Fachbereich Sozialpolitik und Soziale Sicherung

Rückblick: Wenn Waren wandern – Wissenschaftliche Perspektiven auf Lieferketten und eine dekoloniale Kritik

Montag, 22. Dezember 2025

Am Mittwoch, den 17. Dezember, fand der zweite Termin der Veranstaltungsreihe „Sustainability in Trade!? – Menschenrechte und Umweltschutz in Lieferketten“ im Rahmen der Ringvorlesung „Zwischenrufe zur Sozialpolitik“ statt.

Der Vortrag mit dem Titel „Wenn Waren wandern: Wissenschaftliche Perspektiven auf Lieferketten, Warenströme, Produktionsnetzwerke – und eine dekoloniale Kritik“ beleuchtete globale Warenströme und Lieferketten aus wissenschaftlicher Perspektive. Dabei wurde deutlich, dass Lieferketten kein neues Phänomen sind, ihr heutiges Ausmaß jedoch eng mit der Globalisierung verknüpft ist.

Polina Snopkov, Research Assistant am Global South Studies Center der Universität zu Köln, zeigte, wie das „Wandern von Waren“ seit den 1970er Jahren mithilfe unterschiedlicher theoretischer Ansätze beschrieben wird – etwa durch die Weltsystemtheorie oder das Konzept der Global Commodity Chains (GCC) nach Gary Gereffi. Anhand von Beispielen aus der Bekleidungs- und Einzelhandelsindustrie, darunter Unternehmen wie Nike oder Mattel, erläuterte Snopkov die Unterschiede zwischen produzentengesteuerten und käufergesteuerten Warenketten.

Darauf aufbauend stellte Snopkov die Weiterentwicklung zu den Global Value Chains (GVC) vor, die als Reaktion auf die zunehmende Globalisierung entstanden sind und analysieren, wo und unter welchen Bedingungen Wertschöpfung entlang globaler Lieferketten stattfindet. Zugleich wurde auch Kritik an diesem Ansatz diskutiert: Das Konzept der Globalen Produktionsnetzwerke hebt hervor, dass Produktionsprozesse dynamischer, komplexer und von einer Vielzahl an Akteur*innen sowie Einflussfaktoren geprägt sind, als es klassische Governance-Modelle nahelegen.

Einen zentralen Schwerpunkt des Vortrags bildete die dekoloniale Kritik an ökonomischen Theorien. Unter Bezugnahme auf Arbeiten von Aníbal Quijano und Walter Mignolo machte Polina Snopkov deutlich, dass westliche Wirtschaftswissenschaften historisch in koloniale Machtverhältnisse eingebettet sind und diese Perspektiven bis heute fortwirken. Insbesondere der ökonomische Wertbegriff wurde kritisch hinterfragt: Welche Tätigkeiten gelten als wertschöpfend – und welche Formen von Arbeit und Wissen bleiben unsichtbar?

Abschließend stellte Snopkov alternative Ansätze vor, die feministische, ökologische und dekoloniale Perspektiven miteinander verbinden. Am Beispiel von waste pickers in Brasilien zeigte sie, dass der Globale Süden nicht nur als Ort für Feldforschung dient, sondern auch als Quelle eigenständiger theoretischer Impulse und wertvollen Wissens verstanden werden sollte.

In der anschließenden Diskussion setzten sich die Teilnehmenden unter anderem mit dem Verhältnis der vorgestellten Ansätze zur klassischen Außenhandelstheorie auseinander sowie mit der Frage, wie Klimaschutz und wirtschaftliches Handeln innerhalb planetarer Grenzen in der Forschung stärker berücksichtigt werden können.

Der dritte Termin der Veranstaltungsreihe findet am Mittwoch, den 14. Januar um 15:30 Uhr statt.

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Patrick Baues

Patrick Baues

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Studiengangskoordinator Nachhaltige Sozialpolitik (B.A.), Geschäftsführer Forum Sozialversicherungswissenschaft e.V.

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