Ein Netzwerk zur Stärkung des Games-Sektors in NRW

Dienstag, 4. Januar 2022
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031/02/01-2022
Computerspiele sind beliebt – und ein Wachstumsmarkt mit enormem Potenzial. Nordrhein-Westfalen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Games-Standort innerhalb Deutschlands entwickelt. Hier haben sich international agierende Spiele-Verlage, eine starke Entwicklerszene und wichtige Messen etabliert. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) hat sich mit drei forschungsstarken Hochschulen zusammengetan, um die Wettbewerbsfähigkeit des Games-Standortes NRW nachhaltig zu steigern. Das Ziel des neuen Verbunds ist ein Forschungs- und Innovationszentrum für Spiele.
Das Bild zeigt einen Taschencomputer-Bildschirm, auf dem ein Spiel läuft, in den Händen eines Menschen
An der H-BRS wird an Computerspielen geforscht. Foto: Kira Wazinski

Für die Computerspiele-Branche stehen die Zeichen klar auf Wachstum: Der globale Markt für Videospiele wird Prognosen zufolge im Jahr 2025 ein Volumen von mehr als 181 Milliarden Euro haben. Bis dahin wird die Zahl der Menschen, die mehr oder weniger Zeit mit Videospielen verbringen, auf mehr als drei Milliarden gewachsen sein. 

In Deutschland entwickelte Spiele spielen auf dem Weltmarkt indes eine verschwindend kleine Rolle. Auch ist die Zahl der Arbeitsplätze in der Spieleentwicklung im internationalen Vergleich eher klein. Und die Forschung konzentriert sich vielfach auf künstlerisch-gestalterische Aspekte. Dabei dienen Spiele nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern kommen als „Serious Games“ auch in der Aus- und Weiterbildung zum Einsatz, etwa bei Firmenschulungen, in der Medizin oder in Museen.

Vier Hochschulen errichten das Netzwerk

Vor diesem Hintergrund haben sich jetzt vier nordrhein-westfälische Hochschulen zusammengetan, um das „Games Technology Network“ (GTN) aufzubauen. Die Koordination hat die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) übernommen. Ihre Partner sind die RWTH Aachen, die Hochschule Düsseldorf und die Technische Hochschule Köln. Das Projekt ist auf zunächst zwei Jahre ausgelegt und wird vom Zukunftsfonds NRW gefördert.

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Professor Hinkenjann vor der hochauflösenden Videowand. Foto: H-BRS

Erklärtes Ziel des neuen Verbunds ist es, ein Netzwerk aus Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen aufzubauen, das die Spieletechnologie fördert und damit dem Standort NRW zugutekommt. In einem ersten Schritt werden die Partner Workshops abhalten mit der Industrie und weiteren Interessenvertretern aus dem Kultursektor, der Wissenschaft und öffentlichen Einrichtungen. Auf diese Weise sollen die Innovationspotenziale ausgelotet werden. Das Angebot richtet sich in erster Linie an regionale Unternehmen und Institutionen. Aufbauend darauf sollen Demonstratoren entwickelt werden, um die vielversprechendsten Entwicklungszweige weiter zu erforschen. Wichtig ist dabei eine Open-Source-Software-Strategie, damit etwa Spieleentwickler die neuen Erkenntnisse in innovative Produkte einfließen lassen können. Parallel dazu wollen sich die vier Hochschulen in Lehre und Ausbildung weiter vernetzen, beispielsweise über interdisziplinäre Promotionen und gemeinsame Veranstaltungen. Die Ausbildung von Fachkräften ist aus Sicht der Verbundpartner der Schlüssel für die Stärkung der Spieleforschung und -entwicklung in NRW.

Das Ziel ist ein Zentrum für Spieleentwicklung

Mittelfristig soll aus dem Games Technology Network ein Forschungs- und Innovationszentrum entstehen, das Spieleentwicklung in all ihren Facetten betrachtet und die Spieleindustrie in NRW einbindet.

„Angeregt durch die gebündelten Kompetenzen aller Projektbeteiligten, soll die Wertschöpfung in NRW gesteigert, der Games-Standort NRW mit neuen Geschäftsmodellen ausgebaut und gegenüber Unternehmen in den USA und Asien positioniert werden“, erklärt Professor André Hinkenjann, Gründungsdirektor des Instituts für Visual Computing an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und gemeinsam mit Professor Ernst Kruijff Leiter des Projekts an der H-BRS, das Vorhaben. „Das GTN wird die Voraussetzungen schaffen, um den Transfer aus der Grundlagenforschung in Wirtschaft und Gesellschaft maßgeblich zu beschleunigen.“

Das Bild zeigt einen Studierenden im Game Studio vor einem Monitor, auf dem ein undefinierbarer Ausschnitt eines Computerspiels zu sehen ist
Die wissenschaftlichen Grundlagen von Computerspielen lassen sich an der H-BRS studieren. Foto: Kira Wazinski

Videospiele und Spieleentwicklung sind Teil der Forschungsstrategie der H-BRS. Mit dem Institut für Visual Computing (IVC) deckt die Hochschule ein breites Anwendungsspektrum ab. In einem interdisziplinären Team arbeiten etwa 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem forschungsorientierten Ansatz an interaktiven Umgebungen, Computer Vision und Visualisierung. Das IVC ist ein Partner für lokale Unternehmen, für die es auch grundlegende Forschungsprojekte mit modernster Technik durchführt. Zur Präsentation der Anwendungen gibt es einen nach dem aktuellen Stand der Technik ausgestatteten „Showroom Visualisierung“. Das IVC ist Mitglied bei „game“, dem Verband der deutschen Games-Branche.

Die Projektpartner:

  • Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS), Institut für Visual Computing (Projektkoordination)
  • Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Visual Computing Institute
  • Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Medien, Mixed Reality und Visualisierung
  • Technische Hochschule Köln, Computer Graphics Group und Cologne Game Lab
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