H-BRS und Bonner Polizei wollen kooperieren

Montag, 12. Oktober 2020
Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und die Bonner Polizei haben sich über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgetauscht. Bei einem Besuch am Campus Rheinbach sprach der Bonner Polizeipräsident Frank Hoever mit Hochschulpräsident Hartmut Ihne, der Vizepräsidentin für Forschung und Wissenschaftlichen Nachwuchs, Margit Geißler, und Vertretern des Fachbereichs Angewandte Naturwissenschaften. Die Hochschule bildet Spezialisten in der naturwissenschaftlichen forensischen Analytik und Sicherheitsforschung aus. Auf diesem Gebiet sucht die Polizei Fachpersonal.
Der Bonner Polizeipräsident mit Vertretern der Hochschule in einem Labor am Campus Rheinbach
V. l.: Hartmut Ihne, Mischa Ellenberger, Richard Jäger, Margit Geißler, Peter Kaul, Frank Hoever. Foto: Esther Hummel/H-BRS

Richard Jäger, Professor für forensische Biologie, stellte Ziele und Inhalte des Bachelor-Studiengangs Naturwissenschaftliche Forensik vor und betonte insbesondere die kriminalistisch-forensische Expertise, die die Studierenden neben den naturwissenschaftlich analytischen Kenntnissen erwerben. Professor Peter Kaul, Gründungsdirektor des Instituts für Sicherheitsforschung (ISF), beschrieb die vielfältigen Forschungsansätze seines Institutes, beispielsweise bei der Sprengstoffdetektion.

Praxisphase und Abschlussarbeiten bei der Polizei

Hoever kann sich vorstellen, Studierenden der Hochschule praktische Möglichkeiten zu bieten. So könnten Studierende ihre Praxisphase und Abschlussarbeit bei der Polizei absolvieren, beispielsweise der kriminaltechnischen Untersuchungsstelle (KTU). Durch die hochmoderne Ausstattung der Hochschullabore seien sie in der Lage, mit der fachspezifischen Technik auch praktisch umzugehen, so Professor Jäger.

Die Polizei sei für die Forensik-Absolventen auch als möglicher Arbeitgeber attraktiv, sagte Hoever. Nicht nur, weil die Polizei ein Jobgarant sei, sondern vor allem, weil die Aufgaben vielfältig und hochinteressant seien. Gerade die DNA-Analyse werde in Zukunft immer wichtiger.

Schnittstelle Odorologie

Eine gemeinsame Schnittmenge sehen Hochschule und Polizeipräsident auch bei der Odorologie, die sich um den Einsatz von Spürhunden dreht. Hier gehe es vor allem um die sensible Ausbildung der Hunde, erklärte Professor Kaul. "Sind die Hunde richtig ausgebildet, übertreffen sie jeden Sensor." Selbst kaum nachzuweisende Spuren von TATP, dem sognannten Terroristensprengstoff, können die Tiere erschnüffeln. Für das Training kann die Hochschule verschiedene Prüfgase herstellen.

Weitere Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit könnten sich laut Hoever bei der IT-Sicherheit ergeben. Die Hochschule widmet sich diesem Themengebiet bereits seit Jahren. Mit dem Projekt Cyber Campus NRW, einer Kooperation mit der Hochschule Niederrhein, soll daraus ein eigener Studiengang entstehen.

Die Polizeiarbeit sei hochkomplex und brauche Menschen, die vor dieser Komplexität nicht zurückschrecken, sagte Hochschulpräsident Ihne. "Hochschulen sind Orte, an denen der Umgang mit Komplexität gelehrt wird. Wir brauchen exakt ausgebildete Leute. Und unsere Hochschule bringt diese Leute hervor." Die Kooperation zwischen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Bonner Polizei soll in eine Vereinbarung münden.