Mit VR-Projekt EPICSAVE auf Learntec-Kongress

Dienstag, 30. Januar 2018
ID: 
042/02ivc/01-2018

Halbzeit im Forschungsprojekt EPICSAVE am Institute of Visual Computing der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS): Der erste Prototyp der Mehrbenutzer-Virtual-Reality ist fertig. Hier können nun angehende Notfallsanitäterinnen und -sanitäter seltene Notfälle trainieren. EPICSAVE wird vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2018 auf dem Learntec-Kongress für digitale Bildung in Karlsruhe vorgestellt.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Angehende Notfallsanitäter trainieren in virtueller Umgebung: Die Situation mit dem Patienten erscheint auf dem Display, das sie vor Augen haben.

Die Digitalisierung macht auch vor der Bildung nicht halt. Das Projekt EPICSAVE am Institute of Visual Computing (IVC) der H-BRS ist ein Beispiel dafür. Hier wird eine auf Virtual Reality (VR) basierende Simulationsumgebung entwickelt, in der angehende Notfallsanitäter und -sanitäterinnen gemeinsam die teambasierte Versorgung seltener Notfälle trainieren können. Die Auszubildenden betreten durch sogenannte Head-mounted Displays – das sind auf dem Kopf getragene Geräte, die Bilder oder Videos auf einem augennahen Bildschirm projiziert – eine virtuelle Lernwelt, in der sie mit einem konkreten Notfallszenario konfrontiert werden.

Mit der Präsentation des ersten Prototyps von EPICSAVE auf dem der Learntec-Bildungsmesse angeschlossenen Kongress erwartet das Konsortium der Projektpartner, neue Kontakte zu knüpfen und fachkundige Resonanz zu erhalten. Der Learntec-Kongress gilt als einer der renommiertesten deutschsprachigen Fachkongresse für digitale Bildung. In einem Vortrag werden Prof. Dr. Jonas Schild (H-BRS und Hochschule Hannover) und Dieter Lerner (Fraunhofer IESE) das Projekt dem Fachpublikum vorstellen.

Das Konzept
Als immersiver Mehrbenutzer-Classroom kann die VR-Umgebung von EPICSAVE von mehreren Auszubildenden als virtuelles Team genutzt werden. Eine Lehrperson startet und steuert über die Software das Szenario und verfolgt über einen Bildschirm das Verhalten der Auszubildenden. Nach einem Trainingsdurchlauf erhalten die Teilnehmer Feedback. Die nicht unmittelbar beteiligten Auszubildenden können die Trainings aus unterschiedlichen Perspektiven am Bildschirm verfolgen. Durch den Einsatz einer voll-immersiven VR können anders als etwa an den derzeit in der Ausbildung genutzten Simulationspuppen andere Faktoren wie z. B. das Präsenzerleben beim Eintauchen in die virtuelle Umgebung oder die dynamisch veränderbare Umgebung für das Training der Auszubildenden genutzt werden.  

Bereits der erste Prototyp hielt erfolgreich der Evaluierung in den beiden Bildungseinrichtungen des Konsortiums in Hamburg und Wetzlar stand und konnte auf zahlreichen Konferenzen und Tagungen präsentiert werden. Neben der offiziellen Anerkennung als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen 2017“ sowie dem Posterpreis für Wissenschaftliche Arbeiten (2. Platz) auf der InSim 2017 erhielt das Projekt von vielen Seiten Bestätigung. Der Beirat, bestehend aus hochrangigen Vertretern der Rettungsdienstbranche sowie aus dem Bereich Serious Games und VR, lobte das Projekt als zukunftsweisend und sagte, es solle „eine feste Säule in der Aus- und Weiterbildung“ von Notfallsanitätern und -sanitäterinnen werden. Auch die Ausweitung der Zielgruppe beispielsweise auf Studierende der Medizin wurde diskutiert.

Ausblick
Parallel zur weiteren Umsetzung und Optimierung des auf VR-Technologie basierenden Simulationstrainings arbeitet das Konsortium an der Vorbereitung der Serious-Game-Entwicklung. Hierzu werden interaktive Prototypen entwickelt, die wichtige Designentscheidungen erproben oder notwendige Funktionalitäten erforschen.

Diese Untersuchungen umfassen etwa einen Kontextwechsel in Spielwelten, um als Spieler physiologische Prozesse in den Blutbahnen nachzuvollziehen, oder die Analyse von fiktionalen Szenarien zur Motivation von Notfallsanitäterinnen und -sanitätern.