Ökobilanzierung Graspapier

Kann die Herstellung von Papier ökologisch vorteilhafter gestaltet werden? Eine vergleichende Ökobilanzierung über den Einsatz von herkömmlichem und grasbasiertem Zellstoff.
Von: 
01.06.2017
to
31.10.2017
Förderungsart: 
Auftragsforschung

Projektbeschreibung

Ein Ziel bioökonomischer Forschung und Beratung ist es, daran mitzuwirken, dass vorhandene fossile Rohstoffe effizienter eingesetzt und mit einem möglichst hohen Anteil an regenerativen Rohstoffen substituiert oder ergänzt werden können. Gegenstand der Studie zu Graspapier war die vergleichende Ökobilanzierung (nach ISO 14040) über den Einsatz von Sulfat-Zellstoff, Altpapierstoff und grasbasiertem Zellstoff in der deutschen Papierindustrie. Die Ökobilanz befasste sich mit der Frage, inwieweit die Herstellung von Papier in Deutschland ökologisch vorteilhafter gestaltet werden kann. Denn immerhin wurden im Jahr 2016 22,6 Millionen Tonnen Papierprodukte hergestellt.

Dazu wurde extern bereits im Jahr 2012 eine Studie zum ökologischen Vergleich erstellt. Nun gab es gute Gründe, die Betrachtung in 2017 deutlich zu erweitern. Denn seit dem Erscheinen der ersten Studie hatte sich die Datenlage bezüglich der Wertschöpfungskette von Zellstoff aus Holz stark verbessert. So standen beispielsweise jetzt zum südamerikanischen Raum, aus dem ein großer Teil der deutschen Zellstoff-Importe stammt, qualitativ hochwertigere und genauere Daten zur Rohstoffgewinnung und Zellstoffherstellung zur Verfügung.

Mit der Unterstützung von Datenbanken war es möglich, auch detaillierte Angaben zum Holzanbau, -verarbeitung und -transport in die Analyse einfließen zu lassen. So gelang es durch den Einbezug von rund 95% des in Deutschland zur Papierproduktion eingesetzten Sulfat-Zellstoffes sowie dessen Vorprodukten, die Wertschöpfungskette präziser zu modellieren. Dafür wurden die Vorgänge zwischen dem Abbau der für die Zellstoffgewinnung notwendigen Rohstoffe und der Lieferung der Grundstoffe bis ans Fabriktor als Systemgrenzen gewählt. Die Wirkungsabschätzung erfolgte in den Kategorien „Energieeinsatz“, „Wasserverbrauch“, „Treibhauseffekt/CO2-Emissionen“ und „Versauerung“.

Projektleitung an der H-BRS

Prof. Dr. Wiltrud Terlau

(Gründungs)Direktorin, IZNE- Internationales Zentrum für Nachhaltige Entwicklung
Professur für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
E-Mail: 
wiltrud.terlau [at] h-brs.de

Rheinbach

Raum: 
B 111

Sankt Augustin

Raum: 
Raum G 039

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Projektergebnisse

Grasbasierter Zellstoff schneidet bezüglich des Energie- und Wassereinsatzes, des Versauerungspotenzials und der Emissionsbilanz deutlich besser ab als die Alternativen holzbasierter Sulfat-Zellstoff und Altpapierstoff. Dies liegt daran, dass eine im Vergleich zu Holzeinschlag ähnlich große Menge an Grundstoff (mindestens fünf Tonnen pro Jahr und Hektar) gewonnen werden kann. Einzig Eukalyptus verspricht einen deutlich höheren Ertrag pro Jahr und Hektar. Darüber hinaus ist der Transportweg bei der Bewertung der Umweltleistung entscheidend. Um eine Tonne Sulfat-Zellstoff in der Papierproduktion einzusetzen, werden im Durchschnitt 14.000 Tonnenkilometer Zellstoff in Form von Stammholz, Holzschnitzeln oder bereits raffiniertem Zellstoff bewegt. So ist ein Ergebnis, dass der Aufwand an Energie und Emissionen für den Transport einer Tonne Sulfat-Zellstoff höher ist als bei dem gesamten Herstellungsprozess von zwei Tonnen Altpapierstoff oder drei Tonnen grasbasiertem Zellstoff.

In den vergangenen Jahren ist der Einsatz von Wasser in der Produktion von Sulfat-Zellstoff stark gesunken. Dennoch liegt er in dem dieser Untersuchung zugrundeliegenden Szenario bei 32.000 Litern pro Tonne Sulfat-Zellstoff, 9.000 Litern pro Tonne Altpapierstoff und bei zwei Litern pro Tonne grasbasiertem Zellstoff. Im Vergleich zur Herstellung von Sulfat-Zellstoff und Altpapierstoff ergab sich für den grasbasierten Zellstoff insgesamt ein deutlicher Umweltvorteil. So ist die Produktion von grasbasiertem Zellstoff beispielsweise sechsmal energiesparender als die von Sulfat-Zellstoff, verursacht lediglich 26% der Emissionen, benötigt 16.000 mal weniger Wasser und hat ein um den Faktor 18 geringeres Versauerungspotential.

Geldgeber