Fachbereich Sozialpolitik und Soziale Sicherung
Abschlussveranstaltung Sicher. Souverän. Vernetzt. - Forschungsprojekte CrossComITS und NEBULA
Die Tagung richtete sich ausdrücklich nicht nur an die wissenschaftliche Community, sondern ebenso an regionale Initiativen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Akteur:innen aus Bildung und Wirtschaft, die sich mit digitaler Teilhabe und Medienkompetenz befassen. Dabei kamen auf dem Campus Sankt Augustin Forschende verschiedener Disziplinen, Vertreter:innen aus Zivilgesellschaft und Politik sowie Studierende und Akteur:innen aus der Wirtschaft zusammen. Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, sich im Feld digitaler Resilienz und Transformation auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Perspektiven für zukünftige Kooperationen zu entwickeln.
Nach der Begrüßung durch Prof. Hektor Haarkötter und Prof. Wolfgang Heiden eröffnete Dr. Laura Braam, Justiziarin der Landesanstalt für Medien NRW, die Veranstaltung mit einer Keynote zu aktuellen Herausforderungen digitaler Öffentlichkeiten. Sie betonte insbesondere den Umgang mit Desinformation und Fake News im Netz. Im Anschluss wurden die Ergebnisse der Forschungsprojekte vorgestellt: der Lehr-Lern-Plattform CrossComITS und der NEBULA-App. CrossComITS verfolgt das Ziel, Cybersicherheitskompetenzen speziell für vulnerable gesellschaftliche Gruppen aufzubereiten und über eine cross-mediale Community-Plattform niedrigschwellig zugänglich zu machen. Die NEBULA-App hingegen ist eine digitale Anwendung, die mit KI-gestützten Methoden dabei hilft, Falschinformationen zu erkennen. Beide Projekte zeichneten sich durch eine werteorientierte, sozial verantwortliche Technologiegestaltung aus, die durch qualitative und quantitative Begleitforschung die Perspektiven und Bedürfnisse vulnerabler Gruppen von Beginn an einbezog. Die Präsentationen stießen auf großes Interesse und regten intensive Diskussionen darüber an, wie digitale Resilienz in einer zunehmend vernetzten Gesellschaft gestärkt werden kann.
Die Vielfalt der Beiträge zeigte eindrucksvoll, wie interdisziplinär digitale Sicherheit gedacht werden muss. Im CrossComITS-Projekt wurden unter anderem qualitative Analysen zu Sicherheitswahrnehmungen in mehrsprachigen Communities vorgestellt, neue didaktische Ansätze zur Vermittlung von IT-Sicherheitskompetenzen für ältere Erwachsene diskutiert sowie Ergebnisse aus Usability-Studien zu Phishing-Szenarien und Cookie-Bannern präsentiert. Auch Forschung zu gamifizierten Lernformaten und storytelling-basierten Informationsangeboten war Teil des Programms. Im NEBULA-Projekt standen die Dynamiken von Desinformation im Mittelpunkt. Forschende aus der Informatik zeigten, wie KI-basierte Verfahren eingesetzt werden können, um Falschinformationen auf Plattformen wie TikTok, X oder Telegram zu identifizieren. Gemeinsam wurde diskutiert, welche Bedeutung Vertrauen für digitale Öffentlichkeiten hat und wie gemeinwohlorientierte Technologien dazu beitragen können, dieses Vertrauen zu stärken.
Besonders deutlich wurde im Laufe der Tagung, dass technologische Lösungen nur dann nachhaltig demokratiefördernd wirken, wenn auch jene Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden, die in Trainingsdaten oder algorithmischen Entscheidungsprozessen oft marginalisiert sind. Die Diskussionen unterstrichen deshalb, wie entscheidend es ist, ethische und soziale Werte frühzeitig in die Entwicklung digitaler Systeme einzubeziehen. Dies gilt insbesondere, wenn sie vulnerable Gruppen im digitalen Raum in Bezug auf ihr zivilgesellschaftliches Engagement unterstützen sollen.
Mit dem Abschlusstag gingen zwei Forschungsprojekte zu Ende, die sich über drei Jahre hinweg intensiv mit digitalen Risiken, Medienkompetenz und gesellschaftlicher Verantwortung befasst haben. Die beteiligten Hochschulen und Partner - darunter die Universität Siegen, die TU Darmstadt, die Universität Paderborn, die Katholische Hochschule NRW sowie das Technologieunternehmen NanoGiants - zogen ein klares, positives Fazit. Die erzielten Ergebnisse sollen in weiterführende Forschungsvorhaben, Publikationen und neue Kooperationsprojekte einfließen. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg betonte zum Abschluss, wie wichtig es sei, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur zu gewinnen, sondern auch in die Gesellschaft zurückzuspielen, insbesondere in Zeiten, in denen digitale Souveränität zu einer zentralen Voraussetzung gesellschaftlichen Zusammenhalts geworden ist.
Kontakt
Hektor Haarkötter
Professur Kommunikationswissenschaft, Schwerpunkt politische Kommunikation
Forschungsfelder
Standort
Sankt Augustin
Raum
F 205
Adresse
Grantham-Allee 2-8
53757, St. Augustin
Telefon
02241-865-732