Centrum für Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand
Mein Business ist ein Ort zum Ankommen.
Kissia Groot Bramel, Gründerin von meramanis Coffee Roaster, importiert und verkauft indonesische Kaffeespezialitäten
Wer bist du und woran arbeitest du aktuell?
Mein Name ist Kissia Groot Bramel. Ich bin Co-Founderin von meramanis Coffee Roaster und dem gleichnamigen Café in Köln. Wir fokussieren uns auf Kaffeespezialitäten aus Indonesien.
Was war der Auslöser für dich, dich selbstständig zu machen?
Ich wollte eine Brücke schaffen zwischen Kaffee, meiner Herkunft und der indonesischen Kultur. Für uns ist Kaffee nicht nur ein Produkt, sondern auch ein Ritual.
Welchen Impact möchtest du mit deiner Arbeit erzielen?
Ich wollte nicht nur Kaffee verkaufen, sondern auch einen Ort schaffen, an dem man sich zu Hause fühlt, auch für die indonesische Community hier in Deutschland. Das Café soll ein Ort sein, an dem man nicht nur Kaffee trinkt, sondern auch kreativ sein kann.
Du hast 2022 dein Praxissemester* am CENTIM gemacht, um dein eigenes Unternehmen aufzubauen und voranzubringen. Hat dir das einen Vorteil verschafft, weil du Zeit sparen konntest, oder hättest du rückblickend doch lieber anders entschieden und ein Praktikum gemacht, um erst einmal Erfahrungen zu sammeln?
Rückblickend war das auf jeden Fall ein Vorteil für mich. Ich bin froh, dass ich den Weg so gegangen bin, weil ich direkt die Realität sehen durfte, Herausforderungen lösen und daran wachsen konnte.
Du hast BWL studiert. Was konntest du aus dem Studium direkt anwenden und was war in der Realität dann doch ganz anders?
Vieles konnte ich anwenden, besonders aus den Bereichen Marketing, B2B und Unternehmensführung, auch ein bisschen aus dem Bereich Finanzierung. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich mir auch sehr viel selbst beibringen musste, oder auch immer noch muss, wie zum Beispiel Mitarbeiterführung und die ganze Bürokratie. Das ist sehr komplex.
Stichwort Bürokratie: Wie schwierig es, sich durch Bürokratiedschungel zu kämpfen, von Hygienevorschriften, über Steuern und Zoll? Das ist ja einiges, was da auf einen zukommt.
Gerade als Gründerin mit internationalem Hintergrund ist das anspruchsvoll, auch wenn ich schon seit 13 Jahren in Deutschland bin. Aber ein paar Kurse und Veranstaltungen und vor allem mein Netzwerk haben mir sehr geholfen, mir die Bürokratie ein bisschen näherzubringen und zu verstehen. Ich weiß im Zweifel, wen ich anrufen muss, damit mir weitergeholfen wird. Ich bin zum Beispiel in einer Gründer:innen-Gruppe, da kann ich immer fragen, wie etwas funktioniert oder wo ich hingehen muss – irgendwer hilft mir da immer weiter!
„Das Emotionale ist wichtiger als das Produkt selbst. Man schafft eine Verbindung und gerade deshalb kaufen die Kund:innen das Produkt. ”
Kissia Groot Bramel - Gründerin von meramanis Coffee Roaster
Du bedienst mit B2C im Café und B2B beim Import zwei unterschiedliche Bereiche. Was ist schwieriger zu handeln?
Beide sind sehr unterschiedlich. B2C ist emotionaler, viel direkter und man muss kurzfristige Entscheidungen treffen. Im B2B Bereich muss man strategisch denken, alles dauert länger und man muss auch mehr aufpassen. Ich wollte ursprünglich mit B2B anfangen, aber ich bin froh, dass ich dann doch erst das Café eröffnet habe, bevor ich mit dem Import gestartet bin. Bei B2B kann man sehr viele Fehler machen und B2B-Kund:innen zu bekommen, ist ziemlich schwer.
Was war der härteste Moment oder der größte Fehler, bei dem du gedacht hast: „Ich schmeiße das jetzt alles hin“?
Es gab auf jeden Fall Situationen, die eigentlich schon über meiner Grenze lagen. Aber ich bin froh, dass ich eine Person bin, die einfach weitermacht. Ich muss mich manchmal nur wieder daran erinnern, warum ich das alles mache. Vor allem in Phasen, in denen alles zusammenkommt: finanzielle Unsicherheit, organisatorische Probleme, emotionaler Druck. Dann muss man einmal kurz innehalten und dann geht’s auch weiter, weil es sich einfach lohnt.
Ihr importiert Kaffee aus Indonesien und arbeitet dabei direkt mit den Farmern vor Ort zusammen. Was bewirkt dieser direkte Draht?
Direkter Handel bedeutet für mich Respekt und Transparenz. Letztes Jahr war ich auf der „World of Coffee“ in Jakarta. Das war krass zu sehen, wie dort Farmer direkt mit internationalen Einkäufer:innen in den Austausch gehen konnten, das ist normalerweise so weit weg von deren Lebensrealität. Der direkte Draht und Austausch ist total wertvoll und lehrreich für beide Seiten.
Du hast ganz am Anfang gesagt, dass du mit dem Café einen Ort schaffen wolltest, wo man sich zuhause fühlt. Wie wichtig ist das Emotionale beim Gründen, wenn du ja eigentlich ein physisches Produkt verkaufen möchtest?
Das ist wichtiger als das Produkt selbst. Man schafft eine Verbindung und gerade deshalb kaufen die Kund:innen das Produkt. Ich bin froh, dass wir genau das im meramanis schaffen, vor allem, weil unser ganzes Team so unglaublich freundlich ist. Diese Freundlichkeit ist sehr wichtig bei uns in Indonesien und es ist echt schön, dass wir dieses Stückchen Kultur nach Köln an den Hansaring bringen. Wir sind ein gemischtes Team, aber wir achten bei der Auswahl von neuen Mitarbeitenden immer darauf, ob sie in diese Dynamik reinpassen. Und meistens klappt das sehr gut.
Welche Rolle hat die Start-up-Manufaktur bei der Gründung gespielt und wem würdest du die Zusammenarbeit empfehlen?
Die Start-up-Manufaktur war damals meine erste Anlaufstelle, als ich noch total ratlos war. Ich wollte gründen, aber wusste nicht wie ich anfangen sollte, vor allem als Studentin. Ihr habt mich dann an die Hand genommen und eine sehr große Rolle in meiner Gründungsphase gespielt. Ich würde die Zusammenarbeit jedem empfehlen, der selbstständig und kreativ sein möchte. Seid mutig.
Was ist der nächste große Meilenstein für meramanis?
Mittlerweile haben wir unsere Rösterei in Haan bei Wuppertal. Jetzt möchten wir auf jeden Fall die B2B-Kundenbasis stärken und uns darauf fokussieren. Wir möchten mit meramanis die Verbindung zwischen Indonesien und Europa noch weiter ausbauen.
Erläuterung Praxissemester
Das Praxissemester im eigenen Unternehmen wurde über das CENTIM ermöglicht. Aufgrund begrenzter Kapazitäten kann diese Möglichkeit aktuell leider nicht angeboten werden.
Über Meramanis
Kontakt
Karoline Noth
Projektleiterin SoNaR, @ Start-up-Manufaktur - das Gründungszentrum der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Standort
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Raum
H 306
Adresse
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53359, Rheinbach
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