Kommunikation und Marketing

Ahmad Drak: Der Überflieger

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Dienstag, 30. Januar 2024

Ahmad Drak ist der „Drone-Guy“. Da er sowohl Elektrotechnik als auch Autonome Systeme studiert hat, kann er die fliegenden Roboter nicht nur designen und konstruieren, sondern auch für eigenständige Einsätze programmieren. Im Projekt „Garrulus“ arbeitet er aktuell daran, zerstörte Waldgebiete mit Hilfe moderner Technologie wieder aufzuforsten. Sein Antrieb: durch Forschungsarbeit wirklich etwas verändern. Dass er diesen Traum heute an der H-BRS verfolgt, hat auch mit einem seiner früheren Autos zu tun.

Ahmad Drak hätte einen einfacheren Weg beschreiten können. Sein Bachelorstudium in Elektrotechnik absolvierte er an der Universität der Vereinigten Arabischen Emirate. Dort, in seiner Heimatstadt Al-Ain, hatte er Freunde, Familie, ein soziales Netzwerk, und er hätte sicherlich irgendeinen Job finden können. Doch Drak wollte nicht nur irgendeinen Job. Er hatte bereits als Kind den Entschluss gefasst, dass seine Arbeit später einmal einen Unterschied machen würde. Als Sohn syrischer Einwanderer hatte er in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo die Bevölkerung zu knapp 90 Prozent aus Arbeitsmigranten besteht, nur auf dem Papier eine freie Karrierewahl: „Ich habe damals versucht, eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu bekommen. Man sagte mir geradeheraus, dass ich den Job nicht bekomme, weil ich Syrer sei. Aber ich wollte unbedingt in der Wissenschaft bleiben“, sagt Drak. Also beschloss er kurzerhand, sich auf Masterprogramme im Ausland zu bewerben.

Ein Neuanfang 5000 Kilometer von zu Hause entfernt

Deutschland zählte dabei zunächst nicht zu den Zielen: „Ich habe mich am Anfang nur auf Studiengänge in den USA und Kanada beworben. Eines Abends bin ich nach einem langen Tag zum Parkplatz gegangen, auf dem mein Auto stand, ein BMW. Ich mochte das Auto und ich hatte auch Positives über Deutschland gehört. Da habe ich spontan beschlossen, mich auch dort umzuschauen“, so Drak. Wenige Monate später, im September 2014, bezog er seine Wohnung im Studentenwohnheim in Sankt Augustin und begann sein Studium im Masterstudiengang Autonomous Systems – knapp 5000 Kilometer Luftlinie von seiner Heimat entfernt.

„Natürlich war in der Anfangszeit nicht alles einfach, Englisch zu sprechen war zum Beispiel noch nicht so normal wie es das heute ist. Aber darüber hinaus habe ich die Deutschen als sehr offen, einladend und interessiert wahrgenommen. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass ich als syrischer Staatsbürger oft für einen Flüchtling gehalten wurde und dieser Gruppe wesentlich gastfreundlicher begegnet wurde, als das heute der Fall ist“, erinnert sich Drak.

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Die H-BRS präsentierte das Projekt eTa im Jahr 2018 in der Villa Hammerschmidt in Bonn. Mit dabei: Prof. Alexander Asteroth (4.v.l.) und Ahmad Drak (r.). Foto: privat

Trotzdem war der Start in dem fremden Land und dem neuen Studienfach holprig, sagt der heutige Doktorand: „Die ersten beiden Jahre hier waren extrem hart für mich. In dieser Zeit habe ich meine ambitionierten Ziele etwas aus den Augen verloren.“ Das änderte sich, als er sich als wissenschaftliche Hilfskraft bei Alexander Asteroth bewarb. Der Professor hatte einen Arbeitsauftrag mit sehr spezifischen Anforderungen für ihn: Um die aerodynamischen Eigenschaften des Velomobils, eines windschnittigen, muskelkraftbetriebenen Fahrzeugs, unter realen Bedingungen zu testen, benötigte er eine Drohne, die bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell fliegen und dabei stabile Videoaufnahmen vom Fahrzeug produzieren konnte. „So eine Drohne gab es damals noch nicht. Ich hatte zu der Zeit zwar schon Erfahrung mit dem Aufbau von Drohnen, aber das Projekt war nochmal auf einem ganz anderen Level“, sagt Drak. Das hatte auch damit zu tun, dass die Drohne das Fahrzeug eigenständig verfolgen sollte. Die Kamera sollte als Sensor fungieren, der die Umgebung beobachtete und damit die Fortbewegung steuerte. Der Autonomous-Systems-Student musste sein Wissen aus dem Masterstudium nun in die Praxis bringen.

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Ein Team des WDR berichtet über das Projekt Garrulus. Ahmad Drak justiert die Drohne vor dem Flug. Foto: Pascal Schröder

Mit Forschung einen Unterschied machen

Im Verlauf der nächsten Monate vergrub sich Drak in die Arbeit, entwarf ein Design, kaufte Bauteile ein, programmierte, testete. Am Ende präsentierte er ein voll funktionsfähiges Produkt. Für die Masterarbeit, die er im Anschluss verfasste, erhielt er im Jahr 2017 den Förderpreis der Hochschulgesellschaft: „Es war das erste Mal, dass ich einen Preis für meine Leistung bekommen habe, und es hat mich wirklich demütig gemacht. Die Auszeichnung hat mir die Bestätigung gegeben, dass ich das wirklich kann und dass meine Fähigkeiten gebraucht werden. Es ist etwas, das die Menschen hier in Deutschland benötigen. Das hat mir viel bedeutet“, sagt Drak.

Im Anschluss daran bot Asteroth dem Nachwuchsforscher eine Stelle als Doktorand an, und das Forschungsprojekt „Garrulus“ entstand, in dem Drak nun seit 2020 als Projektmanager aktiv ist. Das Team versucht mit Hilfe moderner Technologie zerstörte Waldgebiete wiederaufzuforsten. Dabei spielen wiederum Drohnen eine wichtige Rolle: „Im ersten Schritt überfliegen wir das Waldgebiet. Die Drohne ist dabei mit verschiedenen Sensoren ausgestattet. Aus den Daten erstellen wir ein 3D-Modell des Waldbodens und identifizieren geeignete Orte, an denen wir dann Baumsamen ausbringen“, erklärt Drak. Bis Ende 2026 möchte die Forschungsgruppe ein funktionsfähiges System präsentieren. Eine Menge Arbeit, die sich für den Wissenschaftler aber absolut lohnt: „Wir haben ein tolles Team. Maximilian Johenneken, Brennan Penfold und die mitwirkenden Studierenden geben jeden Tag ihr Bestes, damit wir am Ende erfolgreich sind. Denn Garrulus ist für uns nicht nur ein Projekt. Wir haben das Gefühl, hier einen Beitrag für die ganze Gesellschaft leisten zu können.“ Zu einem Teilaspekt der Forschung verfasst er daneben seine Doktorarbeit. Dieses Projekt hat Drak bewusst so definiert, dass die Ergebnisse nicht entscheidend für den Erfolg von „Garrulus“ sind. Denn es geht dem Forscher um mehr als einen Doktortitel.

 

Text: Pascal Schröder

Kontakt

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Ahmad Drak

Projekt Garrulus, wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktorand

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