Schlaue Sprüche: Promotion für die Promotion

Montag, 13. Mai 2019
Pünktlich zum Tag der Forschung wurden im Mai 2019 an den Standorten Rheinbach und Sankt Augustin insgesamt 15 überlebensgroße Banner mit Gesichtern und markanten Sprüchen von an der H-BRS Promovierenden aufgehängt. Verantwortlich für die Aktion ist das Graduierteninstitut, das derzeit knapp 100 Doktorandinnen und Doktoranden der Hochschule berät und fachübergreifend weiterbildet.
Banner der Promotion-Aktion des Graduierten-Instituts der H-BRS am Campus Rheinbach, 2019
Die Banner der Promovierenden und vom Tag der Forschung am Campus Rheinbach der Hochschule

Im Interview beantwortet Dr. Barbara Hillen vom Graduierteninstitut Fragen zu Hintergründen und Zielen der innovativen und multimedialen Aktion.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

H-BRS: Hallo Barbara, kannst Du uns sagen, wie es zu der Idee mit den GI-Bannern kam?

Barbara Hillen: Ich unterhielt mich mit Studenten, die gar nicht wussten, dass an unserer Hochschule überhaupt geforscht wird. Auch in Gesprächen mit Vertretern von Unternehmen und Forschungseinrichtungen habe ich wiederholt festgestellt, dass weitestgehend Ungläubigkeit herrscht, wenn ich erzähle, dass an unserer Hochschule knapp 100 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an ihren Doktorarbeiten schreiben. Deshalb sahen wir im Graduierteninstitut die Notwendigkeit, die Forschung an unseren Standorten sichtbarer zu machen.

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H-BRS: Warum habt Ihr dann genau diese Art der Sichtbarkeit gewählt?

Hillen: Zum einen hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf zu erfahren und zu sehen, welche Forschungsthemen mit Steuergeldern finanziert werden. Die Zeit der Forschung im Elfenbeinturm ist vorbei. Man könnte auch sagen, dass Forschung hier einer Bringschuld nachkommt.

Zum anderen erleben wir aber immer wieder, dass wissenschaftlich belegte Ergebnisse zu wenig in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Komplizierte Sachverhalte aufzuschlüsseln und so herunterzubrechen, dass möglichst viele Menschen sie verstehen, ist ja auch enorm schwierig. Die angewandte Wissenschaft ist hier besonders gefragt, weil sie noch stärker am Puls der Zeit agiert als die Grundlagenforschung.

Wenn man nicht in der Lage ist, sein Thema einem fachfremden Publikum in wenigen verständlichen Sätzen zu erklären, gerät man leicht ins Hintertreffen. Bestes Beispiel dafür ist die jüngste Diskussion über Stickoxidwerte. Gestern standen Lungenfachärzte in der Öffentlichkeit, morgen können es aber genauso gut Fachleute aus der Robotik oder der Humangenetik sein. Idealerweise beherrschen Wissenschaftler heute die ganze Bandbreite der Kommunikation, um gehört und wahrgenommen zu werden – von Peer Review bis Twitter. Unsere Banner sind zwar auf den ersten Blick analog, doch werden sie auch online über Social Media den Weg an die Öffentlichkeit finden.

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H-BRS: Wie sieht Eure Strategie konkret aus?

Hillen: Anstatt mit dem erhobenen Zeigefinder loszuziehen, haben wir uns vom Graduierteninstitut für Sprüche mit einem Augenzwinkern entschieden. Sprache erlaubt uns mithilfe von Bildern, Geschichten und Vergleichen Schwieriges verständlicher zu machen. Wir haben auch bewusst mit Klischees gespielt, um Vorurteilen gegenüber Wissenschaftlern entgegenzuwirken. Der Spruch Angewandte Wissenschaft ist wirklich Haarspalterei ist ein gutes Beispiel dafür. Man würde hier einen vergeistigten Forscher im stillen Kämmerlein erwarten und sieht stattdessen eine sympathische Biologin, die DNA anhand von Haaren erforscht und somit bei der Verbrechensbekämpfung hilft.

H-BRS: Also können vergeistigte Forscher keine sympathischen Biologen sein?

Hillen: Die Sprüche sind nur Teaser, um die Aufmerksamkeit der Vorbeigehenden zu gewinnen. Auf jedem Banner ist ein QR-Code platziert, über den man zu einer etwas längeren, aber noch immer sehr verständlichen Erklärung des jeweiligen Forschungsprojekts gelangt. Wer ein noch tiefergehendes Interesse hat, den laden wir darüber auf Seiten mit Details zu einzelnen Forschungsprojekten ein. Die Hemmschwelle, überhaupt dorthin zu gelangen, ist somit niedrig.

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H-BRS: Wie habt Ihr die Personen auf den Bannern ausgewählt?

Hillen: Wir haben die Idee zur Aktion in der Vollversammlung der PhDs, die zwei Mal im Jahr tagt, vorgestellt, wo sie demokratisch beschlossen wurde. Auch der Institutsrat und die Kommunikationsabteilung der Hochschule wurden eingebunden. Schließlich haben sich alle Teilnehmenden freiwillig gemeldet und ihre Sprüche zum großen Teil selbst entwickelt. Dieser Prozess war uns wichtig, da die Doktorandinnen und Doktoranden auf diese Weise viel authentischer sind, als es bezahlte Models jemals sein könnten. Ich bin sehr stolz auf unsere "GI-Köpfe", denn es handelt sich allesamt um neugierige, vielseitig interessierte und leidenschaftlich Forschende unserer Hochschule.

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H-BRS: Was erhofft Ihr Euch konkret von der Banner-Aktion?

Hillen: Zunächst einmal möchten wir zeigen, wie vielfältig und spannend die angewandte Forschung an der H-BRS ist und auf welch hohem Niveau hier mit Partnern (Universitäten, Unternehmen, Forschungseinrichtungen etc.) kooperativ auf Augenhöhe geforscht wird. Zum anderen kann jede Person auf einem Banner ein Vorbild für Studierende sein. Wenn sich auch nur eine Studentin oder ein Student ermutigt fühlt, den Weg in die Forschung zu gehen und sich persönlich mehr zuzutrauen, dann haben wir unser Ziel erreicht.

H-BRS: Liebe Barbara, vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten!

Das Graduierteninstitut der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg wurde zum 1. Januar 2010 gegründet. Seit 1. Juni 2011 leitet der Gründungsdirektor, Prof. Dr.-Ing. Rainer Herpers, das Institut und wird seit 2012 von der Geschäftsführerin, Dr. Rita Cornely, unterstützt. Dr. Barbara Hillen verstärkt seit 2017 als wissenschaftliche Referentin das Team. Das Institut bietet eine Plattform, um zielgerichtet erfolgreiche Einzelinitiativen in der Promotionsunterstützung der Fachbereiche zu bündeln, weiterzuentwickeln und sichtbarer zu machen.