Zwischen Lehre, Forschung und praktischer Anwendung

Dienstag, 24. Juli 2018
An Nordrhein-Westfalens Hochschulen herrscht in einigen Fachbereichen ein Mangel an geeigneten Professoren. Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft im August 2016 das Förderprogramm "Karrierewege FH-Professur" aufgelegt. Zwei Programmteilnehmer berichten ein Jahr nach Tätigkeitsbeginn an der H-BRS von ihren ersten Erfahrungen.
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
V.l.: Prof. Dr. Margit Geißler, Dr. Jan Kleinert, Dr. Johannes Steinhaus, Prof. Dr. Dirk Reith

"Karrierewege FH-Professur" an der H-BRS

Zwei der insgesamt 80 Teilnehmer des Programms stellt die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, genauer gesagt das Institut für Technik, Ressourcenschonung und Energieeffizienz (TREE): Jan Kleinert wurde bereits promoviert und war als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI) in Sankt Augustin tätig. Auf dem Weg zur FH-Professur fehlen ihm nun noch die Lehrerfahrung an der Hochschule sowie drei Jahre praktische Berufserfahrung. Seit Juni 2017 hält er Lehrveranstaltungen an der HBRS. Parallel dazu arbeitet er beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), wo er unter anderem eine Software zur Erstellung und Optimierung von Flugzeuggeometrien entwirft. Auch für Johannes Steinhaus war "Karrierewege FH-Professur" genau das Sprungbrett, das ihm noch gefehlt hat. Schon seit einigen Jahren lehrt und forscht Steinhaus an der H-BRS. Zu seinen Fachgebieten zählen unter anderem die Kunststoffwissenschaften, beim TREE ist er als Geschäftsführer tätig. Im Rahmen des Förderprogramms arbeitet er jetzt jeweils mit der Hälfte seiner Arbeitszeit im Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften und als Kunststoffwissenschaftler bei der BHC Gummi-Metall GmbH in Meckenheim.

Industrieerfahrung und Forschung kombinieren

Nach dem ersten Jahr des Programms ist es nun Zeit für eine erste Zwischenbilanz. „Es ist toll, dass ich Industrieerfahrung sammeln kann, ohne meinen geliebten Job an der Hochschule aufgeben zu müssen“, sagt Steinhaus. „Das war es, was mich bisher davon abgehalten hat, mich für eine Professur zu bewerben.“ Alle Beteiligten sehen das Förderprogramm „Karrierewege FH-Professur“ bislang als großen Erfolg an. Dazu gehören auch die Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der HBRS, Prof. Dr. Margit Geißler, und der geschäftsführende Direktor des TREE, Prof. Dr. Dirk Reith. Er sagt: „Wir sind stolz darauf, dass auch die Attraktivität der Einbettung in eine forschungsstarke Umgebung - wie TREE sie bietet - Teil des gemeinsamen Erfolgs ist.“

Wie Kleinert anschaulich vor Augen führt, liegen die Vorteile dabei keineswegs nur auf Seiten der Hochschule und desjenigen, der eine Professur anstrebt. Auch die Unternehmen würden auf lange Sicht noch mehr von der Kooperation profitieren. Sich selbst sieht er dabei auch in einer Art Vermittlerrolle: „Durch meine Arbeit beim DLR kommen praxisnahe Themen an die Hochschule, die wiederum junge Studierende für einen Job in der Luft- und Raumfahrt begeistern.“ So kämen sich Industrie-Unternehmen und Hochschule näher.

Eine Garantie im Anschluss an das Programm auch wirklich als Professor genommen zu werden, gibt es natürlich nicht. Sowohl Steinhaus als auch Kleinert werden das vorgeschriebene Einstellungsverfahren durchlaufen müssen. Genaue Vorstellungen von ihrer Professur haben sie aber beide: Kleinert hat an der H-BRS bereits Simulationsthemen ins Auge gefasst. Steinhaus plant, die Material- und Kunststoffwissenschaften an der Hochschule weiter voran zu treiben. Des Weiteren möchten beide auch ihre Verankerung im TREE über das Programm hinaus beibehalten.

Autor: Max Dittler