Mehr Frachtsicherheit zu Land und zu Wasser in der EU

Mittwoch, 20. Juni 2018
ID: 
088/05idt/06-2018
Wissenschaftler des multinationalen Projekts C-BORD testen aktuell neue Sicherheitstechnologien zur verbesserten Frachtkontrolle an den Außengrenzen der Europäischen Union. In drei Feldtests werden fünf neue oder verbesserte Detektionsverfahren zur Frachtinspektion an ausgewählten EU-Zollstationen erprobt.
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, IDT
Gefahrstoffcontainer mit Vorrichtung zum Absaugen von Luft und Staubpartikeln. Diese werden dann mit mehreren Systemen auf volatile Substanzen, Drogen und Explosivstoffe getestet. Foto: IDT

Drei Jahre lang haben die Wissenschaftler geforscht und entwickelt, nun geht das Projekt für neue Sicherheitstechnologien in der Frachtbranche an mehreren Zollstationen der EU in die Testphase. Fünf Detektionsverfahren für verbesserte Radarbildgebung und verbesserte passive Strahlungsdetektoren (Gammadetektoren) sowie neue Prototypen für Sicherheitstechnologien, die bislang noch nicht am Markt sind, werden erprobt. Es geht um das Aufspüren von volatilen Stoffen oder Partikeln an Schmuggelgütern, Neutronenaktivierung und Initiierung von Kernreaktionen durch Photoneneinfang. Das Team um Prof. Dr. Peter Kaul vom Institut für Sicherheitsforschung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) zeichnet bei C-BORD für die Detektion von volatilen Stoffen oder Partikeln an Schmuggelgütern verantwortlich.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, IDT
Projekt C-Bord: Vorrichtung zum Absaugen von Luft und Staubpartikeln aus einem Gefahrstoffcontainer. Foto: IDT

Die Prototypen wurden zunächst an einer mobilen Zollstation an der ungarisch-serbischen Grenze aufgebaut, jetzt im Juni an einem mittelgroßen Hafen in Polen und im September an einem der größten, automatisierten Frachthäfen der EU in den Niederlanden. Wissenschaftler, Zoll und Industriepartner arbeiten bei den Feldtests eng zusammen, insbesondere um bei Zusammenspiel und Kombination der neuen Technologien zusätzliche Synergien in der Frachtüberprüfung zu finden. Von besonderer Bedeutung für die Feldtests ist ein neuartiges Visualisierungsinterface, das die gleichzeitige Ansicht aller Daten aus den verschiedenen Prüfprototypen ermöglicht.

Feldtests in mehreren EU-Ländern

„Bei den Feldtests werden wir zunächst vorher ausgewählte kommerzielle Frachtcontainer röntgen und mit passiven Strahlungsdetektoren plus den Gasphasendetektoren überprüfen“, erklärt Professor Kaul. Die große Neuerung sei dabei die vereinfachte Überprüfung der Fracht. „Für alle Verfahren müssen die Container nicht geöffnet werden, was die Überprüfung beschleunigt und erleichtert“, fügt Kaul hinzu. Mit allen fünf Prototypen würden dann parallel Testcontainer überprüft, um Daten zur Effektivität der Prüfungen und den Einsatzmöglichkeiten der Technik bei den EU-Zöllnern vor Ort zu erhalten.

Bislang werden Frachtcontainer typischerweise nur geröntgt. Werden keine Auffälligkeit gefunden, geht der Container seinen Weg. Wird allerding ein Problem festgestellt, muss der Zoll den Container von Hand öffnen und untersuchen – eine zeitfressende und aufwändige Prozedur. Mit den Feldtests hofft das C-BORD-Konsortium, dass die Kombination der verschiedenen Sicherheitstechnologien eine schnelle, sichere und kontaktlose Überprüfung größerer Zahlen von Frachtcontainern ermöglicht. Das aufwändige Öffnen der Frachtbehälter soll damit überflüssig gemacht werden, die große Zahl an Fehlalarmen reduziert und die Trefferquote des Zolls insbesondere bei Drogen und anderer Schmuggelware erhöht werden.
 

Hinweis:

Prof. Dr. Peter Kaul, Direktor des Instituts für Sicherheitsforschung der H-BRS, ist in der Woche vom 25. bis 29. Juni 2018 bei den Feldtests in Polen vor Ort und steht telefonisch für Presseanfragen zur Verfügung.

Kontakt über Eva Tritschler, E-Mail: eva.tritschler@h-brs.de, Tel. 02241/865-641

C-BORD ist ein auf rund vier Jahr angelegtes Großforschungsprojekt, Startschuss war Mitte 2015. Das Projekt wird mit etwa 12 Millionen Euro aus dem EU-Programm „Horizon 2020“ gefördert. Insgesamt sind 18 Partnerorganisationen aus acht EU-Ländern beteiligt. Aus Deutschland ist es neben der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg die Fraunhofer Gesellschaft.