Erste hochschulweite Tutorenschulung

Mittwoch, 25. Oktober 2017
Tutoren klären Fragen, die in der Vorlesung offen geblieben sind. Sie wiederholen unklar gebliebene Themen, üben mit praktischen Aufgaben den Lernstoff und stehen den Kommilitonen mit ihrem Rat zur Seite. Aber wer erklärt den Tutoren, zumeist selber Studierende, wie sie einen Unterricht sinnvoll gestalten können? Die Tutorenschulung im Rahmen des Projektes Pro-MINT-us bietet Unterstützung, Weiterbildung und Möglichkeit zum Austausch.

Tutoren sind nah dran an den Themen, die sie unterrichten, da sie oft nur einige wenige Semester höher als "ihre Studenten" selber noch studieren. Doch zwischen Themen verstehen und sie anderen verständlich machen, liegt ein Unterschied. Viele der Tutoren haben als Hintergrund für ihren Unterricht lediglich ihre eigene Erfahrung als Student, aber keine oder wenig Lehrerfahrung. Jill Wolff und Gabriele Menne-El.Sawy, Fachleiterinnen für Englisch und Deutsch am Sprachenzentrum, haben diesen Bedarf aufgegriffen und im Sommersemester 2017 erstmals eine Schulung für die Tutoren aller Fachbereiche hochschulweit entwickelt und durchgeführt.

An zwei Nachmittagen fand die Schulung statt. Hier wurden Kenntnisse der Unterrichtsvorbereitung und ihre didaktische Umsetzung behandelt, aber auch Diskussionen rund um aktuelle Probleme der Tutoren geführt.

Die Tutoren nehmen eine Mittlerrolle zwischen Professoren und Studenten ein. Wie aber tritt man als Lehrer den eigenen Kommilitonen entgegen? Als Eisbrecher zu einer Diskussion um die Frage, welche Eigenschaften einen guten Lehrer ausmachen, wurden die Tutoren gebeten einzuschätzen, welcher Typ "Lehrer" sie sind. Die Spannbreite ging vom "lockeren Kumpel" bis hin zum "strengen Professor". Die Nähe der Tutoren zu den Studierenden hilft diesen, Hemmungen bei Fragen zu überwinden, doch können sich aus diesem Umgang auf Augenhöhe auch Disziplinprobleme ergeben.

Nicht alle Tutoren werden mit identischen Problemen konfrontiert. Themen wie interkulturelle Unterschiede zwischen den Studierenden oder Motivationsprobleme, wenn die Tutorien nicht auf freiwilliger Basis besucht werden, konnten besprochen werden.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Die stolzen Tutoren halten ihre Zertifikate in den Händen!

Um neben der allgemeinen Einführung noch individuelle Tipps für ihren Unterricht zu erhalten, konnten mit Frau Wolff oder Frau Menne-El.Sawy Hospitationen vereinbart werden. Hier benannten die Tutoren im Vorfeld konkrete Punkte, auf die zu achten ist. Im Anschluss wurde der Unterricht reflektiert und Hilfestellung erarbeitet. Alle Teilnehmer der Schulung erhielten eine Teilnahmebescheinigung, für die zusätzliche Hospitation gab es ein Zertifikat.

Neben theoretischer Wissensvermittlung stand vor allem der Austausch der Tutoren untereinander im Mittelpunkt. Für Marc Rempel war die Schulung gerade durch den Kontakt mit den anderen bereichernd: "Die Tutorenschulung war für mich eine gute Gelegenheit, um andere Sichtweisen und neue Erkenntnisse zu erhalten und hat mir persönlich gefallen." Geplant ist nach diesem positiven Auftakt ein Netzwerkaufbau von Tutoren innerhalb der Hochschule. Dieser soll durch Weiterbildung und konstanten Austausch die Qualität gewährleisten.

"Die Tutorenschulung war abwechslungsreich und wurde interessant gestaltet", urteilte Dominik Otto im Anschluss. "Vor allem die Hospitation (mit einem nützlichen Vor- sowie einem Abschlussgespräch) hat mir weitergeholfen, Stärken und Schwächen meines Unterrichtsstils herauszufinden und diesen zu reflektieren." Und auch Marc Rempel hat die Möglichkeit zu einer Hospitation genutzt: "Durch die anschließende Hospitation bekam ich ein Feedback, welches ich anwenden und mich somit verbessern konnte."

Durch solch einen erfolgreichen Start bestätigt, wird im Wintersemester 2017/18 am 10. und 17. November erneut eine Schulung angeboten.