Institut für Sicherheitsforschung (ISF)
H-BRS zeigt Projekt HiLeit bei Kommunikationsübung des Bundes
H-BRS zeigt Projekt HiLeit bei Kommunikationsübung des Bundes
Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) hat an der MURE26 („Mutuality/Reciprocity 2026“) in der Oberlausitz teilgenommen, einer Kommunikationsübung des Bundes mit über 1.100 Einsatz- und Rettungskräften von Feuerwehren, Rettungsdiensten, Polizei, Bundespolizei, Technischem Hilfswerk (THW) und der Bundeswehr. Die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Michael Rademacher vom Institut für Sicherheitsforschung (ISF) stellte dort am 28. und 29. Oktober das Forschungsprojekt HiLeit mit einer Demonstration vor.
Die Einsatzkräfte übten auf der MURE26, wie sie bei einer Großschadenslage über Organisationsgrenzen hinweg miteinander kommunizieren können. Am Besuchstag wurden außerdem neue Lösungen für die breitbandige Einsatzkommunikation vorgestellt. HiLeit war eine davon. Eingeladen hatte die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS). Mit der H-BRS dabei waren die Projektpartner vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) und dem Malteser Hilfsdienst. Ausgerichtet wurde die MURE26 vom Bundesinnenministerium und dem Bundesverteidigungsministerium, zusammen mit dem Freistaat Sachsen und dem Landkreis Görlitz.
Das Projekt-Team baute den Demonstrator schon am Abend des 28. Oktober auf und stellte die Projektergebnisse BDBOS-Präsident Dr. Christoph Hübner vor. Am nächsten Tag kamen viele Besucherinnen und Besucher aus Behörden, Bundeswehr und Hilfsorganisationen an den Stand. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ließ sich das Projekt vorstellen.
„Die MURE26 war für uns eine sehr spannende Erfahrung. Auf dem Übungsplatz hatten wir direkten Kontakt zu sehr vielen Einsatzkräften. Diese Gespräche bringen uns in der weiteren Forschung und Entwicklung praxistauglicher Lösungen ein gutes Stück voran.”
Prof. Dr. Michael Rademacher
Ein eigenes Netz für den Einsatz
Wenn bei einer Katastrophe Mobilfunk und Festnetz ausfallen, wie 2021 beim Hochwasser an der Ahr, fehlt den Einsatzkräften die Verbindung zur Übertragung von Daten, wie etwa Lagebildern oder Videos. Der Digitalfunk ist für Sprache ausgelegt, weshalb seine Bandbreite dafür oft nicht ausreicht. Mit HiLeit lässt sich in solchen Lagen ein komplett autarkes Kommunikationsnetz aufbauen, das von anderen Netzen unabhängig ist. Das System ist so gebaut, dass Einsatzkräfte es ohne großen Aufwand einrichten und in Betrieb nehmen können. Im Einsatzgebiet laufen die Verbindungen dann über Funk, oder bei Bedarf auch über Feldkabel. Die Anbindung ans Internet erfolgt über Satelliten im niedrigen Erdorbit (LEO).
Die H-BRS hat sich in dem Projekt mit dem Zugang zum Netz beschäftigt. WLAN und 5G nutzen dieselbe Anmeldung über die SIM-Karte, sodass sich Einsatzkräfte sicher und einfach verbinden können, ohne Passwörter einzugeben. Auch die Bevölkerung erhält einen sicheren WLAN-Zugang, der vom Netz der Einsatzkräfte getrennt ist. Über die verbleibende Bandbreite können Betroffene dann ihre Familien und Freunde benachrichtigen. Die Satellitenverbindung ist durch ein VPN geschützt, dessen Schlüsselaustausch auf Post-Quanten-Kryptographie (PQC) beruht. Diese Verfahren sind so ausgelegt, dass sie auch Angriffen mit künftigen Quantencomputern standhalten. So bleibt die Vertraulichkeit der Daten auch zukünftig gewahrt.
Über HiLeit
HiLeit steht für „Highspeed Anbindung mobiler Leitstellen mit LEO-Satelliten und 5G“. Im Projektverbund arbeiteten das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT (Koordination), die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, der Malteser Hilfsdienst e.V. und die DeFuTech UG zusammen. Das Projekt lief vom 1. Oktober 2024 bis zum 31. Juli 2026 und wurde von der BDBOS gefördert. Die H-BRS war für das Sicherheitskonzept und die Funkzugangsknoten für 5G und WLAN zuständig. Vor der MURE26 wurde der Demonstrator bereits beim 2. Innovationsforum der BDBOS auf dem Flugplatz Schönhagen und in einem Feldversuch im Ostalbkreis erprobt.