Sprach- und Kulturtandem etabliert sich im Unterricht

Freitag, 28. Juli 2017
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Natalia Atensova und Ali Khalil, Tandempaar im Kurs Intercultural Communication

Lernen kann so angenehm sein! Ein Kaffee bei Starbucks, ein Bummel durch den Haribo-Shop und anschließend entspannt auf der Bonner Hofgartenwiese quatschen.  Was wie ein Treffen unter Kommilitonen anmutet, ist für Natalia Atensova und Ali Khalil, Studierende der Studiengänge International Management und Maschinenbau, Teil des Unterrichts in dem Kurs "Intercultural Communication", kurz ICC. Natalia kommt aus Bulgarien und Ali ist Deutsch-Ägypter. Beide studieren in Deutschland. Eine Begegnung von unterschiedlichen Kulturen wie sie im heutigen Berufsleben immer wieder vorkommt. Hier üben sie für den "Ernstfall".

Was seinerzeit von Claudia Ruiz Vega, Initiatorin des Tandem-Projektes an der H-BRS und Fachleiterin für Spanisch am Sprachenzentrum, als eine Plattform des Kennenlernens zum Sprachenaustausch gedacht war, etabliert sich nun als interaktive Unterrichtsmethode. Ursprünglich stand das Sprachenlernen im Vordergrund. Zwei Muttersprachler treffen sich regelmäßig und sprechen abwechselnd die Sprache des einen und dann des anderen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Das Tandem-Projekt wurde immer beliebter bei den Studierenden, die Zeit und Mühe in den Austausch investieren. Immer mehr rückte hierbei auch der kulturelle Austausch in den Vordergrund. Der Sprung zu dem Kurs "Intercultural Communication" war nicht weit.

In den ICC-Kursen sowohl am Campus Sankt Augustin, unterrichtet von Olaf Lenders, Jill Wolff und Claudia Ruiz Vega, als auch am Campus Rheinbach bei Eileen Küpper wurden im Sommersemester 2017 Tandem-Paare gebildet. Vertreten waren dabei Studierende verschiedenster Studiengänge aus Nationalitäten wie Ägypten, China, Dubai, Kamerun, die Komoren, Südafrika, Syrien und Deutschland. Ein Teil der Teilnehmer waren ausländische Studierende in Sankt Augustin, Rheinbach oder an der Deutschen Welle-Akademie, andere sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und nehmen an den Deutschkursen an unserer Hochschule teil. 

Dass es mit Kaffeetrinken nicht getan ist, davon zeugen umfangreiche Journale. Verschiedene Programmpunkte gaben dem Projekt einen Rahmen: Ein gegenseitiges Interview war wichtiger Bestandteil des Sprach- und Kulturtandems. Inhalte wie die Stellung der Frau in der Gesellschaft oder der Umgang mit Älteren in der jeweiligen Kultur wurden zwischen den Tandempartnern thematisiert und in einem anschließenden Text erarbeitet. Social Events wurden organisiert und sollen dem Partner die eigenen kulturellen Gebräuche näherbringen.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Teilnehmer des Tandemprojektes im Kurs ICC

Über den Tellerrand hinausschauen kann hier wörtlich genommen werden, denn auch die Essgewohnheiten des Tandempartners kamen auf den Tisch – im wahrsten Sinne des Wortes. Carolin Konnerth aus Deutschland und Uzma Ishaq aus Pakistan haben sich als Tandempartner im Sommersemester gefunden. Uzma hat Carolin zu einem Iftar eingeladen. Beim Iftar, dem traditionellen Abendmahl während des Fastenmonats Ramadan, werden Speisen erst nach dem Sonnenuntergang eingenommen. Sie werden traditionell auf dem Boden sitzend gegessen. Natürlich hatte Uzma auch Spezialitäten ihres Landes gekocht. Und diese waren sehr scharf!

Das Sprach- und Kulturtandem lockt aus der Komfortzone heraus. Denn nicht nur mit einer fremden Kultur kommen die Studenten auf diesem Wege in Berührung. Konfrontiert mit fremden kulturellen Sitten und Kontexten wird die eigene Kultur anhand von Theorien, die im Kurs behandelt werden, bewusst vor Augen geführt und reflektiert. So etablierten sich Sprach- und Kulturtandems dieses Sommersemester als interaktive Unterrichtsmethode in den Kursen "Interkulturelle Kommunikation" am Sprachenzentrum.