Master-Arbeit wendet nun Schwarmintelligenz auf das Problem der Roboterbewegungsplanung an. Untersucht wird die Eignung des „Grey Wolf Optimizer“ (GWO) gegen die etablierten Standard-Algorithmen Rapidly-exploring Random Trees (RRTs) und Probabilistic Roadmaps (PRM).

Die Resultate sind vielversprechend, der vorgeschlagene Ansatz ist neu und eröffnet vor allen Dingen Zugang zu verallgemeinerten Fragestellungen wie die Planung in mehrdimensionalen Räumen. Ein denkbares Szenario könnte darin sein, dass ein autonomer Rollstuhl möglichst rasch quer durch einen belebten großstädtischen Bahnhof fahren muss. Dazu muss er durch große Hallen und schmale Durchgänge navigieren können, vorbeieilenden Menschen ausweichen oder bei Staus stehenbleiben, also seinen Benutzer kollisionsfrei, rücksichtsvoll, zuverlässig und sicher zum Ziel bringen. Die Arbeit liefert für alle Probleme in zehn Szenarien Lösungen.

Matthias Neu

Fachbereich Informatik
Studiengang: Informatik
Betreuer: Prof. Dr. Markus Ullmann
Preisstifter:  BHC Gummi/Rupf Industries

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Analyse eines um Minutien-Winkel erweiterten Fuzzy Vault Schemas

Matthias Neu hat in seiner Bachelorarbeit ein sehr anspruchsvolles Thema der biometrischen Forschung bearbeitet: den Schutz personenbezogener menschlicher biometrischer Merkmale (hier: Fingerabdrücke) mittels Template-Protection-Verfahren. Zur Beurteilung als auch Anwendung von Template-Protection-Verfahren leistet Neu einen wertvollen Beitrag. Er konnte einerseits eine neue Klasse von Angriffen auf solche Verfahren aufzeigen und andererseits für die Fusion mehrerer Fingerabdrücke in ein Template-Protection-Verfahren eine Strategie entwickeln, die alle bisher bekannten Angriffe abwehrt.

Die Ergebnisse wurden auf der International IEEE Conference of the Biometrics Special Interest Group (BIOSIG) im September 2016 der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt und erscheinen als Artikel in den Proceedings der Konferenz.

Alexander Spenke

Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus
Studiengang: Elektrotechnik
Betreuer: Prof. Dr. Marco Winzker
Preisstifter: Eaton Industries (Hein-Moeller-Stiftung)

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Erhöhung der Sicherheit von Physical Unclonable Functions durch gezielte Rekonfiguration von FPGAs

Die Abschlussarbeit wurde beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erstellt und befasst sich mit der Sicherheit elektronischer Geräte. Um eine Manipulation oder den Austausch eines Gerätes zu erkennen oder massiv zu erschweren, sollen die im Gerät verwendeten Mikrochips identifiziert werden. Hierzu dienen Physical Unclonable Functions (PUF), eine Art Fingerabdruck für Mikrochips. Leider sind bisher alle vorgestellten Konzepte gebrochen worden.

Die Arbeit von Alexander Spenke bestand darin, ein PUF-Konzept unter Ausnutzung der Rekonfigurierbarkeit zu entwickeln und auf einem programmierbaren Digitalbaustein (FPGA, Field Programmable Gate Array) zu implementieren. Als Ergebnis liegen fundierte Erfahrungen und Messergebnisse zur Umsetzung von Physical Unclonable Functions in FPGAs vor. Hervorzuheben ist, dass basierend auf der Arbeit ein Patentantrag gestellt wurde. Außerdem wurden seine Ergebnisse auf der internationalen IT-Sicherheitskonferenz „Trust 2016“ in Wien vorgestellt.

Christian Blume

Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus
Studiengang: Maschinenbau
Betreuer: Prof. Dr. Welf Wawers/Prof. Dr. Dirk Reith
Preisstifter: Dr. Reinold Hagen Stiftung

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Konstruktion einer konturnahen Kühlung für eine bestehende Kunststoffblasform zur Kühlzeitminimierung

Christian Blume überzeugte in seiner Bachelor-Thesis mit der konstruktiven Überarbeitung einer bestehenden Kunststoffblasform, die eine überlegene Fertigungsweise ermöglicht. Die neue Konstruktion weist im Vergleich zum bestehenden Werkzeug einen um 93 Prozent verbesserten Wärmedurchgangswiderstand auf und senkt somit die Kühlzeit im Blasformprozess theoretisch um ungefähr 25 Prozent. Zusätzlich rundet Blume die Arbeit mit einem Vergleich der Fertigungskosten für das bestehende und das überarbeitete Werkzeug ab.

Das Unternehmen, in dem Christian Blume seine Fragestellung bearbeitete, wird auf Grundlage der Bachelor-Thesis ein Schutzrecht anmelden. Blume ist an der Erfindung beteiligt.

Dylan Cedric Knörr

Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus
Studiengang: Technikjournalismus/PR
Betreuer: Prof. Dr. Andreas Schümchen
Preisstifter: Verlag für die Deutsche Wirtschaft

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Die Kernkraftwerkkatastrophe in Fukushima – Eine qualitative, vergleichende Analyse der Berichterstattung in den Tageszeitungen ,Bild‘ und ,SZ‘ im Hinblick auf ihre physikalische Richtigkeit

Aktuelle Ereignisse wie die Kernkraftwerkkatastrophe in Fukushima stellen hohe Anforderungen an die Medienvertreter. Im Sinne einer umfassenden und fachlich richtigen Berichterstattung müssen sie sich selbst in kurzer Zeit fachlich kundig machen und geeignete Experten hinzuziehen. Ob und wie dies gerade bei naturwissenschaftlich-technischen Ereignissen gelingt, ist eine für Kommunikationswissenschaft und Medienpraxis relevante Fragestellung, zumal Fachleute technikjournalistischen tagesaktuellen Beiträgen häufig Fehlerhaftigkeit vorwerfen.

In seiner Bachelor-Thesis untersucht Dylan Knörr, ob und inwiefern „Bild“ und „Süddeutsche Zeitung“ physikalisch richtig über die Kernkraftwerkkatastrophe in Fukushima berichtet haben. Als Grundlage reflektiert er die wissenschaftliche Diskussion über journalistische Qualität und stellt dar, was „physikalische Richtigkeit“ bedeutet und woran sie festzumachen ist. Im empirischen Teil analysierte der Verfasser 1900 Artikel. Ein wichtiges Ergebnis ist unter anderem, dass die physikalische Richtigkeit der Berichterstattung kein Selbstzweck sein kann und in einem Spannungsverhältnis zur Verständlichkeit steht. Die vorgelegte Arbeit kann somit als Anstoß verstanden werden, die Bedeutung der physikalischen Richtigkeit für die journalistische Praxis tiefergehend zu diskutieren.

Katja Stienecker

Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften
Studiengang: Naturwissenschaftliche Forensik
Betreuer: Prof. Dr. Peter Kaul
Preisstifter: Innovatec Gerätetechnik GmbH

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Beschichtung von metallischen Filtergeweben mit Tenax® TA

Die Abschlussarbeit von Katja Stienecker ist in die Tätigkeiten des Instituts für Sicherheitsforschung (ISF) und des Instituts für Detektionstechnologien (IDT) der Hochschule eingebettet und darüber auch in das derzeit noch laufende EU-H2020 Projekt C-BORD (Effective Container Inspection at  Border Control Points), das sich mit Sicherheit an europäischen Grenzübergängen beschäftigt. Allgemein bildet die Arbeit von Frau Stienecker einen wichtigen Baustein für die Entwicklung eines Systems zur großvolumigen Probennahme aus Frachtcontainern zur anschließenden Detektion von geschmuggelten Explosivstoffen, Drogen und Tabak.

Ihre Arbeit lieferte Ergebnisse, die das von der Europäischen Union geförderte Horizon2020-Projekt C-BORD entscheidend weiterbringen und in der Zukunft bei Feldtests in mehreren Ländern eingesetzt werden wird. Weiterhin legt die Arbeit innerhalb des Instituts für Detektionstechnologien (IDT) der H-BRS den Grundstein für den Forschungsansatz, dünne Adsorbens-Filme als alternative oder unterstützende Adsorptionsmittel in der Luft- und Gasphasenanalytik zu verwenden.

Liza Marie Rummler

Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften
Studiengang: Applied Biology
Betreuer: Prof. Dr. Hans Weiher
Preisstifter: BRS Institut für internationale Studien

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Does 670 nm light influence macrophage function?

Mit ihrer Arbeit in einer Arbeitsgruppe an der Universität Aberdeen hat sich Liza Maria Rummler einem medizinischen Thema gewidmet: der Behandlung altersbedingter Makuladegeneration. Diese Erkrankung betrifft in Deutschland schätzungsweise zwei Millionen vor allem ältere Menschen und führt häufig zur Erblindung. Sie ist gekennzeichnet durch Entzündungsprozesse in der Netzhaut des Auges, an denen maßgeblich Fresszellen (Makrophagen) beteiligt sind, indem die von ihnen abgesonderte Menge der entzündungsfördernden Moleküle die der entzündungshemmenden übersteigt. Rummler untersuchte nun den Einfluss von Licht einer bestimmten Wellenlänge (670 nm) auf die Makrophagen und stellte fest, dass sie unter dem Einfluss von Licht dieser Wellenlänge weniger Sekret mit entzündungsfördernden Molekülen produzieren.

Dieses Ergebnis ist bemerkenswert, da es die Möglichkeit zu einer einfachen, kostengünstigen und vielversprechenden Therapie der Makuladegeneration eröffnet. Weitere Untersuchungen sind dazu noch nötig.

Jessica Rumpf

Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften
Studiengang: Chemie mit Materialwissenschaften
Betreuer: Prof. Dr. Margit Schulze, Prof. Dr. Steffen Witzleben
Preisstifter: Siegwerk Druckfarben

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Untersuchungen zur Eignung von Kraft-Lignin für die Herstellung von Polyurethan-Filmen

Die Aufgabenstellung zur Synthese Lignin-basierter Polymere ist angesiedelt auf dem Gebiet der Nutzung nachwachsender Rohstoffe für die Herstellung neuer biobasierter Werkstoffe und Materialien. Sie ist Teil des Projektes LignoBau (Lignin-basierte Polymere für bauchemische Anwendungen), das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Rumpf gelang es, die Verarbeitbarkeit des Lignins durch gezielte Vorbehandlung zu verbessern, wodurch es möglich wird, konventionelle Rohstoffe in hohen Anteilen zu ersetzen. Durch Variation verschiedener Additive gelang es zudem, sowohl die Homogenität als auch die Flexibilität der  Polyurethan-Filme signifikant zu erhöhen. Der Ansatz wird sich in einem neuen Projektantrag niederschlagen, die Ergebnisse zudem auf zwei internationalen Fachkonferenzen vorgestellt.

Christina Hesselbach

Fachbereich Sozialversicherung
Studiengang: Sozialversicherung mit Schwerpunkt Unfallversicherung
Betreuer: Yvonne Adam/Prof. Dr. Laurenz Mülheims
Preisstifter:  Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV e.V.)

Thema der Abschlussarbeit (Bachelor): Islam und Behinderung: Besondere Herausforderungen im Umgang mit behinderten Muslimen. Entwicklung einer Handlungsempfehlung für die Reha-Manager und -Managerinnen der VBG (Verwaltungsberufsgenossenschaft)

Die Abschlussarbeit widmet sich der Frage, wie im Islam das Phänomen einer Behinderung verstanden wird und welche Konsequenzen dies für Gläubige im Alltag mit sich bringt. Die Antwort beziehungsweise eine diesbezügliche Erkenntnis hat zentrale Bedeutung für die Rehabilitation von behinderten Muslimen in Deutschland, etwa nach Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten im Leistungsspektrum der Gesetzlichen Unfallversicherung.

Christina Hesselbach stellt ihre Ausführungen auf der Grundlage unterschiedlicher Sichtweisen von Behinderung an, vergleicht kulturwissenschaftliche und systemtheoretische mit medizinischen Definitionen. Zusätzlich werden zahlreiche Experteninterviews mit Akteuren aus unterschiedlichsten Bereichen geführt, anhand derer klar wird, wie der Islam Behinderung versteht, diese zur Krankheit abgrenzt, welche Bedeutung dies für Familie, religiöse Pflichten, Kommunikation, Motivation und soziale Hilfesysteme hat. Darauf aufbauend entwickelt Christina Hesselbach konkrete Handlungsempfehlungen für das Rehabilitations-Management eines gesetzlichen Unfallversicherungsträgers.