Centrum für Entrepreneurship, Innovation und Mittelstand
Ich bringe Ideen zum Fliegen.
Maximilian Johenneken, Mit-Gründer von DrofoTech, beschäftigt sich mit der Wiederaufforstung von Wald mithilfe von Drohnentechnologie
Wer bist du und woran arbeitest du aktuell?
Ich bin Maximilian Johenneken, zum einen wissenschaftlicher Mitarbeiter an der H-BRS und gleichzeitig angehender Gründer. Wir beschäftigen uns mit der Wiederaufforstung von Wäldern mithilfe von Technologie, genauer gesagt mit Drohnen. Wir machen Präzisionssaat im Wald.
Was war der Auslöser für dich, dich selbstständig zu machen?
Das geht eigentlich schon lange zurück, ich würde sagen, auf meine Eltern. Die waren auch schon selbstständig mit einer Holzwerkstatt, in der sie Möbel restauriert haben. Ich wollte immer irgendetwas in Richtung Selbstständigkeit machen und bin durch Umwege jetzt da angekommen.
Welchen Impact möchtest du mit deiner Arbeit erzielen?
Mir ist es wichtig, an Themen zu arbeiten, die die Gesellschaft voranbringen – große Themen, an denen aus meiner Sicht momentan noch zu wenig Leute arbeiten und eins davon ist die Wiederaufforstung. Wir müssen in Deutschland in den nächsten 70 Jahren ein Drittel der Waldfläche wiederaufforsten. Das geht bisher viel zu langsam und ist viel zu teuer.
DrofoTech ist aus einem Forschungsprojekt an der Hochschule entstanden. Was war der Auslöser, dass ihr gesagt habt: „Das ist kein reines Forschungsprojekt mehr, wir machen daraus ein Unternehmen“?
Das geht tatsächlich auf den Start-up-Cup 2023 zurück. Forschung ist gut für die Grundlagen und um technische Fragestellungen auszumerzen. Aber wir haben gemerkt, und das hat uns auch der Fördermittelgeber gespiegelt, dass wir hier ein Problem mit klarer gesellschaftlicher Relevanz bearbeiten, das in der Praxis gelöst werden muss. Ich erinnere mich an einen bestimmten Tag im Labor, an dem ich mit meinem Mitgründer Ahmad zusammensaß und wir gesagt haben: „Let's make a pie, let's do this together“. Einfach, weil wir gemerkt haben, dass wir beide diesen Drive haben und Probleme auch praktisch anpacken wollen. Die Hochschule gibt irgendwann nicht mehr den passenden Rahmen dafür vor. Gerade an dem Punkt, an dem wir aktuell stehen, gehen wir vom validierten Prototypen in die reale Anwendung über. Das ist eine völlig andere Perspektive, weil man nicht mehr rein technologiegetrieben arbeitet, sondern viel stärker von der Marktseite aus denkt: Was brauchen die Kund:innen, die Förster:innen oder Waldbesitzer:innen? Wie sieht deren Lebensrealität aus? Diese Perspektive kann man erst wirklich einnehmen, wenn man das Ganze unternehmerisch betrachtet und ein Geschäftsmodell entwickelt, das wirtschaftlich tragfähig ist.
Du bist von Haus aus Informatiker, hast aber auch den MBA Start-up Development studiert, um die Businessseite abzudecken. Wie war der Switch von Algorithmen und Code hin zu Businessmodellen und Zielgruppen?
Es ist mir gar nicht so schwergefallen. Ich konnte tatsächlich relativ viel weiterverwenden, zum Beispiel aus der Systemtheorie. Organisationen sind letztendlich auch Systeme. Das, was ich in der Systementwicklung anwende, kann ich also auch auf Organisationsentwicklung anwenden. Ich habe mich viel mit Benutzerfreundlichkeit von Programmen beschäftigt und dem Requirements Engineering, also der Anforderungserhebung. Dabei fragt man sich: Was will bzw. braucht der Kunde oder die Kundin eigentlich? Anforderungen in der Software-Planung entstehen aus Business-Fragestellungen. In der Informatik gibt es den Begriff des „Fullstack Entwicklers“, der kann alles programmieren, von den Systemgrundlagen bis zur Benutzeroberfläche. Ich würde sagen, ich bin jetzt ein „Fullstack Entrepreneur“: Ich bediene auch noch die Schicht darüber, das Geschäftsmodell.
„In der Informatik gibt es den Begriff des „Fullstack Entwicklers“. Ich bin jetzt ein „Fullstack Entrepreneur“: Ich bediene auch noch die Schicht darüber, das Geschäftsmodell.”
Maximilian Johenneken - Mit-Gründer von DrofoTech
Ihr kommt aus der Wissenschaft und habt viel in Forschungsprojekten gearbeitet, bei denen man Ministerien und Projektträger überzeugen muss, um Fördergelder einzuwerben. In der Wirtschaft müsst ihr direkt mit Kund:innen, in eurem Fall Förster:innen, und Investor:innen sprechen und sie von euch und eurem Produkt überzeugen. Wo sind da die größten Unterschiede?
Das ist mir gerade vor ein paar Tagen erst wieder bewusst geworden. Wir sind Teil eines Accelerator-Programms und haben in dem Rahmen mit einigen Förstern gesprochen. Da ist klar geworden, dass es in der Forschung oft um Visionen und Buzzwords wie KI und Drohnen geht, die alles revolutionieren sollen. Förster denken dagegen sehr rational. Die fragen ganz klar: „Was bringt mir das?“ Wir können denen erzählen, wie wir ihren Wald in 3D visualisieren, aber am Ende ändert das nichts daran, dass der Wald in einem schlechten Zustand ist. Für die Förster zählt vor allem: Hilft es mir im Alltag und senkt es meine Kosten? In der Forstwirtschaft sind die Kosten enorm gestiegen, da kauft niemand eine Dienstleistung, nur um modern auszusehen.
Gab es auch mal operative Zwischenfälle? Ist mal eine Drohne im Baum gelandet oder abgestürzt?
Wir hatten natürlich auch mal den einen oder anderen Zwischenfall. Wir waren zum Beispiel einmal im Wald und hatten die große Schwerlastdrohne neben unserem Zelt geparkt. Auf einmal haben sich die Rotoren der Drohne unbeabsichtigt bewegt, glücklicherweise stand in dem Moment niemand direkt daneben. Das haben wir dann zum Anlass genommen, unser Sicherheitskonzept noch einmal zu überarbeiten. Selbst wenn man sich sicher ist, dass die Drohne gerade eigentlich nicht abhebt, steht sie seitdem immer in einem separaten Bereich. Aber auch der Wald selbst ist nicht ohne: einmal waren wir in der Fläche und dann ist 30 Meter hinter uns ein Baum umgefallen. Hätten wir da eine Minute länger rumgestanden, dann hätte das sehr eng werden können. Man muss draußen mit offenen Augen unterwegs sein; da lauern andere Gefahren als im Büro.
Ihr habt schon als Forschungsteam zusammengearbeitet. Funktioniert das im Start-up genauso oder müsst ihr euch neu aufstellen?
Die größte Herausforderung ist, dass die Dinge gerade parallel laufen und wir die gesamte Organisationsstruktur neu aufbauen müssen. Wie dokumentieren wir Prozesse? Wer hat Zugriff auf das Bankkonto? Natürlich sind das alles Fragen, die sich jedes Start-up stellen muss. Wir haben festgestellt, dass wir die Expertise, die wir vorher im Forschungsprojekt hatten, komplett mit dem neuen Team abdecken müssen. Die Herausforderung besteht darin, neue Personen zu integrieren, obwohl wir als Kernteam bereits mehrere Jahre zusammenarbeiten. Wir haben als Gründerteam unterschiedliche Ansätze, wie wir arbeiten: Ich bin eher der strategische, langfristige Denker, der die Dinge komplett verstanden haben muss, bevor er agiert und Ahmad ist eher derjenige, der einen sehr intuitiven Drive und die Street Smartness mitbringt. Und natürlich haben wir verschiedene Perspektiven, aber das ist auch das, was uns als Team ausmacht, wir ergänzen uns unglaublich gut.
In der Forstwirtschaft sieht man Ergebnisse oft erst nach Jahrzehnten. Wie geht man als Start-up damit um, wenn der Impact der eigenen Arbeit erst in der nächsten Generation sichtbar wird?
Das ist schon eine Herausforderung. Wir starten mit einer Dienstleistung, quasi „Reforestation as a Service“, und sitzen damit im selben Boot wie unsere Kunden. Wir wollen nah am Kunden sein und deren Perspektive berücksichtigen: Förster haben eine sehr tiefe Beziehung zu ihren Flächen; das sind oft Lebenswerke und so ein Wald wächst immer für die nächste Generation. Ein Baum braucht 80 bis 100 Jahre, bis man das Holz nutzen kann. Zum anderen haben wir ja auch durch den Klimastress noch ganz andere Fragestellungen. Wie weit schafft es unser Wald denn überhaupt noch? Da ist es wichtig, die Hoffnung zu behalten, dass wir das gemeinsam hinbekommen.
Das Spannungsfeld besteht darin, dass unser Start-up eine Dienstleistung anbietet, die für die nächsten 100 Jahre eine Auswirkung hat. Da müssen wir auch berücksichtigen, nicht nur kurzfristige Entscheidungen für einen schnellen „Return on Investment“ zu treffen. Deshalb ist es uns wichtig, Partner:innen und Investor:innen zu finden, die verstehen, wie die Forstwirtschaft funktioniert und die bereit sind, langfristig zu denken.
Welche Rolle hat die Start-up-Manufaktur auf eurem Weg gespielt und wem würdet ihr die Zusammenarbeit empfehlen?
Die Start-up-Manufaktur war seit 2023 in verschiedensten Bereichen ein ständiger Begleiter. Der Start-up-Cup war für uns der Auslöser, uns wirklich zu committen. Darüber haben wir schon mal eine erste Sichtbarkeit bekommen und Kontakte. Durch den Wettbewerb habe ich auch das Stipendium für den MBA bekommen, was extrem hilfreich war, um die wirtschaftliche Perspektive ins Team zu holen. Wir hatten auch immer wieder Coachings, die uns Denkanstöße gegeben haben oder auch mal den nötigen „Arschtritt“. Es ist einfach gut, externe Perspektiven dabei zu haben. Von daher würde ich einfach jedem empfehlen, der in irgendeiner Form mit dem Gedanken spielt zu Gründen: Geht auf die Start-up-Manufaktur zu, die helfen euch! Die bauen das Unternehmen nicht für euch auf, aber sie sind ein Sparringspartner, mit dem ihr über eure Idee sprechen könnt und die euch Sichtbarkeit geben können. Ich denke, das ist total wichtig.
Was ist der nächste große Meilenstein für DrofoTech?
Wir sind jetzt gerade in den Accelerator der Future Forest Initiative aufgenommen worden. Das ist ein zehnwöchiges Programm, in dem wir gemeinsam mit Mentor:innen und Expert:innen unsere Geschäftsidee validieren und intensiv Feedback sammeln, um unser Angebot zu verbessern und unsere Roadmap zu schärfen. Unser aktuelles Forschungsprojekt läuft noch bis Ende des Jahres, und Anfang nächsten Jahres gründen wir offiziell aus. Dann wollen wir deutschlandweit Pilotflächen bestücken und gemeinsam mit unseren Kunden beweisen, dass die Idee im großen Stil funktioniert.
Erläuterung MBA:
Der MBA Start-up Development war ein berufsbegleitendes Studienangebot, was zwischen 2021 und 2025 an der H-BRS angeboten wurde.
Über DrofoTech
Kontakt
Karoline Noth
Projektleiterin SoNaR, @ Start-up-Manufaktur - das Gründungszentrum der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Standort
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