Mehr Sicherheit für ICE und TGV

Mittwoch, 20. Juni 2018
ID: 
086/05isf/06-2018
Wissenschaftler vom Institut für Sicherheitsforschung (ISF) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg haben im Rahmen des deutsch-französischen Projekts RE(H)STRAIN eine Luftschleuse entwickelt, die die berührungslose Detektion von flüchtigen Substanzen, die von Sprengstoff oder Drogen herrühren, an Bahnhöfen oder an Zugtüren ermöglicht.
Sicherheitsschleuse im Labor, Institut für Sicherheitsforschung
Projektleiter Stephan Maurer testet die Schleuse. Foto: H-BRS/M. Flacke

Die Bombenanschläge von Madrid (2004) und London (2005) haben gezeigt: Bahnhöfe und Züge in Europa sind potenzielle Ziele für Angriffe mit Sprengstoffen. "Es ist wichtig, kritische Verkehrsinfrastrukturen in der EU besser vor möglichen Terroranschlägen zu schützen", so Prof. Dr. Peter Kaul, Direktor des ISF. Daher komme der Entwicklung von Sicherheitstechnik für den Zugverkehrs zentrale Bedeutung zu.

Sicherheitsschleuse im Labor, Institut für Sicherheitsforschung
Die Schleuse als Labormuster. Foto: H-BRS/M. Flacke

In dem Projekt entwickelte das Team um Professor Kaul eine Luftschleuse zum Schutz der deutschen und französischen Hochgeschwindigkeitszüge ICE und TGV vor terroristischen Angriffen. Vorgabe war der Erhalt des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs als ein für jedermann nutzbares, frei zugängliches System ohne zeitraubende Zusatzkontrollen.

Sicherheitsschleuse im Labor, Institut für Sicherheitsforschung

Angewandte Sicherheitsforschung - ein Forschungsschwerpunkt der H-BRS

Die Wissenschaftler der H-BRS erfüllten die Anforderungen durch die Idee einer kontaktfreien Überprüfung der Reisenden auf ihrem Reiseweg. Sie entwickelten die genannte Luftschleuse, die einfach und schnell begehbar ist und den Strom der Reisenden an Bahnhöfen nicht aufhält. „Beim Gang durch die Schleuse wird der Reisende einem leichten Luftstrom ausgesetzt“, so Projektleiter Stephan Maurer. "Der Luftstrom tritt auf der einen Seite der Schleuse aus und wird auf der andern Seite wieder angesaugt. Anschließend wird er mit verschiedenen Sensoren auf Gefahrenstoffe untersucht."

Das System biete so eine effiziente und störungsfreie Passagierkontrolle, da keine Stopps und weitere Überprüfungen notwendig sind. "In Verbindung von mehreren Systemen beispielsweise am Eingang eines Bahnhofs und an den Zugtüren, können Träger von gefährlichen Stoffen zudem entsprechend beobachtet und gegebenenfalls polizeilich überprüft werden", so Maurer weiter.

Das ISF präsentierte das Labormuster der Sicherheitsschleuse bereits auf der Hannover Messe und bei der Bonner Wissenschaftsnacht. Eine Weiterentwicklung des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der französischen L'Agence Nationale de la Recherche geförderten Projekts ist geplant.