Internationales Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE)
Gärten fördern das CO₂-Gleichgewicht: Interview mit Doktorandin Atefeh Movassagh
IZNE: Was ist der Schwerpunkt deiner Forschung?
Atefeh Movassagh: Meine Forschungsfrage lautet: Wie wirken sich Landnutzung und Bewirtschaftung in städtischen Grünflächen der Region Bonn/Rhein-Sieg auf den organischen Kohlenstoffgehalt, die Nährstoffe im Boden und das Potenzial für Ökosystemleistungen aus?
Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, wie sich verschiedene Formen der Landnutzung und Bewirtschaftungspraktiken auf die Speicherung von organischem Kohlenstoff (SOC) und die Nährstoffgehalte in städtischen Grünflächen auswirken – mit besonderem Fokus auf die Stadt Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis.
„Was mich an dieser Forschung am meisten fasziniert, ist ihre ganzheitliche Sichtweise auf Umwelt- und Gesundheitsfragen. Sie zeigt, dass jede noch so kleine Maßnahme zählt – selbst ein Hausgarten kann erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben. Der Boden ist nicht nur eine dünne Schicht, die die Erde bedeckt; er ist die Lösung für viele der Herausforderungen, vor denen wir stehen.”
Atefeh Movassagh - Doktorandin
IZNE: In einem Vortrag im letzten Jahr hast du gesagt: „Es geht nicht immer darum, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren, sondern darum, ihn wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“ Könntest du das näher erläutern?
Atefeh Movassagh: Die Gesamtmenge an Kohlenstoff im System der Erde bleibt nahezu konstant, doch er zirkuliert kontinuierlich zwischen Atmosphäre, Ozeanen und Land. Beim Klimawandel geht es nicht darum, dass insgesamt mehr Kohlenstoff vorhanden ist, sondern vielmehr um ein Ungleichgewicht in diesen Kohlenstoffkreisläufen. Die Urbanisierung – durch Bautätigkeit, industrielle Aktivitäten und nicht nachhaltige Bodenbewirtschaftung – verschärft dieses Ungleichgewicht. Die Wiederherstellung des Kohlenstoffgehalts im Boden und die Wiederherstellung des Gleichgewichts in diesen natürlichen Kreisläufen sind unerlässlich, um nachhaltigere und widerstandsfähigere städtische Umgebungen zu schaffen.
IZNE: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse bisher?
Atefeh Movassagh: Unsere Ergebnisse zeigen, dass städtische Grünflächen im Kreis Bonn-Rhein-Sieg – wie Hausgärten, Kleingärten und öffentliche Grünflächen – im Vergleich zum weltweiten städtischen Durchschnitt relativ hohe Bestände an organischem Kohlenstoff (SOC) und Nährstoffen aufweisen. Wir haben außerdem festgestellt, dass die Vegetationsart ein entscheidender Faktor für die SOC-Speicherung ist, was die Bedeutung der Pflanzenauswahl für die Verbesserung der Kohlenstoffbindung in städtischen Böden unterstreicht.
„Der Boden ist ein komplexes und dynamisches Ökosystem, reich an biologischer Vielfalt und unverzichtbar für die Ökosystemleistungen, die unser Leben und unser Wohlbefinden sichern. Einer der lohnendsten Aspekte meiner Promotion war die Zusammenarbeit mit Gärtner:innen. Der Austausch mit Menschen, die sich aufrichtig für Umweltfragen engagieren, war wirklich inspirierend.”
Atefeh Movasagh - Doktorandin
IZNE: Welche praktischen Empfehlungen hast du für alle Gärtner:innen?
Atefeh Movassagh:
- Pflanze mehr, nicht weniger: Steigere die Biomasse, indem du vielfältige Vegetation anpflanzt, anstatt Flächen kahl oder von Rasen dominiert zu lassen.
- Behalte organisches Material: Lass Grasschnitt und Pflanzenreste in deinem Garten liegen oder verwandel sie in Kompost.
- Fördere das Leben unter der Erde: Gesunde Böden sind auf Biodiversität angewiesen – schütze Bodenorganismen, indem du die Pflanzenvielfalt erhöhst und Bewässerung und Düngung sorgfältig steuerst.
IZNE: Vielen Dank für diese spannenden Einblicke in deine Forschungsarbeit. Wir wünschen dir alles Gute für den Abschluss deiner Doktorarbeit!
Das Promotionsvorhaben wird betreut von: Prof. Dr. Martin Hamer (H-BRS, IZNE), Prof. Dr. Thomas Döring (Universität Bonn), Prof. Dr. Florian Wichern (Hochschule Rhein-Waal) und Dr. Bibiana Betancur Corredor (Universität Bonn).
Über Atefeh Movassagh
Kontakt
Martin Hamer
Professor für Böden und Biomasse , Geschäftsführer des Internationalen Zentrums für Nachhaltige Entwicklung (IZNE), Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften
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