Forschungs- und Transfernetzwerk zu nachhaltiger öffentlicher Beschaffung in NRW

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Die öffentliche Beschaffung bietet die Chance, umweltverträgliche und fair gehandelte Produkte bei Ausschreibungen zu berücksichtigen. Sie birgt somit großes Potenzial.

Projektbeschreibung

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Auch bei der öffentlichen Beschaffung stehen die Zeichen auf Nachhaltigkeit. Bild: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

NRW verfügt mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von ca. 50 Milliarden Euro über eine enorme Marktmacht. Zunehmende Anforderungen an die Nachhaltigkeit dieser von der öffentlichen Hand nachgefragten Produkte haben bereits positive Effekte gezeigt. Gleichzeitig besteht hinsichtlich der Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte in öffentlichen Ausschreibungsverfahren noch Verbesserungspotential. Unser Forschungs- und Transfernetzwerk zu nachhaltiger öffentlicher Beschaffung in NRW widmet sich der Identifizierung relevanter Barrieren und Treiber, Wertschöpfungsketten, sowie potentieller Lösungsoptionen.

Handlungsebene 1: Empirische Erkenntnisse

Das Forschungs- und Transfernetzwerk wird zunächst in drei Arbeitspaketen praxisorientiertes transformatives Wissen generieren:

Akteure und Netzwerke: Das Feld regelsetzender, regelumsetzender sowie beratender Akteure und Netzwerke zum Thema nachhaltige Beschaffung ist divers und bislang nur unzureichend erfasst. Das Ziel dieses Arbeitspakets ist es daher, relevante Stakeholder zu identifizieren und ihre Rollen zu analysieren.

Öffentliche Beschaffung in NRW (Systemwissen): Beschaffungsprozesse in NRW verlaufen je nach Verwaltungseinheit und Art der öffentlichen Körperschaft höchst unterschiedlich. Daher werden im zweiten Arbeitspaket diese Prozesse detailliert beschrieben und analysiert. Eine weitere Frage ist, welche Treiber und Blockaden identifiziert werden können, die die Transformation in Richtung eines nachhaltigen Beschaffungswesens fördern oder behindern. Darüber hinaus werden Instrumente erfasst, die nachhaltige Beschaffungspraktiken der öffentlichen Hand dauerhaft sicherstellen können. 

Transformative Wissensbasis (Zielwissen): Es liegen kaum belastbare Daten und Informationen darüber vor, welche Produktgruppen in besonderem Maße nachhaltigkeitsrelevant sind und welche Handelspartner dabei wichtig sind. Im dritten Arbeitspaket werden erste Wissenselemente zu diesen Aspekten zusammengetragen sowie Forschungsfragen für künftige Projekte des Netzwerks entwickelt.

Handlungsebene 2: Stakeholderdialog und Wissensdiffusion

Entsprechend unserer transformativen Forschungsagenda stellt ein intensiver Dialog mit Praktikern bei der Identifikation von Forschungslücken und deren Bearbeitung eine zentrale Handlungsebene unseres Netzwerks dar. Weiterhin entwickeln wir Ansätze für eine effektive Diffusion von relevantem Wissen in die Praxis.

Komponenten des Stakeholder-Dialogs stellen neben partizipativen Workshops auch Interviews zu den zentralen Fragestellungen unseres Netzwerks sowie eine enge Kooperation mit Praktikern bei der Datenbeschaffung und -analyse dar. Weiterhin beziehen wir die Praxisebene aktiv in die Entwicklung unserer Forschungsagenda mit ein. Gleichzeitig sind wir bestrebt, unsere Forschungsergebnisse verständlich und umsetzungsorientiert aufzuarbeiten um eine möglichst effektive Wissensdiffusion sicherzustellen.

Handlungsebene 3: Neue Projektthemen

Neben der Entwicklung erster empirischer Ergebnisse verfolgt unser Netzwerk das Ziel, innovative Forschungsfragen und Projektthemen zu identifizieren. Auf dieser Grundlage werden wir neue Projekte in Angriff nehmen. Dabei wollen wir im Sinne des Praxis- und Transfergedankens neben forschenden Einrichtungen auch die Praxisebene ansprechen. Kooperationen mit Kommunen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft sind ebenso möglich wie Projekte im engeren wissenschaftlichen Kontext. Thematisch und räumlich wollen wir im Zuge dieser Entwicklung den NRW-Fokus erweitern. Neben europäischen Policy-Vergleichen stellt eine stärkere Hinwendung zum Beschaffungswesen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine Option dar. Zentrale Themen, wie die Identifikation nachhaltigkeitsrelevanter Produktgruppen für den öffentlichen Sektor sowie die Analyse entsprechender Wertschöpfungsketten werden auch in der Folgephase eine wichtige Rolle spielen.

 

Projektleitung an der H-BRS

Prof. Dr. Wiltrud Terlau

Gründungsdirektorin, Internationales Zentrum für Nachhaltige Entwicklung - IZNE
Professur für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Prof. Dr. Terlau Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
E-Mail: 
wiltrud [dot] terlau [at] h-brs [dot] de

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